2. Oktober 2019

"Instagram ist wie rauchen"

Interview geführt von

Deichkind hat die Frage auf alle Antworten: Mit "Wer Sagt Denn Das?" liefert die Hip Hop-Elektro-Truppe aus Hamburg nach vier Jahren eine neue Platte ab. Und die wartet standesgemäß mit bereits vor der Veröffentlichung kultigen Tracktiteln auf: "1000 Jahre Bier" oder auch "Bude Voll People". Aber nicht nur der Spaß steht im Vordergrund. Auch politisch und gesellschaftlich möchte die Band zur Diskussion anregen.

Als ich durch die Tür eines Münchner Cafés am Gärtnerplatz gehe, um Kryptik Joe, Porky und La Perla zum Interview zu treffen, ahne ich noch nicht, dass ich gleich überrascht werde: Die drei bitten mich darum, aus etwa zehn Karten eine auszuwählen. Das Thema der Karte soll die Richtung des Interviews vorgeben. Ich hätte ein 'Retro-Interview' haben können, ein 'Politisches Interview' oder auch ein 'Fanboy-Interview'. Ich entscheide mich für das 'Überraschungs-Interview'. Nicht nur ich weiß nicht, was gleich passiert - auch Deichkind wissen nicht, was in den kommenden 45 Minuten folgt. Und so eröffnet Kryptik Joe.

Kryptik Joe: Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass es irgendwann einmal Streaming gibt, um Musik abzusetzen. Dass man jetzt einfach den Wasserhahn aufmacht und Musik dabei rauskommt.

Es gibt natürlich auch sowas wie Blendle, wo du einzelne Zeitungsartikel oder Kapitel kaufen kannst.

La Perla: Ich persönlich hatte mir vorgestellt, dass das Internet für alle ein frei zugänglicher Ort ist und bleibt. Dem ist nicht so. Wir sehen die Welt des Internets durch die Interessen einiger großer Weltkonzerne. Es ist die größte Datenkrake, die man sich vorstellen kann. Das halte ich mindestens für bedenklich, wenn nicht sogar zum Kotzen. Deswegen ist mir der Spaß im Internet ein bisschen vergangen. Ich bin ganz großer Befürworter der Tatsache, dass wir ganz dringend als Gesellschaft über den Bereich der Algorithmen-Ethik sprechen müssen. Diversität ist in Gefahr. Weiße Männer entscheiden in ihren Gruppierungen darüber, welche Dinge wir sehen können und welche nicht. Außerdem nervt mich dieses ganze Clickbaiting und Likes generieren – das geht mir tierisch auf den Sack. Das ist für mich das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann.

Kryptik Joe: Kennst du den Walchensee?

Ja, da war ich schon.

Kryptik Joe: Das Internet war ein bisschen so, wie wenn man sich an die nördliche Spitze setzt und ganz einsam an diesem See sitzt und denkt, das ist ein supergeiler Ort. Das Internet ist jetzt aber so verkommen, dass an dem Walchensee jetzt dicke Häuser gebaut wurden und reiche Leute dahingegangen sind, für die Promenaden gebaut wurden. Da fahren jetzt Ferraris lang. Das ist einfach ein anstrengender und irgendwie auch ein anarchischer Ort, aber da gibts riesen Platzhirsche, die sich ausgebreitet haben.

Ich hab mal das Buch "Das Internet muss weg" von Schlecky Silberstein gelesen, ein sehr gutes Buch. Darin beschreibt er, dass das Internet Facebook und Google ist. Du kommst daran nicht mehr vorbei. Es ist nicht mehr einfach nur ausprobieren bei MySpace. Es ist nicht mehr der Realität entsprechend. Algorithmen merkt man mittlerweile auch bei Spotify. Du hörst dir nur noch Musik an, die dir der Algorithmus anbietet, weil das das Einfachste ist. Man muss sehr diszipliniert sein, um wirklich etwas Neues zu entdecken. Man bleibt in seiner Blase und das ist gefährlich.

Da sind wir ja schon beim Stichwort Kommunikation. Wenn man mal auf WhatsApp geht ...

La Perla: ... habe ich zum Beispiel nicht.

Kryptik Joe: Ich habe WhatsApp.

La Perla: Ich habe all diese Apps gelöscht, ich habe auch kein Facebook mehr, kein Instagram.

Porky: Ich hatte Instagram. Aber unsere Managerin hat die E-Mail-Adresse und das Passwort geändert. Damit ich in schwachen langweiligen Momenten keinen Rückfall erleide. Morgens aufstehen wie Babs Becker und erstmal das Croissant reinhalten, ist nicht mehr. Es ist sowieso gefährlich, wenn du eine Million Follower hast. Nicht mal der Papst spricht pro Tag zu einer Million von Leuten.

La Perla: Wenn wir es geschafft haben, dass wir keine Follower mehr haben, haben wir alles richtig gemacht. Dann haben wir mündige Konzertbesucher, die selber unseren Content für so irrelevant halten, wie er auch ist und das nicht dazu führt, dass sie länger am Tropf bleiben als notwendig.

Porky: Wir freuen uns darüber, dass wir mehr Tickets verkaufen als dass wir Instagram-Follower haben.

Also würdet ihr es besser finden, wenn man eure Konzerttermine nur noch auf Plakaten bekannt gibt?

Porky: Am liebsten Mund zu Mund-Propaganda.

Kryptik Joe: Ich bin da ganz anderer Meinung als die beiden hier. Ich habe da einen etwas entspannteren Blick drauf. Ich nutze WhatsApp und Facebook wirklich gerne, weil das wirklich tolle Medien sind. Man kann super mit den Fans in Kontakt treten, man kann genau spüren, was der Fan gut findet, und dafür nutze ich diese Medien auch. Allerdings sehe ich es auch nur geschäftlich so. Privat hat das Ganze schon ein hohes Suchtpotenzial. Instagram ist ähnlich wie Zigaretten zu rauchen – eine Stunde Zeit verbrennt zum Beispiel sofort und du merkst dann eigentlich, dass du etwas ganz anderes machen wolltest.

La Perla: Wir haben ja auch eine eigene Internetseite, da kann man sich ganz gut über uns informieren, und es gibt einen Newsletter, in dem man auch über die Fortschritte in unserer Musikgruppe informiert wird. Ich mag einfach die persönliche Begegnung. Ich frage mich, was soll man da immer die ganze Zeit auf den Rechner glotzen. Auf einem Konzert von uns sind wir anwesend, da kann man auch mit uns sprechen. Ich guck' mir gerne an, wer da so hinkommt. Ich laufe vorm Konzert durchs Publikum und spreche auch mal die Leute an. Wir sind Gastgeber an dem Abend, und das soll man auch merken. Das ist für mich das echte Leben.

Kryptik Joe: Ich habe mich darin verrannt zu denken, dass, wenn mir eine bestimmte Anzahl von Followern bei Instagram keinen Like auf ein Bild gibt, das nicht unbedingt was damit zu tun hat, dass wir dann weniger Konzerttickets verkaufen. Das war essenziell, das auch erst mal festzustellen, dass das eine ganz andere Realität ist.

La Perla: Wir haben noch einen analogen Legendary-Status.

Aber findet ihr nicht, dass ihr ein eigenes Emoji bekommen solltet?

Kryptik Joe: Ich weiß jetzt nicht, wie du darauf kommst, aber das finde ich gut, ja.

Porky: Ich habe auch erfahren, dass das GIF, bei dem Lars Eidinger die Tür öffnet, fast eine Million Mal benutzt worden ist.

La Perla: Was ist GIF?

Porky: GIF ist im Internet immer so ein kleiner Film, der sich wiederholt.

Wie sähe so ein Deichkind-Emoji denn aus?

Kryptik Joe: Das hat wahrscheinlich so einen Pyramiden-Helm und darunter so ein kleines Männchen. Dann wüsste man, das soll was Deichkindiges ausdrücken.

"Du würdest dich wundern, wie viele Bandmitglieder anderer Bands gerne mal wechseln würden"

Ich würde jetzt aber ganz gerne auf unser neues Album "Wer Sagt Denn Das?" zu sprechen kommen.

Sehr gerne.

Kryptik Joe: Wir haben unser Album aus einem ganz bestimmten Grund so genannt. Und zwar weil wir den Song "Wer Sagt Denn Das?", bei dem uns viele tolle Leute beim Schreiben geholfen haben, als einen sehr wichtigen Song angesehen haben. Man ist bei so einer Albumproduktion natürlich mit vielen Dingen beschäftigt, versucht Themen in Songstrukturen zu bringen. Das ist manchmal gar nicht so einfach. "Wer Sagt Denn Das?" brachte uns drei wirklich an den Punkt, dass Deichkind nicht nur als eine Party- und Spaßband wahrgenommen wird. Sondern auch als eine Band, die beobachtet und Fragen stellt, die sich auch gesellschaftlich Gedanken macht.

Was passiert denn, wenn man mehr nachdenkt im Leben?

La Perla: Das ist das Interessante. Zum Beispiel hat der österreichische Psychologe Niels Bierbaumer gesagt, dass eigentlich Rassismus psychologisch die Angst vor dem Fremden ist und dass es eigentlich für jeden Menschen normal ist, erst mal Angst vor dem Fremden zu haben. Aber durch die Erfahrung und die Begegnung dieser Angst – also wenn man jemanden kennenlernt, der vielleicht einen Hintergrund als Migrant hat – gibt mir theoretisch die Möglichkeit mit einer positiven Erfahrung die Angst vor dem Fremden zu überwinden.

So gesehen könnte man argumentieren, dass Rassismus eine Art Denkfaulheit ist. Ich glaube, dass es immer schon der Trick der Rechtspopulisten gewesen ist, dass sie uns auf komplexe Fragen einfache Antworten anbieten und dadurch das Denken umgehbar wird. Das ist natürlich gefährlich. Nachzudenken bleibt wichtig.

Kryptik Joe: Und Nachdenken findet auch in dieser Gruppe statt, weil wir uns oft austauschen. Es geht auch darum, dass wir als Pop-Projekt teilweise nach populistischen Antworten suchen. Wir wollen uns natürlich auch der Einfachheit hingeben, um verstanden zu werden. So ein Slogan ist ja etwas Populistisches. Wir haben versucht, ein komplexes Thema wie die Weltlage quasi mit Clickbaiting, mit Rassismus, mit Klimawandel, mit Mauern bauen, mit Verschwörungstheorien auf den Punkt zu bringen mit der Frage: "Wer Sagt Denn Das?".

Populist zu sein ist nicht einfach, das Bedarf viel Arbeit, und es ist wirklich perfide, wie viel Populismus in der Politik steckt. Ich glaube, es ist nicht unsere Aufgabe, da Lösungen zu finden, aber zumindest Haltung zu zeigen und darauf aufmerksam zu machen, dass man nicht einfach so weiterleben kann ohne darüber nachzudenken, was dem anderen passiert.

Porky: Es geht um Teambildung, in kleinen Kreisen, die auch in größeren gesellschaftlichen Themen agieren. Innere Klarheit kannst du allerdings nur erlangen, wenn du Pausen einlegst. Für mich ist eine Frage wie "Wer Sagt Denn Das?" eine Möglichkeit, wenn ich mir die selber stelle, zu hinterfragen: Wo ist der Ursprung des Gedankenlärms? In der Pause liegt für mich die Chance, zu reflektieren und andere zu sehen und die Chance wahrzunehmen, Teams zu bilden. Denn du bist nicht alleine, du bist auch nicht von der Außenwelt getrennt. Dein Mind ist ein ganz kleiner Kosmos, auch wenn er sich riesig aufbläht. Dein Bewusstsein ist viel weiter und nimmt viel mehr Sachen wahr.

Viele Leute empfinden ein Ohnmachtsgefühl und hören nur noch den Gedankenlärm, der schreit Gefahr, Gefahr, Gefahr ohne zu unterteilen, was da überhaupt los ist. In dem Moment, wo ich mich selber frage "Wer sagt denn das?" entsteht eine Pause in der Gedankenflut. Wenn ich zum Beispiel sage: 'Trump geht gar nicht', und ein anderer sagt: 'Wer Sagt Denn Das? Den haben doch viele Leute gewählt'. Wenn du das nach außen schießt, verwandelt es sich in ein Gift. Aber nach innen gerichtet, ist das eine große Chance.

La Perla: Wir arbeiten auch mit gewissen Stilmitteln wie Humor oder Ironie. Das ist natürlich eine interessante Möglichkeit, ein Thema von verschiedenen Standpunkten aus zu beleuchten. Die Welt ist komplex, die Menschen in sich sind komplex, die haben verschiedene Persönlichkeitsanteile.

Porky: Wir machen schon sehr lange Musik, und wir spüren da eine Verantwortung, auf diese Themen aufmerksam zu machen. Wir machen analoge Sachen, um die Leute auch von ihren Bildschirmen wegzulocken, aus ihren Filterblasen herauszuholen und sich selbst wieder zu spüren.

Verantwortung ist ein gutes Stichwort: Ihr seid ja auch Chefs von vielen Mitarbeitern.

Kryptik Joe: Genau, wir sind eigentlich Chefs von zwei Unternehmen, könnte man sagen. Wir haben in dieser Runde so 2005/2006 angefangen, und wir sind immer größer geworden.

Porky: Mittlerweile haben wir 154 Angestellte, und das ist natürlich ganz klar eine Verantwortung.

Wie seid ihr so als Chefs?

Kryptik Joe: Da sind wir reingewachsen. Es waren sehr viele schmerzhafte Erfahrungen und Veränderungen, aber das war auch notwendig, weil man ab einer gewissen Größe nicht einfach mehr weiter so sagen kann.

Porky: Hast du nicht noch mal eine Frage, die was ganz anderes beantwortet?

Auf dem Album gibts den Song "Dinge". Was ist für euch ein Ding der Unmöglichkeit?

La Perla: Werner Herzog hat versucht, im Film "Fitzcarraldo" das Unmögliche möglich zu machen und ein Passagierschiff über den Berg zu ziehen. Ein völlig nutzloses Unterfangen. Aber er hat einen Sinn darin gesehen. Und das finde ich eine interessante Sache, einen Unterschied zwischen dem Nutzlosen und dem Sinnlosen zu machen, und so gesehen sind wir auch Sinnsuchende in einer nutzlosen Gesellschaft.

Kryptik Joe: Was Henning sagen will, ist, dass das Ding der Unmöglichkeit ist, ohne zu scheitern, auf den Gipfel zu kommen. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Es geht um scheitern und wieder aufstehen. Das hat auch Reinhold Messner gesagt. Henning, ich würde vorschlagen, dass du mal etwas aus diesem Buch hier zitierst.

La Perla (nimmt ein Buch): Reinhold Messner hat gesagt: Zum Gipfel führt keine Seilbahn.

Kryptik Joe: Es ist viel harter Kampf. Die Schale nach außen wirkt sehr leicht und sehr poppig. Aber innen musst du sehr viel daran arbeiten, mit dem Scheitern umzugehen.

La Perla (liest weiter): Der Gescheiterte ändert, was er ändern kann. Er nimmt nicht Veränderbares an und entwickelt Weisheit, Änderbares vom nicht Veränderbaren zu unterscheiden.

Kryptik Joe: Aber um noch mal auf das Thema 'Dinge' zurückzukommen: Wir haben den Song damals mit Rocko Schamoni zusammengeschrieben. Das ist ein echt toller Songschreiber.

Porky: Und er hat gesagt: 'Machen wir doch mal einen Song über Dinge'. So einfach ist das manchmal. Aber ohne diesen Impuls hätte es den Song nicht gegeben.

Kryptik Joe: Auf dem Song haben wir auch mit Joey Bargeld zusammengearbeitet, er hat die dritte Strophe gerappt.

Porky: Noch mal ein bisschen Jungblut an unsere Seite gestellt, um uns ein bisschen aufzufreshen.

Auf einem anderen Song sind Olli Schulz und Jan Böhmermann dabei.

La Perla: Wir suchen ja auch immer nach Talenten. Wir haben eigentlich früh angefangen, den Blick auf uns als Band abzulegen und orientieren uns eigentlich an Top-Fußballvereinen wie Bayern München, die sich gezielt Verstärkungen suchen, um so jahrelang auf Top-Niveau zu bleiben. Wir sehen nicht ein, dass der Erfolg von einzelnen Personen abhängt. Dafür gibt es einfach viel zu viele interessante und kreative Musiker auf der Welt. Wir haben ein großes Scouting-Team mittlerweile, dass sich auf Messen, Kunsthochschulen, Musikkonzerten rumtummelt. Jeder, der für uns interessant erscheint, wird eingeladen zu einem Casting, und die besten Leute werden von uns gesignt und arbeiten ab dann für uns.

Wer ist da gerade euer Leroy Sane?

Kryptik Joe: Wer ist Leroy Sane?

Ein deutscher Nationalspieler, den Bayern München gerne verpflichtet hätte in diesem Sommer.

Porky: Wir arbeiten da eigentlich mit dem Überraschungsmoment, das heißt wir überrumpeln Leute. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich bei Preisverleihungen einen guten Zugang zu anderen Künstlern habe. Das ist ein guter Platz um Leute anzusprechen und zu fragen: 'Wollen wir nicht mal was gemeinsam machen?'. Das hat sich aber im Endeffekt auf lange Sicht doch nicht als sonderlich fruchtbar erwiesen, weil es meistens eine Suffidee bleibt.

Kryptik Joe: Wir sind ja auch mit Ferris getrennte Wege gegangen, und daher war es auch wichtig, während der Albumproduktion mal mit anderen Künstlern zu arbeiten. Das war für uns recht erfreulich, dass so viele Leute Lust hatten, bei uns mitzumachen.

Porky: Du würdest dich wundern, wie viele andere Bandmitglieder in anderen Bands eigentlich gerne mal die Band wechseln würden. Auch wenn es unausgesprochen und eigentlich noch ein riesiges Tabu ist: Da gibt es einen riesigen Transfermarkt. Aber an dieses Tabu arbeiten wir uns gerade ran. Die Verhandlungen mit Justin Timberlake waren relativ weit fortgeschritten, aber er hat am Ende abgesagt. Es ist nicht am Geld gescheitert, die Investition wäre er uns wert gewesen. Aber er hat den Fitnesstest nicht bestanden. Bei uns wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Leute topfit sind. Die Blutwerte müssen stimmen. Die Investition muss dann auch auf lange Zeit ausgelegt sein. Wir hätten ihm aber nur noch so zwei bis drei Jahre auf Top-Niveau zugetraut.

Dann gibt es den Song "Powerbank". Glaubt ihr, dass der Absatz von Powerbanks in Zukunft exorbitant ansteigen wird?

Kryptik Joe: Also wenn ich jetzt mal Brecht zitieren darf: Erst kommt die Powerbank, dann die Moral. Hauptsache WLAN und Strom, das ist das Wichtigste. Das kommt noch vor Nahrungsmitteln und einem Dach über dem Kopf.

Porky: Die einzige Möglichkeit, eine Powerbank zu laden, ist: Ausrauben!

Dann gibt es die Nummer "Bude Voll People". Wenn die Bude voll People ist: Was servieren Deichkind?

La Perla: Kleine Häppchen, die mehretagig sind. Pumpernickel, Butter, Käse, Pumpernickel, Butter, Käse, Pumpernickel. Und dann kleine Fähnchen. Und in diesen Fähnchen sind so kleine handgezeichnete Malereien drin.

"Wir bemühen uns, uns persönlich zu entwickeln"

Ganz anderes Thema. Es gab in diesem Sommer eine Fernsehshow im deutschen Fernsehen, die sehr begeistert hat: "The Masked Singer". Fühlt ihr euch jetzt unter Druck gesetzt, noch spektakulärere Kostüme abliefern zu müssen?

La Perla: Ich habe da überhaupt keine Probleme der Koexistenz. Von mir aus können sich alle Leute kostümieren, ob aufwändig oder nicht. Das beeinflusst mich gar nicht. Ich fahre durch die Welt und schaue, was mich interessiert. Das ist die Grundlage meiner Ideen.

Kryptik Joe: Ich habe kurz einen Schreck gekriegt, aber dann gemerkt, dass das ein völlig anderes Geschäftsmodell ist als unseres. Und auch ein ganz anderer Ansatz. Die Maskierung bei dieser Sendung zielt darauf ab, sich einen Spaß zu machen, diese Maske fallen zu lassen und zu entblößen, wer letztendlich darunter steckt. Der Ansatz bei Deichkind ist genau andersherum.

Die Orsons, K.I.Z., 257ers, Trailerpark oder Deichkind: Welches ist die verrückteste Band?

Porky: Das kann ich überhaupt nicht sagen. Das sind alles unterschiedliche Bands aus unterschiedlichen Städten.

La Perla: Wir sind ja noch nicht mal eine Band, deswegen müsstest du uns aus der Liste rausstreichen.

Kryptik Joe: Ich finde es interessant, dass du diese Bands alle in einem Kontext nennst. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie versuchen, alle aus dem Hip Hop auszubrechen oder mehr sich selber zu präsentieren. Ich glaube, dass heutzutage alle ihre Berechtigung haben und alle ihre Wege gehen, weil das auch alles Gruppen sind, die sich mit Leidenschaft ins Musikgame stürzen.

La Perla: Ich finde auch nicht, dass wir verrückt sind. Im Gegenteil: Wir sind klar im Geiste, wir sind innerlich geklärt, wir bemühen uns, uns persönlich zu entwickeln. Das finde ich maximal entfernt von verrückt. Das heißt nicht, dass wir nicht hochkreativ sind oder neue Verknüpfungen in Zusammenhang mit Texten, Inhalten, Ideen oder auch Gegenständen bringen.

Wann habt ihr zuletzt euer erstes Album "Bitte Ziehen Sie Durch" gehört?

La Perla: Wann ist das erschienen?

2000.

La Perla: Dann habe ich das 2000 das letzte Mal gehört.

Kryptik Joe: Ich habe es, glaube ich, vor drei Jahren das letzte Mal gehört.

Porky: Ich habe es noch nie gehört.

Wirklich noch nie?

Porky: Zumindest nicht in Gänze.

Bekommt ihr noch fünf Songs von der Platte namentlich zusammen?

Kryptik Joe: "Bon Voyage", "Komm schon", "Günther", "T2", "Fachjargon".

Korrekt.

Kryptik Joe: Das fand ich eine sehr gute Frage.

Man soll bekanntlich aufhören, wenns am schönsten ist - und schließen hiermit das 'Überraschungs-Interview'.

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