laut.de-Kritik

Dieses Album zu hören ist ein Kraftakt.

Review von

Was ist Unheilig bitte für ein kurioses "Ferner liefen" der deutschen Musikgeschichte? Da ist also dieser Typ, der sich "der Graf™" nennt, der zumindest mal so etwas wie ein semikredibiler Grufti war und gar über Sachen wie Sex und Gewalt gesungen hat. Und dann hat er sich damit unsterblich gemacht, einen unglaublich corny Song zu singen und einen richtig ulkigen Bart zu tragen und dümpelt seitdem zwischen Ankündigung von Rente, Abschiedstour und Comeback hin und her. Nach der größten Pause bisher soll nun "Liebe Glaube Monster" Unheilig rekalibrieren. Und tatsächlich sind da ein, zwei Momente, in denen man die rudimentären Reste einer respektablen Band durchhört. Leider sind die verschüttet in 64 Minuten Dreck.

Schon das Intro macht ein bisschen Angst. Erst ist da dieses Cover, das aussieht, als hätte ein mittelmäßiges Rollenspiel Banksy für den Auswahlbildschirm rekrutiert, ob dein Charakter jetzt Extraleben oder Extraschaden kriegen soll. Dann bekommen wir einen Beat, der - fairerweise immerhin - nicht nach Schlager klingt, dafür aber wie der aufdringliche, überbordende Soundtrack, den man über den Trailer von einem CGI-lastigen Fantasy-Thriller legt. Und all das, um dann folgende Lines zum Besten zu geben: "Komm, wir leben unser Leben und träumen nicht nur davon - Revolution / Komm, wir greifen nach den Sternen, ganz egal, was auch kommt - Revolution".

Grundsätzlich: Ich wünschte, ich hätte irgendwas in meinem Leben, an dem ich so viel hätte wie der Graf™ an dem Wort "Leben". Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viele Lines wir damit kriegen. "Willkommen im Leben / ich will euch alles geben". "Durch dich hat mein Leben einen Sinn und einen Wert". "Unsre Werte tragen und ins Licht hochheben / Für das Leben das Richtige tun". Ich habe aus Neugier in einer statistischen Erhebung mal durchgezählt - und das Substantiv "Leben" kommt auf 13 von 16 Tracks in den Lyrics vor. Von den drei Tracks ohne ist einer instrumental. Damit gibt es so viele Tracks auf diesem Album, auf denen der Graf™ nicht vom Leben schwadroniert, wie es Kinderchor-Einlagen gibt. Und das kann keine gute Quote sein.

Zufall, dass der eine wirklich passable Song ohne ankommt? "Monster" hat einen richtig soliden, runden EBM-Beat. Klar, komplett über die Stränge schlägt er nicht, aber das ist schon überaus hörbar. Die Monster in question scheinen zwar YouTube-Hater zu sein ("Monster zweifeln und machen dich klein / Bеwerten und beurtеil'n dich zu jeder Zeit / Monster glauben, nur sie haben recht / Alles, was sie nicht kenn'n, reden sie dir schlecht"), was den Impact des Songs doch ein bisschen schmälert. Aber man muss schon sagen, dass der Mann auf Uptempo-Produktion mit zumindest etwas Grufti-Aura wesentlich natürlicher und sinnvoller klingt. Das war auch die leise Hoffnung, die der immerhin ein bisschen charmante Titeltrack am Anfang machte: "Herzlich willkommen / Es ist wieder soweit / Ich erzähle euch aus meinem Leben / Seid ihr bereit für Liebe-Glaube-Monster-Zeit?". Da hat man richtig noch gehofft, dass die "Geboren Um Zu Lebens" nur ein Drittel der Spielzeit ausmachen könnten!

Nun ja: "Monster" ist zwar nicht der einzige "Monster"-Type-Track, aber leider der einzige, der halbwegs funktioniert. Alles, was noch ins gothische Storytelling vordringen möchte, ist ein totaler Reinfall. Allen voran das cringy und unbarmherzig sechsminütige "KI – 01001011 01001001" (checkt ihr? Die Zahlen dahinter ergeben binär auch die Buchstaben KI!!! [man kann sich nur vorstellen, dass die Idee erst war, das als alleinigen Titel zu nehmen, dann aber auf den letzten Metern den Leuten nicht mehr zugetraut wurde, das zu verstehen]). Hier wird über den Advent der künstlichen Intelligenz ... ja, was denn eigentlich erzählt?

Eigentlich nichts, außer dass der Graf™ sich in großen Worten und schlechten Reimen über die Existenz dieser neuen Sache abarbeiten darf: "Mein Wille geht mit ihm viral / Ich bin die Macht aus Mensch und Zahl / Er ist Adam, ich bin Gott / Alle folgen meinem Wort". Nicht falsch verstehen, ich bin froh um jede KI-Kritik, aber bestenfalls sollte die von Leuten kommen, die immerhin so halb verstehen, was das überhaupt ist. Selbiges gilt für "Brot Und Spiele". Das ist ein Track mit dem vagen Ziel, irgendwie linsend betrachtet wie Gesellschaftskritik zu klingen, der aber so bullshittig und detaillos geschrieben ist, das literally jeder seine Ideologie darin richtig gespiegelt sehen könnte.

Und trotzdem kann ich den KI-Song immer noch besser hören als große Teile des Albums. Immerhin ist das ein Trainwreck mit Anspruch, etwas Cooles zu werden. Das kannst du von Schmalzorgien wie "Du Bist meine Heimat" nicht gerade behaupten: "Du hast mein Herz erobert auf den ersten Blick / Und wenn ich aufwach', ist es schön, wenn du bei mir bist / Ich halt' dich fest, egal, wohin ich geh' / Und halt' ich deine Hand, spür' ich, dass ich leb' / Leise flüster' ich dir zu / Ich liebe dich mit jedem Atemzug". Würg!

Absoluter Tiefpunkt wird gegen Ende der unerträgliche Plastikbeat-Billo-Schunkelschlager "Photobuch", stilecht garniert mit Millenial-Woah-Woahs. Unerträglich. Absolut unerträglich. Wenn er nicht gerade in alten Goth-Tagen schwelgt und seine alte Pseudo-Rammstein-Tonlage anprobiert, hat er ja auch wirklich nur diese eine Delivery. Diese netter-Priester-hält-auf-dem-Dorffest-eine-getragene-Rede-zu-einem-ernsten-aber-nicht-superernsten-Thema-Tonlage. Wenn das dann auf Musik so billig und seelenlos trifft, dann kann man sich des Zynismus' nicht mehr erwehren.

Ach, Mensch. Irgendwie hätte ich gerne mehr aus diese Album bekommen. Der Graf™ wirkt an sich ja wie ein drolliger, nicht ganz unsympathischer Unc. Aber dieses Album zu hören ist ein Kraftakt. Der Mann kann offensichtlich kein bisschen texten und wankt entweder zwischen den immergleichen drei Plattitüden oder verrennt sich in pseudogroßen Wörtern, ohne irgendetwas zu sagen. Die Musik hat ihre ein bis zwei lichten Momente, die aber gegen die Springflut an Kitsch und Schmalz nichts zum Besseren wenden. 65 Minuten, drei Millionen Mal das Wort "Leben", zwei Mal Kinderchor. Das muss doch wirklich nicht sein.

Trackliste

  1. 1. Revolution (Intro)
  2. 2. Liebe Glaube Monster
  3. 3. Wunderschön
  4. 4. Monster
  5. 5. Du Bist Meine Heimat
  6. 6. Brot Und Spiele
  7. 7. Mein Löwe
  8. 8. Zwischen Den Welten
  9. 9. KI - 01001011 01001001
  10. 10. Sonnenallee
  11. 11. Böse Geister
  12. 12. Spiegel
  13. 13. Nur Ein Kleiner Schritt
  14. 14. Photobuch
  15. 15. Liebe
  16. 16. Ausblick (Outro)

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Unheilig

Es mag vielleicht nicht sonderlich gothic-mäßig klingen, aber neben dem Grafen (Gesang) höchstpersönlich wirken an der Gründung von Unheilig noch …

25 Kommentare mit 171 Antworten

  • Vor 17 Tagen

    Wo bleibt denn die Rezi?

    • Vor 17 Tagen

      Ein guter Verriss will Weile haben...

    • Vor 17 Tagen

      Wenn's ein Verriss wird, kann es nicht gut sein.

    • Vor 17 Tagen

      Au contraire mon frère. Gute Verrisse zu beschissener Musik hat es hier schon oft gegeben.

    • Vor 17 Tagen

      Unser Sterne-Koch (SK) der Verrisse hat ja schon angedeutet, das Album gehört zu haben. Man kann also hoffen.

    • Vor 17 Tagen

      @Schwingster

      Nun ist die Musik nicht "beschissen". Das ist mein Punkt.

      Eine 3/5 muss drin sein, alles andere kann ich nicht ernst nehmen. Auch unabhängig von der Tatsache, dass das vergleichsweise schwache "Zelluloid" hier mal eine 4/5 bekam, das muss man da gar nicht bedenken. Man muss es nicht abfeiern, aber es ist offensichtlich zu gut für einen Verriss.

    • Vor 17 Tagen

      @ KWTS

      Es würde mich stark wundern, wenn ein "Rezensent" von laut.de dem Album mehr als einen Stern zugesteht.
      Diese Plattform hat ihren festen Stamm Künstler, die grundsätzlich verrissen, beleidigt oder bestenfalls auch nur unterbewertet werden, egal was von denen kommt, und Unheilig (insbesondere der Graf selbst) gehören da definitiv in die Top Five der größten Hassobjekte.

    • Vor 17 Tagen

      Who knows.
      : )

      Ich befürchte es. Gleichzeitig hoffe ich, dass die Rezension jemand schreiben darf, der Unheilig als Projekt und dieses Album wenigstens einigermaßen verstanden hat und nicht einfach die gleichen hohlen Bashing-Phrasen runterschreibt, nur weil das so einfach ist und bestenfalls noch mehr Interaktionen generiert. Letzteres ist wohl auch gar nicht so notwendig. Kommentiert wird ja jetzt schon - und dabei hab ich mir die Ausgangsfrage zu stellen gespart ...

    • Vor 17 Tagen

      Dieser Kommentar wurde vor 17 Tagen durch den Autor entfernt.

    • Vor 17 Tagen

      Meine Wertung ist jedenfalls 4/5. Gemessen am tatsächlich eher schwachen Vorgänger (bis auf 3, 4 sehr gute Songs wirkt VMZM wie eine noch schnell mal produzierte Resteverwertung vorm Abschied), ist LGM musikalisch ein starkes Comeback und vor allem ein abwechslungsreiches Album. Bis auf einen Song gefällt es mir ansonsten sehr gut, ich bin jedenfalls durchaus positiv überrascht, weil meine Erwartungshaltung doch eher gedämpft war.

    • Vor 17 Tagen

      Ja KWTS, von hohlen Phrasen halten wir hier gar nichts...

      "Ich nehm' das Leben in mich auf
      Wenn es sich zu mir verirrt
      Was ich fühle, jeder Augenblick
      Alles ist schon passiert
      Es gräbt sich ein, ich kann es spüren
      Wenn es sich und mich bewegt
      Dann bring' ich es in Wort und Ton"

    • Vor 17 Tagen

      Darin beschreibt der Graf, wie der künstlerische Schaffensprozess eines Musikers abläuft. Nichts Schlimmes.

    • Vor 17 Tagen

      @pedrolino

      Exakt.
      Dazu hat das Ding Anime-Opening-Vibes vom Feinsten. Absolut runde Nummer.

      @Schwingster

      Zwischen "häufig wiederholt"/"simpel" und "hohl" besteht ein Unterschied.
      : )

      @Hearthammer78

      Was ist dieser "eine Song"? "Photobuch" etwa?
      : D
      Yup, die Einschätzung zu "Von Mensch zu Mensch" teile ich weitgehend. Hatte genauso Potenzial wie "Gipfelstürmer", hätte ein runder Abschied werden können, aber dann kommt sowas wie der Refrain von "Der Sturm" ...
      Na ja. Bin froh, dass das neue Album so ein Brett geworden ist!

    • Vor 17 Tagen

      @KWTS

      "Was ist dieser "eine Song"? "Photobuch" etwa?"

      Genau der. War wohl kein schwieriges Rätsel. :-)

      Zu VMZM: mir stieß auch die erneute Verwurstung kompletter Textblöcke älterer Lieder extrem sauer auf ("Tausend Rosen" ist's glaub ich), da es meiner Meinung nach keinerlei Mehrwert hatte oder gar als Neuinterpretation durchging, es war schlichtweg einfallslos. Und so mancher Song wirkte unfertig, oder wie von der Resterampe gegriffen, was halt so bei der Gipfelstürmer-Produktion wohl (zurecht) aussortiert wurde. War'n bisschen unwürdig als Schlussakt.

    • Vor 17 Tagen

      Ich lieb den Song. Hat musikalisch was von "Coldplay covern AURORA" und vom Grafen kommt das alles sehr authentisch und warmherzig rüber. Aber ich verstehe, wenn man es zu schlageresk findet.

      Das "Feier dich"-Zitat in "Tausend Rosen" fand ich eigentlich nett. Aber ja. Der Rest stimmt. "Gipfelstürmer" hatte aber auch heftige Totalausfälle.

    • Vor 16 Tagen

      Jetzt haben wir schon fast 55 Wortmeldungen hier sowie aktuell eine 3-Sterne-Leserwertung (kann man eigentlich irgendwo sehen, wie viele Leute da abgestimmt haben?), aber immer noch keine Rezi. Ich finde es wirklich spannend, wenn es mal so herum läuft. Und nicht erst Redaktionswertung, die ich immer stark beeinflussend finde (das bleibt einfach nicht aus - besonders bei Verissen). Hoffe sehr, dass noch eine Rezi kommt. Ist nicht meine Musik, aber ich bin jetzt wirklich neugierig. :-)

    • Vor 16 Tagen

      Also bitte, "Der Sturm" wird doch hier völlig willkürlich kritisiert?!

    • Vor 15 Tagen

      @Cole_Walker
      Keine Ahnung, mich stört der Refrain sehr. Schade ob des Instrumentals.

    • Vor 15 Tagen

      Das Instrumental ist übrigends das Gleiche wie in "Funkenschlag" vom gleichen Album. Gibt's da keine Irritationen?

    • Vor 15 Tagen

      @Cole_Walker

      Ist es nicht. Bei "Funkenschlag" find ich den Text übrigens noch schwerer erträglich, ein Song der Marke "Die Idee ist gut".

    • Vor 15 Tagen

      Jetzt ist sie ja endlich da die Rezi und YNK hat sich wieder mal ordentlich ins Zeug gelegt. Menschen - LEBEN - Tanzen - Welt ... Zack! Und schon sind es auch nur noch zwei Sterne in der Leserwertung. ;-)

  • Vor 17 Tagen

    "Brot und Spiele" klingt nach Gladiator-Soundtrack und "Spiegel" würde auch den späten Depeche Mode gut zu Gesicht stehen. Bitte vorher mal anhören, bevor man wieder die üblichen 1/5-Sprüche rausholt.

    • Vor 17 Tagen

      Yup. "Spiegel" hat auch ein bisschen Polo & Pan-Vibes und "Brot und Spiele" ist mit seinen dreieinhalb Minuten reichhaltiger als manche Alben.

      "KI - 01001011 01001001" könnte fast schon von Kraftwerk getextet worden sein ...

    • Vor 17 Tagen

      "Brot und Spiele" klingt nach Gladiator-Soundtrack"

      Also nach ne schamlosen Gustav Holst ripoff? Oder eher nach der einen Szene mit dem schamlosen Richard Wagner ripoff?

    • Vor 17 Tagen

      Jetzt hör es dir doch endlich mal an, Schwingi! :mad:

    • Vor 17 Tagen

      Nee nee, ungehört ist die Musik besser.

    • Vor 16 Tagen

      @KWTS Du meinstest 1100101 wie Euro-Dancer Kacke, oder? Bitte nicht Kraftwerk in einem Satz mit dem Grafen nennen... Das ist Blasphemie. https://youtu.be/iTjHXMsKaEs?is=iPNcdh0LNa…

    • Vor 16 Tagen

      @Lord Fentavinyl

      Das kann man ja gar nicht vergleichen, bei dem Text. Auch wenn der Song für das, was er ist, bestimmt nett ist.

      Nee, da ist mein Kraftwerk-Vergleich treffender. Da seh ich auch ehrlich keine Blasphemie.

    • Vor 16 Tagen

      Also du kannst von mir aus mit deinem halbgaren Grafen glücklich werden, für mich isser einfach geboren, um zu nerven und Ionen von Lichtjahren von Kraftwerk künstlerisch entfernt.

    • Vor 16 Tagen

      "geboren, um zu nerven"

      :D

    • Vor 16 Tagen

      @Lord Fentavinyl

      Künstlerisch würde ich das nicht sagen. Von der Relevanz, vor allem von der Pionierarbeit her stimmt das aber natürlich.

    • Vor 16 Tagen

      Der Kraftwerkvergleich :lol:
      Habe mal durchgeübersprungen bis zu dem Sang, der ist textlich ja mal extrem platt. Gut oder schlecht? Ist halt Schlager. Bin in dem Genre kein Experte, würde sagen es ist ziemlich mittelmäßig.

    • Vor 16 Tagen

      Wesentlich passenderer Vergleich wäre Rammstein.

    • Vor 16 Tagen

      @CAPSLOCKFTW

      Rammstein passt von der Intonation und der Emotionalität. Oder ganz besonders, wenn man sich die (sehr gute) Frankenstein Version reinzieht.

      Aber Kraftwerk haben nun auch wahrlich nicht mit jedem Text große Lyrik geliefert. Ich schreibe in erster Linie deshalb "fast", weil die Emotionalität nicht so recht zu ihnen passt, aber wenn man wirklich ehrlich ist, würde der Text ansonsten nicht negativ in deren Schaffen auffallen.

    • Vor 16 Tagen

      Ich bin ehrlich gesagt wenig vertraut mit dem d'Oeuvre von Kraftwerk, das was ich kenne ist jedoch wesentlich anders als dieser Song. Vollkommen ohne das zu werten, der Text hier geht entsprechend der Ästhetik auch lyrisch stark in Richtung Caspar David Friedrich, während Kraftwerk eher in Richtung später Picasso geht. Romantik vs Dada. Ich mag Romantik halt nicht. Aber hat mich dazu gebracht Werk von Künstlern zu trennen und mir doch mal Kraftwerk anzuhören, bisher hatte mich deren Stance on Sampling hart davon abgehalten da zu diggen.

    • Vor 15 Tagen

      Hmja. Ich kenne da wahrscheinlich ein gutes Stück mehr.

      Wie gesagt - ich schrieb "fast".
      Ach ja, wer mal 'nen guten Lacher haben will, ich kann wirklich nur empfehlen, mal die Frankenstein Version zu hören. Falls man jemanden kennt, der die Deluxe Version vom Album hat (die auch einiger Demoversionen wegen, etwa von "Liebe", sehr empfehlenswert ist). Man will es dem Grafen irgendwie ständig absprechen, aber der Typ hat einen Humor und eine Selbstironie, das ist herrlich. So albern, dass es wieder genial ist.

    • Vor 15 Tagen

      Das finde ich so genial an der Deluxe-Version von Unheiligs Liebe Glaube Monster!

    • Vor 15 Tagen

      @Gleep Glorp

      Danke für den Schmunzler.
      : )

    • Vor 15 Tagen

      "Aber Kraftwerk haben nun auch wahrlich nicht mit jedem Text große Lyrik geliefert..."
      Es geht bei dem minimalistischem Ansatz von Kraftwerk um bewusste Reduktion der Lyrics, um möglichst Roboter-Haft Computer-Haft zu klingen...unter Berücksichtigung des jeweiligen Zeit-Kolorits, künstlerisch bahnbrechend...
      Dieser Vergleich hinkt ebenso, weil beim Grafen hört sich eher alles nach dem good-old-einheits-erfolgsbrei an: Vergleiche zuHerzbeben, lass uns leben...lalala und Menschen Leben Tanzen Welt lalala ... Selbst dieses Ki0101100011
      Nur mal so.

    • Vor 15 Tagen

      @Lord Fentavinyl

      Sehr gut, den Ansatz von Kraftwerk also verstanden!
      Irgendwann klappt das dann sicher auch bei Unheilig.
      : )

    • Vor 15 Tagen

      Schlagereske Ironie kann ich auch mit viel Willen bei Unheilig nicht mal ansatzweise erkennen

    • Vor 15 Tagen

      "Man will es dem Grafen irgendwie ständig absprechen, aber der Typ hat einen Humor und eine Selbstironie, das ist herrlich. So albern, dass es wieder genial ist."

      Yeah. Absolut. :lol:

    • Vor 15 Tagen

      @Lord Fentavinyl
      Ich helfe gerne ein bisschen.

      Warum ist der Graf bei den Abbildungen zu Album und Single-Auskopplungen klein mit Koffer abgebildet, mit teils sehr bunten, teils dunklen Ballons?
      Warum wird ein Kinderchor eingesetzt?
      Warum existieren Musikvideos wie die zu "Geboren um zu leben" und "Winter"?
      Warum sind die Texte vom Grafen oft von Naivität, Fantasie und Schlichtheit durchzogen (man höre "Spielzeugmann" aus der "Puppenspiel"-Ära), obwohl der Mann auch anders kann?

      Es ist echt nicht so schwer, das Projekt zu verstehen.
      Für mich stehen Menschen, welche die Musik von Unheilig als "Gothic-Schlager" bezeichnen, auf einer Stufe mit denen, für die Air "belanglose Fahrstuhlmusik" machen. Und dementsprechend ist "Liebe Glaube Monster" nach "Moon Safari" das zweite Album, von dem ich sage: Hätte ich gern selbst gemacht.

    • Vor 15 Tagen

      Mir ist schon klar, worauf du hinaus willst KTW.
      Das kokettieren mit Images und eine versteckte dunkle Seite des Grafen, der aber auch anders kann... Ja und Thomas ist eigentlich auch Anders oder heißt jetzt Anders.
      Und im Herzen ist das Gräfchen sicher kein Schlageronkel sondern ein Gothik-Rocker ... Kannst du ja gern glauben und auch andere davon versuchen zu überzeugen, dass die die wahre Ironie dahinter einfach nicht sehen bzw. checken...
      Klappt halt hier bei Laut bislang überwiegend so semi-gut,hm
      ?
      ...und lass mich raten, in anderen Foren erkennen auch so viele den wahren Grafen nicht, verdammich aber auch!
      Sei bloß nicht traurig, wenn halt beim nächsten Konzert 99,97% von stereotyp-Opel Corsa c Fahrer*innen neben dir stehen, die auch nur geboren sind, um zu nerv.. ähhh Leben

    • Vor 15 Tagen

      @Lord Fentavinyl

      Augenscheinlich weißt du EBEN NICHT, worauf ich hinaus will. Ich fass es nicht, dabei hab ich es so leicht gemacht.

    • Vor 15 Tagen

      In diesem Fall bevorzuge ich die Unwissenheit für den Rest meines Lebens. Aber danke für's Gespräch, ehrlich.
      Der Graf und du haben mich schließlich dazu gebracht in übliche Capslockerische, Schwingerische Lautuser-Diskussionsragism-muster zurück zu fallen.
      Danke für die Erkenntnis,
      ich fühle mich aber auch nun ein wenig schmutzig.

    • Vor 15 Tagen

      : )

      Kleiner Tipp aber trotzdem noch zum Abschluss, ob du drüber nachdenken willst oder nicht, bleibt dir freilich überlassen: Ich halte Unheilig weder für eine Gothic- noch für eine Schlagerband.

      Vielleicht hilft das.

    • Vor 15 Tagen

      "Warum ist der Graf bei den Abbildungen zu Album und Single-Auskopplungen klein mit Koffer abgebildet, mit teils sehr bunten, teils dunklen Ballons?
      Warum wird ein Kinderchor eingesetzt?
      Warum existieren Musikvideos wie die zu "Geboren um zu leben" und "Winter"?
      Warum sind die Texte vom Grafen oft von Naivität, Fantasie und Schlichtheit durchzogen (man höre "Spielzeugmann" aus der "Puppenspiel"-Ära), obwohl der Mann auch anders kann?"
      Viele Fragen KWTS, aber keine Antworten.
      Schreib doch mal eine eigene Rezension für uns.

    • Vor 15 Tagen

      Ach, egal
      einer geht noch:
      Wer hat mehr Comebacks wie Howie Carpendale und die Scorpions zusammen?
      Jedoch weniger Profil als die dazugehörige Neurose?
      Und wie viele Menschen auf der Welt können mit diesem Hintergrundwissen 1+1 zusammenzählen?

    • Vor 15 Tagen

      @Feli
      Ich kann gern in zwanzig Jahren die Meilenstein-Rezension übernehmen, wenn man mich lässt.
      : )

      Mal schauen, wann ich hier mein Gesamturteil zum Album in den Faden packe.

      @Lord Fentavinyl
      Check ich nich'.

    • Vor 15 Tagen

      Es ist doch vollkommen egal, ob das Gothic, Schlager oder Schlagergothic ist. Das ist einfach komplett generische Scheiße für Leute, die zu Hause sehr wahrscheinlich Wandtattoos von Obi haben.

    • Vor 15 Tagen

      @Horst71

      Bullshit. Bei mir hängen Pokémon-Poster an der Wand!

    • Vor 15 Tagen

      Willst Du irgendwie darauf hinaus, dass er ein großer Dude in der schwarzen Szene, aber innerlich noch immer Kind geblieben ist und das nun künstlerisch darstellen will?

      Bin wirklich gespannt auf des Rätsels Lösung - fuchst mich!

    • Vor 14 Tagen

      @ Horst71

      Immer wieder amüsant, wie sich Hobby-Profiler wie du die Fans und Hörer solcher Künstler vorstellen und damit lediglich ihren mit Vorurteilen belasteten Charakter bloßlegen. :-)

    • Vor 14 Tagen

      @Duri

      Das Letztere (innerlich Kind geblieben und das künstlerisch darstellen wollen) ist richtig. Bingo!

      Einer der Hauptgründe, weshalb ich den Mann feiere, seit ich fünf bin, und mich sehr mit ihm und dem, was er tut, identifizieren kann, obwohl ich weder mit der "schwarzen Szene" noch mit "Schlager" je viel anfangen konnte.

    • Vor 14 Tagen

      "...weshalb ich den Mann feiere, seit ich fünf bin,..."

      :D

      Sehr nice Performance insgesamt, chapeau!

    • Vor 14 Tagen

      Solange er in dem Alter keine Beatles- und Stones-Texte übersetzt hat ist es allenfalls mid.

    • Vor 14 Tagen

      @Hearthammer

      Das sind keine Vorurteile sondern empirische Studien.

    • Vor 14 Tagen

      Pls Horst, mach dich nicht zum Otto.

    • Vor 14 Tagen

      @Duri

      Was meinst du?

    • Vor 14 Tagen

      Na deine Darstellung des die hard fanboy since childhood hier. Kommt mir schon sehr rund vor insgesamt :)

    • Vor 14 Tagen

      @Duri

      Ist keine Darstellung. Ich stottere zwar nicht, bin aber Autist*in, unter anderem mit Hyperlexie, Sozialphobie und selektivem Mutismus. In vielen Kindheitserfahrungen, die vom Grafen so geschildert werden, und auch in seinem Auftreten und eben dem, was er künstlerisch tut, find ich mich tatsächlich wieder. Und ja, ich war 2016 beim Konzert. Vom neuen Album hab ich tatsächlich die Graf Edition bei mir liegen. Ich bin sehr großer Fan seit 2010 und die Musik hat mir lange Zeit viel geholfen.

      Das tut jetzt auch das neue Album. Es gab in den letzten Jahren nicht einen Tag, an dem sich mir keine, ich sag's mal so, "unguten" Gedanken aufgedrängt hätten. Seit dem letzten Donnerstag, an dem ich hauptsächlich vorfreudig ob des Erscheinens von "Liebe Glaube Monster" war, habe ich diese Gedanken überhaupt nicht mehr. Seitdem das Album erschienen ist, schlafe ich auch besser. Das ist kein Witz. Das mag nicht am Album allein liegen, aber es hat einen großen Anteil daran.

    • Vor 14 Tagen

      Na dann wünsche ich dir in jeglicher Hinsicht alles Gute, ma sagen! :)

    • Vor 14 Tagen

      Da danke ich!

    • Vor 13 Tagen

      Dieser Kommentar wurde vor 13 Tagen durch den Autor entfernt.

  • Vor 17 Tagen

    Seid ihr bereit für Liebe Glaube Monster Zeit??

    • Vor 17 Tagen

      Hoffentlich erscheint die Rezi auch. Den Fans würde man dieses raw data feeling des ignorierten Albungs nicht zumuten wollen.

    • Vor 17 Tagen

      @Schwingster

      Daran dachte ich auch.
      War auch ein geniales Album, muss man sagen.

    • Vor 17 Tagen

      Ich denke, das ist Alles was ihn halt so bewegt. Die Eckpfeiler des Lebens, über die wir uns gerne - oft auch unbegründet - den Kopf zerbrechen. Aber auch den Sorgen sollte man mal eine Bühne geben, ob unbegründet oder nicht.

  • Vor 12 Tagen

    Ich finde es gut, dass er das Thema "KI" aufgreift. Hier sieht man sehr schön die eigentliche Lustlosigkeit eines Binärcodes und was das für Auswirkungen auf uns Menschen haben kann. Ich vermute mal, genau deswegen ist er auch zurückgekommen, um ein Stoppschild aufzuzeigen, dass es so nicht weiter geht. Er konnte seine Ruhe angesichts der uns drohenden Maschinenwelle einfach nicht aushalten. Jeder der hier ein Zeichen setzt, hilft.

  • Vor 5 Tagen

    Platz 1 in den Charts und ausverkaufte Hallen. Alles richtig gemacht. Wer ist Yannik Gölz?

    • Vor 5 Tagen

      Und vor allem: Wo?

    • Vor 5 Tagen

      Je größer der Haufen Scheiße, umso mehr Fliegen. Und jetzt?

    • Vor 5 Tagen

      Wikipedia weiß da leider keiner Auskunft. :-(
      (Allerdings findet er in den Artikeln von Ski Aggu und Samra Erwähnung)

    • Vor 5 Tagen

      wann? wohin? welches albung?? vong wem???

    • Vor 4 Tagen

      So wie bei den Wildecker Herzbuben. Ist aber schon etwas länger her.

    • Vor 4 Tagen

      Es is schon witzig wie treudoof die deutschen Mitmenschen schon immer zu ihren Musikhelden stehen.... (Ich nehme mich da teilweise nicht aus)
      Während in anderen Ländern Acts wie der Graf, Anastasia, Dick Brave und Konsorten längst einen anderen Job hätten suchen müssen, um über die Runden zu kommen, reicht hierzulande halt sowas wie die Teilnahme an fünftklassigen TV-Shows Quizes, Voices-Jurys und dann ein Comeback Nummer 34567, um wieder und wieder gekäutes herumzududeln und Zack... Et wird gekoooft und geschunkelt... Wobei es gerade in der Popmusik woanders derzeit auch viel Wiedergekäutes gibt. Risikoarm und schlecht, auch im Cinema nur noch Fortsetzung en und Neuverfilmungen soweit das Auge reicht.

    • Vor 4 Tagen

      Ja, schon Lord. Aber irgendwie macht es doch auch den Charme dieses Volkes aus. Irgendwie ist es doch ein schönes Überbleibsel der germanischen Stämme, diese Zusammenhanglosigkeit bei gleichzeitiger Stärke, aus dem größten Verzicht noch irgendeinen Shit rauszuholen und die kapitalistische Dekadenz der Vereinigten Staaten von Amerika sowohl in der Retrospektive als auch in der Prospektive zu unterwandern.

    • Vor 3 Tagen

      So weit zurück würde ich das überbordernd nicht sehen... Die Suche nach dem Talisman, dem Quell der ewigen Jugend angedeiend und widerlich anbiedernd.