laut.de-Kritik

Verträumt, sphärisch und melancholisch.

Review von

Der Franzose Neige kann ja nix dafür, aber die passende Beschallung für das triste Regenwetter im nasskalten Januar ist seine Musik sicher nicht. Vielmehr möchte man sich zu "Les Voyages De L'Âme" verträumt ins Gras legen, die Augen zu schließen oder auch entspannt den Himmel zu beobachten, wie die Wolken vorbei ziehen.

Nun bleibt uns vorerst nur das Sofa, um den warmen, sanften Klängen von "Autre Temps" zu lauschen. Die schwarzmetallischen Ausflüge rücken im Vergleich zu "Écailles De Lune" wieder in den Hintergrund. Gerade mal "Là Où Naissent Les Couleurs Nouvelles" greift auf ein paar derbe Strophen zurück. Die sind aber eigentlich weder notwendig, noch wirklich passend.

Ähnlich wie die ebenfalls rasenden Drums, die zwar mit einer gewissen Liebe zum Detail programmiert wurden, aber im Endmix kaum durchbrechen. Dass beides dennoch im Alcest-Kontext funktionieret, beweist "Being Of Light". Zwar bin ich der Meinung, dass man auch diesen Song mit einer ruhigeren Drumspur nicht weniger eindringlich hätte gestalten können, aber sowas nennt man wohl künstlerische Freiheit.

Das spielt aber wie gesagt keine große Rolle, sind es doch maßgeblich die stimmungsvollen Gitarrenmelodien und Neiges fragile, ruhige Stimme, die auch "Les Voyages De L'Âme" zu einem sphärischen, melancholischen Erlebnis machen. Es stört auch kaum, dass Neige nicht der stimmstärkste Sänger ist und eben in französischer Sprache singt. Seine Stimme ist vielmehr als weiteres Instrument zu betrachten.

Während sich die meisten Songs von Neige stilistisch eher im skandinavischen Umfeld einordnen lassen, hält er abschließend mit "Summer's Glory" noch eine kleine Überraschung bereit. Fetter produziert und auf die Hälfte gekürzt könnte das Teil fast auch eine Ballade von Creed oder Nickelback sein.

Trackliste

  1. 1. Autre Temps
  2. 2. Là Où Naissent Les Couleurs Nouvelles
  3. 3. Les Voyages De L'Âme
  4. 4. Nous Sommes L'Emeraude
  5. 5. Beings Of Light
  6. 6. Faiseurs De Mondes
  7. 7. Havens
  8. 8. Summer's Glory

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10 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    Und täglich grüßt das Murmeltier - hier so treffend. Überflüssiger Release einer überwerteten "Band", das die Black Metal Heinzelmänner aus dem Birkenwald hervorlocken mag (wo sie vorher Marduk und Co hingetrieben haben). Aber ernsthaft gibt's besseren Post-Rock und Shoegaze, nur weil es irgendwie noch am Rande irgendwas mit Black Metal zu tun hat. Also ihr Klaubautermänner aus dem Märchenwald traut auch mal zum ehrlichen Shoegaze und nicht dieser Blackgaze-Verstümmelung aufgekochter Soße. Zwei Punkte ...

  • Vor 2 Jahren

    freunde von mir haben mich schon vorgewarnt, dass der black metal anteil fast vollständig von sülzigem post rock abgelöst wurden wäre. naja, review macht trotzdem lust auf das album.

  • Vor 2 Jahren

    Ach, sehr gutes Album, dass durch seine endlosen, sphärischen Passagen wieder die etwas lichtere Seite von Alcest aufblitzen lässt. Also, mir gefällts.