laut.de-Kritik

Ansprechende Epen mit Kloschüssel-Sound.

Review von

Was herrschte im Vorfeld des dritten Wintersun-Albums nur wieder für ein Buzz... Klar, Jari Meänpää ließ mal wieder viel Zeit zwischen zwei Platten vergehen (immerhin diesmal nur fünf statt der acht zwischen "Wintersun" und "Time I"), triggerte seine Anhänger aber weiter, indem er mit einer groß angelegten Crowdfunding-Kampagne für Aufsehen sorgte. Ein neues Studio hätte der Mann gerne und macht von dessen Bau abhängig, ob er die Arbeit am heißersehnten "Time II" zu einem Ende bringt oder nicht. Völlig unabhängig von "Time II" habe ich nach dem Hören des durch die Kampagne irgendwie zum Pausenfüller degradierten "The Forest Seasons" eine Forderung an alle, denen etwas an Wintersun liegt: Gebt Jari sein verdammtes Studio!

Schön wäre es, wenn dieser Satz den Hintergrund hätte, dass "The Forest Seasons" so unfassbar gut ist, dass es sich lohnt, den Musiker weiter zu fördern. Die Wahrheit ist: "The Forest Season" klingt so unfassbar mies, dass man nur hoffen kann, mit neuem Recording-Equipment würden Wintersun ihre Songs nicht wieder in der Produktion ersäufen. Das Rauschen, das sich auf dem neuen Album Gitarrenspur schimpft, hat nicht einmal Props aus dem Black Metal-Underground verdient, obwohl man dort bekanntermaßen tolerant gegenüber Lo-Fi-Sound ist.

Gerade der Opener "Awaken From The Dark Slumber (Spring)" leidet sehr unter dem Wulst undefinierbarer Gitarrenriffmasse. Mehr Störgeräusch als Fundament übertüncht er Software-Synthie und Dimmu Borgir-Orchester. Einzig Drums und Vocals haben kein Problem, sich durchzusetzen. Erstere sind mutmaßlich programmiert und wirken irgendwie losgelöst vom restlichen Mix. An Jaris Stimme gibt es dagegen tatsächlich nichts auszusetzen. Die Screams kommen kraftvoll und bestimmt und würden wohl gut pushen, wenn die anschiebende Instrumental-Bugwelle mehr als ein schwaches Schwappen wäre. In "Loneliness (Winter)" lässt sich das erneut schmerzlich feststellen, wo ein episch angedachter Clean-Vocal-Part aus ebendiesem Grund verendet. Stellt euch einen Heeresführer vor, der entschlossen gen feindliche Reihen stürmt, während seine Soldaten sich nur betreten angucken, statt ihm beizustehen.

Das Prädikat "Hörgenuss" hat "The Forest Seasons" damit zwar verspielt, immerhin bieten die Kompositionen an sich aber noch genügend Argumente, es zumindest zu erdulden – auch mehrfach. Orientiert an Vivaldis "Die Vier Jahreszeiten" schufen Wintersun ein vierteiliges Werk, bei dem sich zwar auch in "Spring" und "Summer" das Gefühl von Winterdepression breit macht, allerdings auch feinstes Black Symphonic Folk Progressive Metal-Handwerk bietet. Dass man je nach Schwerpunkt genauso gut Moonsorrow, frühe Opeth, Enslaved oder Blind Guardian hören könnte – geschenkt. Genau das wollten die Fans schließlich: überlange Stücke (alle vier pendeln sich zwischen 12 und 15 Minuten ein), zahlreiche Dynamik- und Stimmungswechsel, aufregende Arrangements.

Dass Jari bei der Länge etwa in "The Forest That Weeps (Summer)" ein bisschen schummelt und sowohl das mittig platzierte Folk-Pattern als auch Männerchor-Refrain zu oft wiederholt, verzeiht man ihm. Dafür ist Letzterer einfach zu majestätisch. Überhaupt ist man ja für jeden Moment dankbar, in dem das Grundrauschen in den Hintergrund tritt. Das tut es netterweise auch, wenn sich eine Leadgitarre heraus schält. So wie in "Eternal Darkness (Autumn)" zum Beispiel. Das Solo bewegt sich zwar am Rande der Angeberei, sorgt aber für einen deutlichen Akzent. Einige Harmonien erinnern an Marty Friedman – und den Vergleich mit dessen Virtuosität bemühe ich sicher nicht leichtfertig.

Bisweilen agieren Wintersun zwar etwas effekthaschend, etwa im mit dramatischen Streichern bestückten Knüppel-Outro zu "Autumn", doch ihre Fähigkeit, Progressive-Epen zu schreiben haben sie seit "Time I" nicht verlernt. Zumindest um diese zu hören, lohnt sich der Kauf von "The Forest Seasons". Trotzdem bleibt als großes Manko die Produktion stehen, die man nach fünf Jahren Wartezeit durchaus in weniger unterirdischem Zustand hätte erwarten können. Naja, hoffentlich wird mit neuem Studio dann alles besser.

Trackliste

  1. 1. Awaken From The Dark Slumber (Spring)
  2. 2. The Forest That Weeps (Summer)
  3. 3. Eternal Darkness (Autumn)
  4. 4. Loneliness (Winter)

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9 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 3 Jahren

    Heute gehört, Sound schrecklich. Das Debüt ist Top Ten Melo Death all time. Sozusagen der Blind Guardian-Moment des Death Metal (Amon Amarth dann der Manowar-Moment usw.). Finde ich auch stärker als Time.

  • Vor 3 Jahren

    behinderte scheissdrecksmusik für spasten, die sich EMP/MH/RH/DF magazine einführen und dann "heeeeeellllllggaaaa" schreiend über den Wacken-Zeltplatz laufen :conk:

    Sollte der minusmensch mit seiner bettelmasche erfolg haben und ihm besagte klientel sein scheiss studio finanzieren, hoffe ich, dass einer der ortsansässigen Islamisten genau dort explodiert.

    wenn ich bedenke, mit welchen Produktionen Grausamkeit, frühe ancient oder Wallachia epische und dramatische Klangkonstrukte erschaffen konnten....

  • Vor 3 Jahren

    "das Gefühl von Winterdepression" macht sich mitten im Sommer breit, wenn man verfolgt, wie der Rezensent versucht, diesen überladenen Mist, von dem er selbst nicht überzeugt ist, noch irgendwie auf ein erträgliches Mass hochzuschreiben. NB ist ja nicht irgendwer ... ;-) Erdulden haha :-D

  • Vor 3 Jahren

    Was ich bisher gelesen habe löst nur ein Kopfschütteln aus.
    Die Tatsache das sich Leute zu Wort melden die von dieser Art Musik absolut gar keine Ahnung haben muss man halt hinnehmen.
    Qualität schlecht ?? Wohl noch nie schlechte Qualität bei diesem Genre gehört. Wer machts den besser ????

    Zu gegeben Time I war etwas besser und durchdachter !!
    Fertig. The Forest aber immer noch ein TOP Album das man rauf und runter hören kann um immer wieder etwas neues zu endecken. Das ist eigentlich die Kunst dieser Musik und vorallem des Künstlers.
    Was Tonitaste da schreibt lässt darauf schließen das er ein anderes Album gehört. Evtl.Helene Fischer oder Subway to Sally oder ähnliches.
    Gute Musik muss man erhören können und sich darauf einlassen
    Gut live ist bei Wintersun noch viel Luft nach oben aber nicht nur bei Wintersun!!
    Welche Band schreibt den solche 4 unerschiedliche Songs ???
    Bei den meisten hört sich doch jedes zweite Lied gleich an.
    Ausnahmen: Ensiferum, Shade Empire, Crimfall.......

    Weiterhin viel Spass beim meckern.

    EDE

  • Vor 3 Jahren

    Was ich bisher gelesen habe löst nur ein Kopfschütteln aus.
    Die Tatsache das sich Leute zu Wort melden die von dieser Art Musik absolut gar keine Ahnung haben muss man halt hinnehmen.
    Qualität schlecht ?? Wohl noch nie schlechte Qualität bei diesem Genre gehört. Wer machts den besser ????

    Zu gegeben Time I war etwas besser und durchdachter !!
    Fertig. The Forest aber immer noch ein TOP Album das man rauf und runter hören kann um immer wieder etwas neues zu endecken. Das ist eigentlich die Kunst dieser Musik und vorallem des Künstlers.
    Was Tonitaste da schreibt lässt darauf schließen das er ein anderes Album gehört hat. Evtl.Helene Fischer oder Subway to Sally oder ähnliches.
    Gute Musik muss man erhören können und sich darauf einlassen
    Gut live ist bei Wintersun noch viel Luft nach oben aber nicht nur bei Wintersun!!
    Welche Band schreibt den solche 4 unerschiedliche Songs ???
    Bei den meisten hört sich doch jedes zweite Lied gleich an.
    Ausnahmen: Ensiferum, Shade Empire, Crimfall.......

    Weiterhin viel Spass beim meckern.

    EDE