laut.de-Kritik

Undiplomatisch, antifaschistisch, gut!

Review von

ZSK mit ihrer Comebackplatte! Wenn es um Polarisierung ginge, hätte die Band jetzt schon gewonnen. Den einen gelten sie in der Szene als deutsche Variante von Bands wie Bad Religion, Offspring oder Pennywise. Viele andere schmähen sie hingegen als aufgesetzte Kiddiepunks mit fatalem Hang zu Posertum.

Mittlerweile sind die Herren etliche Jahre älter und geben mit "Herz für die Sache" ihre Antwort auf'm Platz. Das Cover überzeugt schon auf den ersten Blick. Ein sich küssendes, maskiertes Revoluzzerpärchen zeigt, wo es lang geht: Empathie und in die Schnauze!

Entsprechend klug hauen die Berliner Vermummungsromantiker zum Einstieg den hymnischen Superklopper "Antifascista" raus. "Egal, wo ihr auftaucht, wir sind zuerst da./ Alerta! Alerta! Antifascista!". Sehr direkt, sehr politisch und ohne jeden verspielten Schnörkel. Nach den ersten drei Minuten ist der Kreislauf auf Touren und der Hörer angefixt. Bester Song der LP!

Das melodische Titelstück haut geschickt in dieselbe Kerbe. Mit Anti Flag-Sound und kompromisslosem "Unsere Solidarität ist eine Waffe./ Wir wissen ganz genau, wie man sie gebraucht./ Wir stehen./ Wir bleiben und wie wirst du entscheiden?" spielen sie nicht nur hier clever den Ball zurück ans Publikum. Volle Punktzahl an der aufrüttelnden Protestfront.

Heftig und direkt zeigen sie auf "This fight is far from over" ihre Sympathie für - gern auch militante - Tierschützer und prangern mit Wut im Bauch das sinnlose Abschlachten der Wale an. Ohnehin ist die thematisch vielfältige Sozialkritik ihr großes Plus. "Wir sollen zuhören./Fleißig sein im Leben./ Und in der Schule keine Widerworte geben./Und während ihr das nächste Einkaufszentrum plant, wird das Mittelmeer zum Massengrab." Starke Bilder zu musikalisch konstantem Bleifuß.

Mit unsäglichem Pop-Punk hat das Album ganz bewusst nichts am Hut. Der ebenso sarkastische wie selbstironische Humor in "Punkverrat" gefällt ebenso. Schön offensiv das eigene Imageproblem veralbert.

Dennoch gibt es Kritikpunkte, wenn auch auf hohem Niveau. Man hört ihnen den unbedingten Willen, musikalisch nicht kommerziell klingen zu wollen, zu jeder Sekunde an. Die mitunter etwas bauchladenhaft voran geknüppelte Härte kann nicht darüber hinweg täuschen, dass sie melodisch noch nicht ganz den Standard der internationalen Vorbilder erreichen.

Lieder wie "Bis jetzt ging alles gut" oder "Viel Glück" klingen ganz nett, sind musikalisch indes allerhöchstens Dutzendware vom Grabbeltisch des Punkrock. Hier sollten sich ZSK noch etwas Entwicklung gönnen. Der Kontrast zu den genannten Fegern fällt sonst zu sehr auf.

Insgesamt aber eine souveräne Vorstellung der deutschen Skatertruppe. Kein Teenie-Punk, kein überforderter Asi-Punk. Keine Schublade! Stattdessen fettes Geknüppel mit überwiegend viel Melodie und intelligenten Texten voll auf die Fresse. Undiplomatisch, antifaschistisch, gut! So muss moderner Punkrock klingen. Iggy Pop und Jello Biafra wären stolz. Ich bin es auch.

Trackliste

  1. 1. Antifascista
  2. 2. Der richtige Weg
  3. 3. Herz für die Sache
  4. 4. Was wollt ihr hören?
  5. 5. Before we go
  6. 6. Lichterketten
  7. 7. Bis jetzt ging alles gut
  8. 8. This fight is far from over
  9. 9. Unser Schiff
  10. 10. Viel Glück
  11. 11. Punkverrat
  12. 12. Soll das alles gewesen sein?
  13. 13. Jede Sekunde

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