laut.de-Kritik

Zeitloser Boombap mit perfekt eingetüteter Mikrofonarbeit.

Review von

Noch gar nicht lange her, da hatte ich die Website des Wiener Labels Supercity in privater Sache am Schirm. Damals hatte ich erfahren, dass Die Vamummtn, dieses watschnverteilende Mundart-Trio, die mich latent an die frühen K.I.Z. erinnern, bei Manuva und Konsorten untergekommen sind. Diesmal kehre ich mit hochoffiziellem Auftrag zurück, denn auch das Kölner Beatbastler-Gespann JR&PH7 veröffentlicht das Teamdebüt bei der Austria-Domäne und Waxo-Heimat. Ich gebe unverblümt zu: Weder in dieser Konstellation, noch aufgrund ihrer umtriebigen Alleingänge vor 2007 waren mir die beiden bisher ein Begriff.

Dabei liest sich die Gästeliste auf "The Standard", als läge Köln nicht in NRW, sondern irgendwo zwischen Venice und Brooklyn: Ob nun Planet Asia, Rakaa Iriscience, Guilty Simpson oder Edo.G, um nur ein paar zu nennen - das Namedropping wird hier angesichts der Gewichtsklasse mancher Rapper zum Leistungssport. Letzteres zwar nicht in den Disziplinen Hochglanz und Rotation, dafür aber in den Kategorien Authentizität und Leidenschaft. So hochkarätig real haben es hierzulande zuletzt die Snowgoons gekeept. Oder um es mit den Worten des Cali Agent zu sagen: "I do it for the art, not for the applause." Gekauft.

Solche Schwergewichte muss man erst mal stemmen, ohne sich unschön zu verheben. Das gelingt den beiden Studenten-Produzenten so zweifel- wie mühelos. Wenn ich einem Pressetext jemals unbedingt zugestimmt habe, dann diesem: Ja, das hier hat die Superrappin-Suppe mit der Schneeschaufel gelöffelt. Und ja, hier kooperieren die Siebziger, der Soul und delikat selektierte Samples mit zeitlosem Boombap und perfekt eingetüteter Mikrofon-Arbeit. Oder anders herum: "The Standard" hat mit kontemporärem Klingelton-Rap in etwa so viel gemein, wie die Zulu Nation mit G-Unit.

Trotzdem reißt mich die Platte nicht endgültig mit, respektive vom Hocker. Frechheit, weil: Konkrete Gründe kann ich dafür noch nicht einmal nennen. Einer könnte sein, dass sie das auch gar nicht soll. Reißen, meine ich. Vielmehr präsentiert sie, dass potenter Hip Hop auch im Jahre 2009 ohne vertonten Dampfhammer und Goldbarren auskommt. Denn ob nun Oddisee auf dem von Klavierfragmenten durchsetzten "Fast Lane Speedin'" unendlich relaxt dahinrollt, die L.A.-Fraktion mit "Take It To The Streets" einen kölschen Maßanzug auf den Leib geschneidert bekommt oder "Dreams" seinem Namen mit schlafwandlerischer Sicherheit alle Ehre macht - das Teil ist stimmig von hinten bis vorne.

Genau da liegt auch die Crux. Letztendlich verhält es sich wohl wie mit der Typo auf dem Cover: Das Ding ist formschön, fehlerfrei und zu hundert Prozent rund, aber hier und da hätte eine Ecke vielleicht nicht geschadet. "Zu richtig" nennt man das andernorts. Details, die Ausführung, die Integrität und einzelne Stücke hätten klar eine bessere Note verdient. Der grandiose Gesamteindruck, der eindeutige Wiedererkennungswert und eine individuelle Handschrift vermisse ich allerdings. Auf lange Sicht überwiegen leider die letztgenannten Attribute.

Was jedoch unverrückbar bleibt: Selbst im akustischen Wasserzeichen der mir vorliegenden Promo-Version steckt mehr Arbeit und Liebe, als in so manch aktuellem Nummer Eins-Hit. Wäre schön, wenn soviel Qualität wirklich immer und überall Standard wäre.

Trackliste

  1. 1. JR Intro
  2. 2. Rock For Y'all (feat. Supastition & J-Scienide)
  3. 3. Fast Lane Speedin' (feat. Oddisee)
  4. 4. Summer Chill (feat. Edgar Allen Floe)
  5. 5. Interlude
  6. 6. Take It To The Streets (feat. Planet Asia & Rakaa Iriscience)
  7. 7. Top Rank (feat. Guilty Simpson & Black Milk)
  8. 8. Let's Move (feat. Skyzoo)
  9. 9. Ain't Seen This (feat. Tableek)
  10. 10. Best Flow (feat. Pumpkinhead)
  11. 11. Hip Hop Lives (feat. Edo.G)
  12. 12. The World Keeps Turnin' (Interlude) (feat. Larissa Sirah)
  13. 13. Dreams (feat. Kaze & Edgar Allen Floe)
  14. 14. I Keep On Movin' (feat. Kev Brown, Emskee & Sean Boog)
  15. 15. I Don't Know Why (feat. Oddisee)
  16. 16. Zone To Da Nightlife (feat. Median)
  17. 17. The End Is Near (feat. The Good People & Larissa Sirah)

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