laut.de-Kritik

Hitradio-kompatibel, Refrain-lastig und souliger als früher.

Review von

Vor seinem dritten Album hat Max Mutzke sich von Produzent und Lehrmeister Stefan Raab getrennt - der hat momentan einfach zu viel um die Ohren. So geht der Sänger mit der gefühlvollen Stimme nun seinen eigenen Weg. Der führt ihn ein ganzes Stück in Richtung Mainstream. Zwar liegt sein "Black Forest" in einem Randbezirk dieser überlaufenen Weltmetropole, die neuen Songs unterliegen aber dennoch den hinlänglich bekannten Gesetzen der Eingängigkeit.

Gemeinsam mit dem Produzenten- und Songwriter-Team Michael Kersting und Oliver Rüger (Sasha, Cosmo Klein) begibt er sich auf die Jagd nach catchy Melodien und großen Refrains. Dabei wirkt der Sound um einiges souliger als auf den beiden Vorgänger-Alben. Leider wirken die zwölf Stücke auch recht poppig, die Harmonik ist auffallend zahm gehalten.

So gefällt die erste Single "Marie" klanglich auf voller Ebene. Ein massives Schlagzeug liefert den entspannten Groove, den Streicher, Gitarren und Orgel verhalten umrahmen. Auf diesem Fundament bewegt sich Mutzkes versierter Gesang. Leider krankt das Stück an einer Überdosis Chorus und lyrischer Banalität.

Auch "St Petersburg" weist ein gelungenes Arrangement auf. Prägnante Klavier-Akkorde und Streicherparts garantieren die nötige Würze, das Songwriting bleibt aber Hitradio-kompatibel und Refrain-lastig. Mit "New Day" kommt etwas Gypsy-Swing ins Spiel. Das überrascht und erfreut zugleich. Auch der Text ist schön geraten. Wortreich seziert der Sänger hier die Stimmung eines Morgens.

"Girl In Tokyo" zeigt, wie viel Kraft in Mutzkes Stimme liegt. Nach diesem Midtempo-Stück sorgt das schnellere "Smile" für Auflockerung. Mit "Not Right" folgt eine 08-15-Herz-Schmerz-Ballade. Glücklicherweise entgleitet das Album nicht in unnötigen Gefühlsdusel, sondern fängt sich mit dem angerockten "Misses Thompson" und dem flotteren "Backyard".

Balladen-Liebhaber freuen sich über das akustisch gehaltene "Easy On You", dessen Vortrag sehr glaubhaft daher kommt. Mit "Come Back" hat es sogar ein souliger Walzer auf die Platte geschafft. Anschließend versetzt "Me & Lorraine" den geneigten Hörer dann wieder ins Schwelgen. Schön hierbei: das Flügelhorn, gespielt von Max' Bruder. Mit "Goodbye Summer" kommt das Album schwungvoll zum Ende.

An Abwechslung, cleveren Arrangements und Stimmgewalt mangelt es auf "Black Forest" keineswegs. Max Mutzke kehrt zu seinen musikalischen Wurzeln, dem Soul, zurück. Man spürt, dass er sich dort ebenso zuhause fühlt wie im heimischen Schwarzwald. Um so bedauerlicher sind die auf Massengeschmack getrimmten Songs. Etwas mehr Experimentier-Freude und Eigenständigkeit hätten der Scheibe wirklich gut getan. An Talent fehlt es Max Mutzke in keinster Weise.

Trackliste

  1. 1. Marie
  2. 2. St. Petersburg
  3. 3. New Day
  4. 4. Girl In Tokyo
  5. 5. Smile
  6. 6. Not Right
  7. 7. Misses Thompson
  8. 8. Backyard
  9. 9. Easy On You
  10. 10. Bring On The Sun
  11. 11. Come Back
  12. 12. Me & Lorraine
  13. 13. Goodbye Summer

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10 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    Also mir gefällt das Album. Mainstream hin oder her, die Musik ist super zum Zurücklehnen, auch wenn sie vllt. wegen der Eingängigkeit kurzweilig ist. Bis dahin werd ich aber Spaß mit der Musik haben ;)
    Und Max ist für mich kein typisches Casting-Syndrom. Stefan Raabs Castingdings war ja allgemein schon ziemlich satirisch aufgezogen, und soweit ich weiß hat Stefan Raab zwar einige Songs für Max geschrieben, aber der Großteil kommt immer noch vom Künstler selbst. Darüber hinaus hat Max auch schon vor der SSDSGPS Sache in der Band "Project Five" gespielt.
    Und sympathisch isser mir auf jeden Fall!
    Hoffe, Max macht noch ein paar mehr tolle Alben (die dann hoffentlich nich noch poppiger werden, sonst wirds grenzwertig :D )

  • Vor 12 Jahren

    Was ein origineller Albumtitel. :rayed:

  • Vor 12 Jahren

    jop, er is kein typisches casting-syndrom. des is auch gut so, sonst hätte er wohlkaum schon sein drittes album... apropos, was is eig aus monrose geworden? :P