laut.de-Kritik

Intimität und Kitsch bis zum Abwinken.

Review von

"Wir hatten alle das Gefühl, dass wir unbedingt noch ein Unplugged machen müssen." Beflügelt vom großen Erfolg ihres bereits vor sechs Jahren veröffentlichten "Unplugged" ziehen der ehemalige Sub7even-Sänger Daniel Wirtz und seine Band für "Unplugged II" erneut die Stecker aus der Dose und präsentieren ihre Songs in einem intimeren Rahmen, als es herkömmliche Alben erlauben.

Frisches Material liefern sie dabei nicht, sondern konzentrieren sich vornehmlich auf ausgesuchte Tracks ihrer letzten beiden Studioalben "Auf Die Plätze, Fertig, Los!" (2015) und "Die Fünfte Dimension" (2017). Außerdem dabei: Der Titeltrack des Debüts "11 Zeugen". Statt diese aber einfach nur in ihrer Struktur so zu belassen, wie sie sind, überarbeiteten Wirtz & Co. die Songs und verpassten ihnen ein neues, stark reduziertes Arrangement. Alle dreizehn Neueinspielungen leben zu wesentlichen Teilen von leisen akustischen Gitarren, einem zerbrechlich wirkenden Streichquartett und der emotionalen Tiefe der Pianobegleitung.

Die Texte und des Wirtzens wirklich gute Stimme erfahren dadurch eine besondere Betonung und stehen im Vergleich zu den bereits bekannten Versionen deutlich im Vordergrund. Das funktioniert vor allem beim einführenden "Auf Die Plätze, Fertig, Los", dem schnellen und erfreulich rockenden "Die Fünfte Dimension" sowie dem luftigen "Moment Für Die Ewigkeit" hervorragend. Die in sich gekehrte Stimmung dieser stromlosen Neuinterpretationen sorgt für einen deutlichen Mehrwert.

Dass dieses Gesamtkonzept jedoch nicht immer aufgeht und dass 'Unplugged' als exotisches Element der zeitgenössischen, stromgesteuerten Populärmusik nicht zwingend ein Garant für Qualität ist, zeigt sich im Verlauf des Albums doch über weite Strecken. Im Angesicht der akustischen Sparsamkeit des Albums tappt Wirtz zu oft in die Falle, sich in überbordendem Pathos und Herzschmerz zu verlieren. "Wer Wir Waren", "Sehnsucht", "Regentropfen" und "Gib Mich Nicht Auf" stehen stellvertretend hierfür, da sie zu keinem Takt die Energie der stark rocklastigen Originale erreichen und auf Dauer schlichtweg zu sehr auf die Tränendrüse drücken.

Die meisten Tracks auf "Unplugged II" wirken einfach so harmlos und kitschig dargeboten, dass sie weder positiv noch negativ auffallen und noch im Moment ihres Verhallens wie eine unauffällige Radioberieselung im Reich des Vergessens verschwinden. Vor allem in "Das Verheißene Glück" ist das eine vergebene Chance, da die dort geübte Gesellschaftskritik über verlustig gegangene Freiheiten mit Zeilen wie "Versprochenes Glück stellte sich nicht ein / also brauchte man jemanden zum Schuld dran sein / es wurde gesucht, gefunden und erklärt / dass die Wahrheit zu kennen nicht Volkes Sache wäre" nicht zum Tragen kommt.

Das, was ein gutes Unplugged-Album ausmacht, fehlt hier zu weiten Teilen: Ausgefeilte Arrangements, mit besonderer Achtsamkeit gesetzte Überraschungen und Betonungen mit einem ausgewogenen, dynamischen Verhältnis von laut und gefühlvoll leise. Auf "Unplugged II" setzt Wirtz sehr deutlich und viel zu oft auf eine allzu homogene, balladeske Klavierbegleitung und larmoyante Streicherteppiche. Wer schon mit dem ersten Unplugged-Album seine Freude hatte, der wird auch mit der neuen Platte sicherlich nicht enttäuscht werden. Und alle anderen? Die können sang- und klanglos abschalten.

Trackliste

  1. 1. Auf Die Plätze, Fertig, Los
  2. 2. Bilder Von Damals
  3. 3. Regentropfen
  4. 4. Wer Wir Waren
  5. 5. Wir
  6. 6. Gib Mich Nicht Auf
  7. 7. Sehnsucht
  8. 8. Entdeckung Der Langsamkeit
  9. 9. Die Fünfte Dimension
  10. 10. Moment Für Die Ewigkeit
  11. 11. Das Verheißene Glück
  12. 12. Mantra
  13. 13. Elf Zeugen

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