laut.de-Kritik

Dad-Rap mit Synth-Einschlag.

Review von

"Leitwolf, weiß gar nicht, wer ich sein soll." Weekend trennt sich von Chimperator und macht drei Jahre nach "Keiner Ist Gestorben" sein eigenes Ding. Der Stuttgarter lässt seine Battle-Rap-Wurzeln immer weiter hinter sich und steigt langsam in die Seniorenliga um Fatoni auf. Ganz lösen kann und will er sich aber nicht. Christoph Wiegand beobachtet genau und nimmt die Gesellschaft im Großen wie im Kleinen pointiert auf die Schippe. Dieser superschlaue Rap überrascht immer wieder, krankt aber teilweise an zu wenig Unterhaltungswert.

Weekend hat intelligente Texte, die auch nach mehrmaligem Hören noch viel zu Entdecken bieten. Aber muss Rap immer klug sein? Etwas mehr Roughness hätte dem Album gut getan, auch ohne auf gängige Klischees zu setzen. Leider plätschern viele Songs ohne große Stimmung vor sich hin. Interessanter kommt Weekend, wenn er auf "13 Krokodile" von seiner Jugend erzählt: "Frag' mich, was ich werden will? In Ruhe gelassen."

"Bubble" hingegen ist ein Song über Bubbles, auf dem Weekend genau das sagt, was man von ihm zum Thema erwartet. "Ich hab noch nie jemand getroffen, der AfD wählt", klar, glaub ich ihm. Trotzdem klingt er dabei wie der dreißigste Beitrag über Bubbles, den nun wirklich niemand braucht. Auch "Boxen" dekonstruiert dermaßen schulbuchmäßig toxische Männlichkeit - man wünscht sich einen Schlag ins Gesicht, um wieder etwas zu fühlen.

"www.internet.de" kombiniert diese im weitesten Sinne sozialkritischen Texte wiederum mit wunderschönem Pop. Weekend rechnet mit einem "15-jährigen Realschüler aus Niedersachsen" ab, der ihn im Internet hässlich nennt. Die Debatte, ob das Internet denn jetzt das Gute oder das Schlechte im Menschen hervorholt, bringt er damit nicht besonders weiter. Trotzdem unterhält der Text, der hier jedoch nur Nebensache bleibt. Die Bühne gehört zweifelsohne dem Synth-Pop-Beat. Mit dem eintönigen Rap-Nerd auf Bum-Tschack-Instrumentals seiner früheren Alben hat das wenig zu, der Song klingt wie Kraftklub featuring Bilderbuch.

Auch auf anderen Stücken holt Produzent Friedrich VanZandt die Retro-Sounds aus der Rumpelkammer und bastelt schöne Beats. "Nono's Song" wickelt er in ein Lo-Fi-esques Pianogewand. Das Lied an Weekends Kind strahlt ehrliche Vaterfreude aus, Christoph redet offen über seine Träume und gibt sich nahbar.

Trotz ernsterer Themen zeigt Weekend auf "Lightwolf" auch seine Battle-Skills, die Lines sitzen locker und treffen unverkrampft mal andere Rapper allgemein, mal Kollegah und Bausa im Speziellen. Für "Geh Weg" mit Pimf samplet er das gleichnamige Youtube-Video, in dem ein Wanderer von einem Wildschwein bedrängt wird. Passend schießen die beiden gegen alles, was nervt, und tun das recht redegewandt. Der Witz mit dem Sample wirkt jedoch spätestens nach einer Minute ausgelutscht.

BoJack Horseman als Fernsehstar bildet den Rahmen für den letzten Song. "BoJack" stellt die Frage nach dem Sinn hinter all dem. "Ich will so sein wie BoJack Horseman" - der Traum vom Rockstarleben zwischen Mittelfinger und Erschöpfung schon vor der Party. Dank sphärischen Klängen und einem Bläsersolo ein stimmungsvoller Abschluss.

Der Anspruch an inhaltlich gehaltvollen Rap ist absolut ehrenwert, die ständige Bezugnahme auf irgendwelche Twitter-Debatten wirkt jedoch etwas verkrampft. Auch - es tut mir leid, dieses Fass noch mal aufzumachen - der Gute klingt nach wie vor recht eintönig. Da sind die Synth-Beats tatsächlich ein smarter Move, lenken sie doch von der etwas dünnen Stimme ab. Weekend ist das natürlich alles bewusst, wie er auf "BoJack" zugibt: "Keine Ecken und Kanten, die mich sympathisch oder geheimnisvoll machen."

Es bleibt ein Album zwischen gutem Songwriting und wenig Reibungspunkten. Ein paar Unebenheiten hätten gut getan, auch wenn die Produktion bereits viel leistet. Weekend hat für "Lightwolf" ein eigenes Label gegründet. Es bleibt zu hoffen, dass er diese Freiheit in Zukunft noch mehr auskostet.

Trackliste

  1. 1. Lightwolf
  2. 2. 13 Krokodile
  3. 3. Bubble
  4. 4. Boxen
  5. 5. Hallo feat. Fatoni
  6. 6. Kotzen feat. JoJo
  7. 7. 0209
  8. 8. Geh Weg feat. Pimf
  9. 9. www.internet.de
  10. 10. Burger + Pommes
  11. 11. Future Christoph
  12. 12. Nono's Song
  13. 13. BoJack

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Weekend

"Hallo. Ich bin der Christoph", schreibt Weekend auf seiner Homepage. "Der 98213. Rapper innerhalb der letzten fünf Minuten. Aber der erste Rapper, der …

3 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor 2 Tagen

    christoph wiegand ist gebürtiger gelsenkirchener. aber ich würde es ihm auch abkaufen, wenn er lieber stuttgarter wäre

    • Vor 2 Tagen

      Dachte, du feierst ihn etwas wegen VBT-Historie? :D

    • Vor 2 Tagen

      "Weekend ist ein VBT-Rapper, welcher als Unbekannter im VBT 2011 seine Karriere startete und das Turnier anschließend sogar gewann. Er gewann auch die nachfolgende VBT Splash!- Edition 2012, womit er mit zwei Turniersiegen neben SpliffTastiC und Me-L Techrap als Rekordhalter gilt."

      Ist doch ne passable Battle-Karriere.

    • Vor 2 Tagen

      ich mag auch viele seiner runden. er hat auch jedes mal verdient gewonnen. nur die runde gegen spliff halt nicht. aber er kann halt nur (selbstironisch )battlen. darüber hinaus sind seine texte halt lame. und auf albumlänge nicht erträglich. das einzige mal, dass der vbt weekend am start war, ist der track www.internet.de :
      Ich häng' auf dem Sofa ab irgendwann im Winter
      Bling Bling, eine neue Nachricht auf der Pinnwand (True Story)
      So nebenbei mach' ich die Seite auf
      Um da kurz reinzuschau'n, Yo
      Und da steht: "Weekend, du Hur*nsohn, du siehst voll schei*e aus
      Und da das Bild von deiner Freundin, die sieht voll schei*e aus
      Und deine krass bekackte Mucke, die juckt doch keine Sau
      Keiner will deine scheiß Fresse seh'n. Mann, häng dich doch einfach auf"
      Ich sitz' so da auf meinem Sofa
      Und frag' mich: "Warum macht man sowas?"
      Klapp' den Laptop wieder zu
      Das ist ja nicht so cool, hat der sonst nichts zu tun?
      Als ob der Schei* auf mich 'ne Wirkung hätt'
      Jaja, sowas passiert einfach im Internet
      Da muss man drüber steh'n (Uh), das macht mir gar nichts aus (Uh)
      Bei sowas blende ich doch automatisch aus
      Und ich klapp' den schei* Laptop wieder auf
      OK, dann geh'n wir mal auf deine Facebook-Seite drauf
      Dann zeig doch mal, du dämlicher Henning aus Hildesheim
      Der Name ist geändert, aber wir beide, wir wissen Bescheid
      Du erzählst also den Leuten im Internet, wer hässlich ist?
      Wenn man lange genug runterscrollt, dann findet man dein Drecksgesicht
      Und noch weiter unten ein Bild von dir mit deinen Eltern
      Und ich sag' mal so: Irgendwo musst du dein Drecksgesicht ja her hab'n
      Und schau mal da, du hast auch Instagram
      Dein Klamottenstil, der kommt ganz sicher gut auf Tinder an
      Zum Beispiel wenn jemand anderes das trägt (Ha Ha Ha)
      Jemand, der 'ne Ausstrahlung hat, verstehste?
      Jemand, dem das steht
      Und schade, dass dein Freundeskreis so klein ist ([?])
      Du postest Photos aus deinem Urlaub - keiner liket es
      Ich mein' bei den anderen in deinem Alter, da ist Instagram doch richtig groß
      Erzähl mal, warum ist denn da bei dir nichts los
      (*Ausatmen* *Ausatmen*)
      Und nein, du tust mir gar nicht leid (Ha)
      Völlig nachvollziehbar, dass ich gerade diese Nachricht schreib'
      An einen 15-jährigen Realschüler aus Niedersachsen
      Danke - 10 von 10 - ich würd's gerne wieder machen
      Ist OK, jetzt geht's mir wieder besser
      Internet ist da für mich, wann immer ich auch Stress hab'

  • Vor einem Tag

    Dummen Rap gibts schon zur Genüge. Warum erwartet man von der Trottelfraktion keinen intelligenten Rap?

  • Vor einem Tag

    Burger+Pommes,Hallo & Geh weg sind so unfassbar nice!