laut.de-Kritik

Keine Gnade für den Hörer.

Review von

Kein Luftholen vor dem Sprung. Keine Chance die Deckung hochzunehmen. Nicht ein Moment Zeit, sich auf das Chaos vorzubereiten. Nicht eine einzige Sekunde geben United Nations dem Hörer. Sie legen sofort los und prügeln, schreien, ballern, keifen was die Organe und Instrumente hergeben. Ohne Kompromisse preschen sie nach vorne und knüppeln einfach alles um, was sich ihnen in den Weg stellt.

"Serious Business" heißt dieser Keine-Gnade-für-den-Hörer-Opener, der dann tatsächlich von einem ruhigeren Song abgelöst wird. In "Meanwhile On Main Street" hört man deutlich Geoff Rickly singen. Sein markanter Gesang bricht aber schnell wieder in einer heftigen Schreiattacke ab. United Nations drücken wieder aufs Hardcorepedal. Bei "False Flags" oder "Fuck The Future" gehen sie gar nicht erst runter mit Härte und Geschwindigkeit: Hardcore-Power in weit unter zwei Minuten.

Bei all den Riffs und heftigen Snare-Schlägen, die da durch die Boxen hämmern, haben die Herren aber auch ein feines Gespür für (Gitarren-)Melodien, Variationen, Songstrukturen und Dynamik. Wie Touché Amoré können sie nicht lange bei einem Thema bleiben, packen selbst einen kurzen Song wie "Music For Changing Parties" proppevoll mit Ideen, Rhythmen und Grooves. Das macht "The Next Four Years" angenehm abwechslungsreich. Vor allem wenn man die feinen Melodiebögen hinter all dem Gezeter entdeckt, wie bei "Revolutions At Varying Speed".

"F#a#$" sticht dennoch heraus. Schon allein die Länge ist mit über sieben Minuten ungewöhnlich. Auch der sehr lange instrumentelle Postrock-Part mit seinem groovendem Schlagzeug, dem fusseligem Bass und der sphärischen Gitarre hebt sich vom Geballer der restlichen Songs ab. Am Ende wird trotzdem wieder alles kurz und klein geschlagen.

Wer genau dieses Mal hinter den Ronald-Reagan-Masken steckt und für dieses Chaos verantwortlich ist, ist auch bei Platte Nummer zwei nicht ganz klar. Geoff Rickly ist freilich wieder mit am Start. Die Emocore-Truppe Pianos Became The Teeth hat anscheinend ihren Drummer David Haik und Basser Zac Sewell geliehen. Ob Ben Koller und Daryl Palumbo noch dabei sind, ist nicht ganz klar, vermutlich nicht.

Eigentlich ist es auch ziemlich egal, wer nun dahinter steckt oder ob sie immer noch eine Punk-Supergroup sind. Denn wer auch immer United Nations gerade ist, mit "The Next Four Years" haben sie mehr als einen würdigen Nachfolger zum Debüt von 2008 geschrieben. Diesmal begleitet kein Rechtsstreit mit den Vereinten Nationen die Veröffentlichung. Diesmal machen sie nur mit ihrer Musik auf sich aufmerksam. Ohne Probleme: Der wilde und rastlose Hardcore des Albums, zwischen Postrock, Punk und Screamo, ist wohl eines der besten Platten des Genres in diesem Jahr.

Trackliste

  1. 1. Serious Business
  2. 2. Meanwhile On Main Street
  3. 3. Revolutions At Varying Speeds
  4. 4. False Flags
  5. 5. United Nations Find God
  6. 6. Between Two Mirrors
  7. 7. Fuck The Future
  8. 8. Stole The Past
  9. 9. United Nations Vs. United Nations
  10. 10. F#A#$
  11. 11. Music For Changing Parties

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