laut.de-Kritik

Nicht mehr ganz progressiv, aber immer noch Art.

Review von

35 Jahre Yes! Im vergangenen Jahr feiern die Art-Rocker dieses außergewöhnliche Haltbarkeitsdatum mit einer großen US-Tournee, die sie im Mai ins Tsongas nahe Boston führt. Das Besondere: Das Bühnenbild gestaltet Yes-Logo-Erfinder und Plattencover-Gestalter Roger Dean. In seiner phantastischen Kulisse geben sich Jon Anderson (voc), Chris Squire (b), Steve Howe (git), Rick Wakeman (keyb) und Alan White (dr) die Ehre.

Um das Ereignis entsprechend auf Celluloid zu bannen, dreht Joe Thomas, der u.a. auch für Konzertmitschnitte von Fleetwood Mac und den Eagles verantwortlich ist, mit zwölf Kameras. Das circa dreistündige (!) Konzert passt gerade mal auf zwei DVDs. Einziges Feature ist ein Interview mit Roger Dean. Aber es geht bei "Songs From Tsongas" auch nicht um aufmerksamkeitsheischende Specials. Es geht um Musik! Echt, ehrlich, nicht mehr ganz progressiv, aber immer noch Art.

Nach einem dramatisch-symphonischen Stravinsky-Intro geht's mit "Going For The One" gleich zur rockigen Sache. Auch wenn der Geist der Musik deutlich aus einer anderen Zeit stammt, faszinieren die alten Herren von Beginn an. Rick Howe steelt sich nach wie vor durch den Song, und Rick Wakeman baut immer noch eine Keyboard-Burg auf, die aus gut und gern 15 Tastaturen besteht. Dieses Relikt vergangener Rock-Tage ist in Zeiten von Sequenzern, Samplern und Software-Synthesizern nur noch selten zu bewundern. Umso mehr Spaß macht es, ihm bei der Arbeit zuzusehen.

Einen ersten Höhepunkt erreicht das opulente Spektakel mit "Mind Drive Part 1 & 2". Im 7/8-Takt rock-opert sich das Arrangement durch die unkonventionelle Songstruktur. Art-Rock as its best. Formvollendete Kunstmusik im marshall-verstärkten Rockgewand. "South Side Of The Sky", "Turn Of The Century", "My Eyes/Mind Drive Part 3" und "Yours Is No Disgrace" runden das erste Set ab. Zwischenfazit: Yes sind nach wie vor eine Augen- und Ohrenweide.

Nach der Umbaupause eröffnet Rick Wakeman solo am Flügel den zweiten Teil. Akustik-Bass und das aufs Minimum reduzierte Drumset machen klar, dass das Haus ab nun unplugged gerockt wird. Höhepunkt dieses Sets ist zweifelsfrei der Megahit "Owner Of A Lonely Heart", der in der akustischen Version leider seinen Druck einbüsst. Im Anschluss daran spielt Steve Howe sein folkloristisch geprägtes Country-Solo, das seit Jahren fester Bestandteil der Live-Show ist. Mir persönlich ist diese Einlage etwas zu volkstümlich, aber die Geschmäcker sind ja glücklicherweise sehr verschieden.

Danach geht es mit "Rhythm Of Love" elektrisch und mit ordentlich Wums weiter. Das elfminütige "And You And I" und "Ritual" (19 Min.) läuten den Schluss ein, den mit "Starship Trooper" (12 Min.) endgültig vollzieht.

"Songs From Tsongas" dokumentiert erschöpfend 35 Jahre Bandgeschichte. Unter rockhistorischen Gesichtspunkten zwar besonders wertvoll, wohnt der Musik anno 2005 dennoch etwas Gestriges inne. Aber war früher nicht eh alles besser?

Trackliste

DVD 1

  1. 1. Intro: Firebird Suite
  2. 2. Going For The One
  3. 3. Sweet Dreams
  4. 4. Your Move/I've Seen All Good People
  5. 5. Mind Drive Part 1 & 2
  6. 6. South Side Of The Sky
  7. 7. Turn Of The Century
  8. 8. My Eyes / Mind Drive Part 3
  9. 9. Yours Is No Disgrace

DVD 2

  1. 1. The Meeting Room / The Meeting (Instrumental)
  2. 2. Long Distance Runaround
  3. 3. Wonderous Stories
  4. 4. Time Is Time
  5. 5. Roundabout
  6. 6. Show Me
  7. 7. Owner Of A Lonely Heart
  8. 8. Second Initial (Instrumental)
  9. 9. Rhythm Of Love
  10. 10. And You And I
  11. 11. Ritual
  12. 12. Every Little Thing
  13. 13. Starship Trooper

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LAUT.DE-PORTRÄT Yes

Yes spielen Artrock. Die Band entsteht 1968 in London, als der Sänger/Gitarrist Jon Anderson (geb. 25. Oktober 1944) und der Bassist Chris Squire (geb.

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