laut.de-Kritik

Klavierserenaden von längst vergessenen Gefühlen.

Review von

Nachdem sich die junge Amerikanerin schon in sämtlichen Genre-Gefilden herum getrieben hat, wendet sie sich in ihrem mittlerweile siebten Album wieder einer neuen Seite zu. Die Stimmung ist diesmal märchenähnlich und ähnelt einer Erzählung von einem vergessenen Wald, durch den sie mit ihren fantasievollen und filigranen Texten streift.

Teils gibt sie sich ganz privat, teils mit Bandarrangement. Doch jedes Mal verbreitet sich ein Zauber, der von der diffus angesetzten, gehauchten und in die Höhe steigenden Stimme untermalt wird. Der Anfang erinnert an fabelhafte Amélie-Klänge, doch was mit einem sanften Klavierspiel beginnt, windet sich im Lauf der nächsten 16 Songs durch emotionale Höhen und Tiefen. Zwar könnte es sich bei Amandas neuem Album auch genauso gut um einen Soundtrack handeln, doch eher um einen, der die schillernde Welt des Stummfilms vertont, als Gartenzwerge auf ihre geheime Weltreise zu begleiten.

Im nächsten Atemzug widmet sich die PETA-Aktivistin nämlich dem romantischen Jazz, der mit "This Message Is Getting Old" nach einem Lebenszeichen der guten alten Heimat ruft. Und das in erster Linie, um sich immer tiefer in die klangvollen Töne ihres Klaviers fallen zu lassen. In "Serenade" beispielsweise ist eine wunderschöne Steigerung zu hören, die alles andere als emotional überladen klingt.

Mit "Tiger Lily Hill" schlägt Amanda Rogers etwas voranschreitendere Rythmen an, während sie sich von einem zurückhaltenden Schlagzeug unterstützen lässt. In "Armageddon My Love" steht das Klavier wiederum als Kontrastmittel im Raum, wenn die sanften Töne schon zu Beginn ähnlich einem Counting Crows-Song eine tieftraurige Grundstimmung aufbauen. Hoffnungsvoll und tränenrührend zugleich, erzählt sie von künstlich erzeugter Weltuntergangsstimmung, bis die Musik von neuem umkehrt und ein mitreißendes Stacatto offenbart.

Diese überraschenden Brüche sind genau das, was die Alben von Amanda Rogers so abwechslungsreich machen. Es ist, als würden ihr beim jazzigen Klaviergeklimper in einer alten Bar tausend Dinge im Kopf herumschwirren, und durch ihr einfühlsames Spiel lässt sie uns davon ein Stückchen miterleben.

Trackliste

  1. 1. All So Lovely
  2. 2. This Message Is Getting Old
  3. 3. Taming Of The Lonely One
  4. 4. All My Life
  5. 5. Serenade
  6. 6. Tiger Lily Hill
  7. 7. What You Do
  8. 8. Armageddon My Love
  9. 9. Raggedy Anne
  10. 10. A Sea Of Love
  11. 11. Get Your Heart
  12. 12. Ms. X
  13. 13. The Best Things In Life Aren't Things To A Fugitive
  14. 14. 9 Years On The Inside
  15. 15. Leave A Light On
  16. 16. Hope From The Forgotten Woods

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