laut.de-Kritik

Auf sie mit Gebrüll!

Review von

Hurra, die neue Varg ist da! So dürfte der Jubelschrei derjenigen hallen, die gerne den ollen Thor anbeten, auf Mittelalter-Märkten literweise Met in sich hinein kippen oder auf dem Hörnerfest mit Dreck und/oder Blut im Gesicht Bands wie Subway To Sally, In Extremo, Eluveitie etc. lautstark huldigen. Zur Not dürfen es auch mal die Onkelz, Rammstein oder Frei.Wild zur Erbauung sein. Jedem Tierchen sein Pläsierchen, wie es so schön heißt.

In Sachen Varg gab es in der Vergangenheit einigen Wirbel, der die Mannen aus Coburg mit der rechten bis rechtsextremen (Musik-)Szene in Verbindung brachte. Seit Jahren bestreitet die Band das vehement und positioniert sich öffentlich klar gegen alle rechten Tendenzen. Man mag es ihnen glauben.

Dennoch bleibt es unbestritten, dass ein Bereich, in dem es textlich immer wieder um Stolz, Ehre, Widerstand und - das heutzutage viel zu oft von den Falschen genutzte Wort - Lüge sowie all das Gedöns um Walhalla und Co. geht, unweigerlich Suspektes anzieht.

Immerhin beginnt der aktuelle Silberling mit Charlie Chaplins bewegender Schlussrede seines berühmten Films "Der Große Diktator", die zu Menschlichkeit, Frieden und Freiheit aufruft. Das ist ja schon mal was.

Das aggressive todesmetallische Titelstück dürfte dann allen Friedensbewegten schnell die Hosen flattern lassen: Ab jetzt wird, unterbrochen von eher seltenen, gemäßigteren 'Streyfzügen', schwer aufs Trommelfell gehauen und aggressiv bis eher eindimensional gebrüllt. Das alles irgendwo zwischen eingangs erwähnten Bands und mit Einflüssen aus Death Metal oder sogar neuerem Deutschpunk.

"Achtung" offenbart eine ziemlich deutliche Pantera-Kante, so ganz nebenbei. Und "Dunkelheit" liefert eine Menge geile Gitarrenarbeit. Instrumental ist sowieso alles sauber ausgeführt, da gibts nichts zu meckern. Deshalb wird die einschlägige Szene dieses Album sicher ans mit Wikingerblut gefüllte Herz drücken.

Außerhalb dieser Klientel ist dagegen nicht zu erwarten, dass das neueste Kriegsschrei der Wölfe aus dem Frankenland Furore macht. Der etwas feinsinnigere Metal-Fan dürfte eher auf die nächste Accept, Riot, AC/DC oder Metallica (Gott steh' uns bei!) warten. Das wird die mit Kriegsfarben bemalten Coburger nicht weiter stören, denn ihre Szene ist mittlerweile groß genug, sollte man zumindest meinen.

Weshalb aber die ganze Chose auf einer zweiten CD aber noch mal mit englischen Texten eingeschrien wurde, ist nicht ganz nachvollziehbar. Der internationale Markt? Da gibt es schon Kaliber, die in dieser Richtung mehr Substanz vorzuweisen haben. Aber vielleicht sind Varg ja doch schon größer, als man denkt.

Trackliste

Deutsche Version

  1. 1. Der große Diktator
  2. 2. Das Ende aller Lügen
  3. 3. Revolution
  4. 4. Streyfzug
  5. 5. Achtung
  6. 6. Dunkelheit
  7. 7. Totentanz
  8. 8. Einherjer
  9. 9. Wintersturm
  10. 10. Ascheregen

Englische Version

  1. 1. The Great Dictator
  2. 2. The End Of All Lies
  3. 3. Revolution (English Version)
  4. 4. Streyfzug (English Version)
  5. 5. Achtung (English Version)
  6. 6. Darkness
  7. 7. The Dance Of Death
  8. 8. Einherjer (English Version)
  9. 9. Winterstorm
  10. 10. Rain Of Ash

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