laut.de-Kritik

Aufgeblähter Sommer-Pop mit Hang zum Kitsch.

Review von

Bastille ist der Name eines britischen Bandprojekts, hinter dem eigentlich nur ein Mann steckt: Dan Smith, ein junger Kreativkopf. Und seine Vorliebe gilt nicht nur schmucken Dreiecken, mit denen er das Artwork seines Debüts "Bad Blood" ziert. Nein, er steht mindestens genauso sehr auf kitschige Synthies und afrikanisch angehauchte Ethno-Klänge.

Dort setzt der Opener "Pompeii" unverzüglich an: Neben einem bemüht pathetischen "Ehh-Ohh"-Chor torkelt bald ein scheppernder Synth durch den Song. Wenigstens verleihen paukende Ethno-Drums dem Langspieler über die ganze Dauer hinweg hier und da Form.

Ein beliebtes wenn nicht gar beliebig eingesetztes Element: Der "Oooh"-Background-Chor. Wenn er nicht im oft wiederholten Refrain erklingt, dann in der obligatorischen Bridge, dem ruhigen Song-Teil nach etwa zwei Dritteln der Spielzeit. Zementiertes Popsong-Schema at its best.

Ja, Struktur-Experimente sucht man auf "Bad Blood" vergebens. Das Resultat: Zwölf Tracks, die alle gleich klingen. Mal weniger, weil sie zwischendurch den Anspruch auf eine Ellie Goulding-Klavierballade erheben ("Overjoyed", "Oblivion"). Mal mehr, weil sie ins Schema langweiliger Synth-Pop-Spielerei passen.

Spätestens ab "Things We Lost In The Fire" lechzen Bastille viel zu sehr nach Stadion. Ab zur Eröffnungsfeier von Olympia, irgendwann zwischen 1980 und 2000. An der Seite von Coldplay und ihrem aufgeblähten Bombast-Rock, gemischt mit sowas wie Fool's Garden. Sphärisch soll es wirken, aber – um im Coldplay-Kontext zu bleiben - "Fix You"-Momente sucht man auf dem Album eher vergebens.

Wenn man denn noch etwas Gutes aus "Bad Blood" ziehen möchte, dann liegt das an einzelnen Stücken. Denn die unzähligen "Ohs" und "Uhs", die auf Albumlänge unglaublich penetrieren, sind im fluffig-crunchigen "Flaws" doch ganz schön anzuhören, der Gesang ist eingängig und langweilt nicht. Ein Sommersong-Bonus ist es, der dem Album stellenweise ein wenig Charakter verleiht. Und mehr muss dann ja auch nicht hinter einer Produktion stecken, damit sie stückchenweise ihren Einzug in unbeschwerte Sonnen-Soundtracks feiert.

Trackliste

  1. 1. Pompeii
  2. 2. Things We Lost In The Fire
  3. 3. Bad Blood
  4. 4. Overjoyed
  5. 5. These Streets
  6. 6. Weight Of Living Part II
  7. 7. Icarus
  8. 8. Oblivion
  9. 9. Flaws
  10. 10. Daniel In The Den
  11. 11. Laura Palmer
  12. 12. Get Home

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5 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    sorry, aber spätestens nach dem Satz, dass alle Songs gleich klingen würden, konnte ich die Review nicht mehr wirklich ernst nehmen ôo
    die Texte sind teilweise kitschig (Oblivion) aber eben auch teilweise wirklich toll (Laura Palmer)
    und mit der richtigen Anlage bzw den richtigen Boxen / Kopfhörer här man auch mehr als nur ahs und uhs und ohs ;D
    ich kanns echt nicht verstehen, wirklich, spätestens nach ein paar mal Durchhören kann man doch nicht ernsthaft sagen, dass das eher 'fröhlich' angelegte etwas mehr midtempomäßige Flaws wie das düstere, bedrückende Bad Blood klingt, das nebenbei den besten Refrain hat, den ich seit langem gehört hab von der Melodieführung her.
    aber Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden.
    trotz der stellenweisen Trommelei kann ich ebenso überhaupt nicht verstehen, wie man in diesem Album ein 'Sommer'Album sehen kann, oder wurde es wirklich so oberflächlich gehört und nebenbei Angry Birds gezockt?!
    denn unbeschwert ist das Album doch wohl an den wenigstens Stellen ôo
    selbst in dem von mir angesprochenen Flaws schwingt textlich doch eher etwas düsteres und nichts 'sommerliches' mit

  • Vor einem Jahr

    Danke, so.bin.ich.eben! Ich habe in letzter Zeit kaum ein Album gehört, das gleichzeitig in sich so stimmig und trotzdem abwechslungsreich ist wie "Bad Blood". Und vielleicht ist es wirklich etwas kitschig, aber mir bescheren die meisten Songs Gänsehaut. Keine Ahnung, was den Autoren beim Verfassen der Rezension geritten hat.

  • Vor 6 Monaten

    AU backe. So eine Kritik ist ja wohl der größte Witz.
    Bad Blood ist wohl eines der besten Alben 2013, was zum Teil auch der beachtliche Erfolg der Band widerspiegelt.

    Dass die Lieder alle gleich klingen sollen, klingt ja nicht gerade danach, als habe sich der Autor die ganze Platte angehört.
    Hört mal auf mit dem Taschenbillard nebenher!

  • Vor 6 Monaten

    Bad Blood ist ein richtig tolles Album.

  • Vor 3 Monaten

    Sommer-Pop? Meines Erachtens ja! Aber verdammt guter, den ich immer hören kann.