laut.de-Kritik

Guter Alternative Rock ohne Bezug zum dämlichen Artwork.

Review von

Bei manchen Sachen blick' ich echt nicht durch. Was zur Hölle geht im Kopf einer Band vor, wenn sie eine CD mit einem Cover veröffentlicht, auf dem zwei knallrote Gummistiefel mit Sternchen drauf abgebildet sind, die auf einem grünen Rasen stehen? Welcher normale Mensch will da noch freiwillig ein Ohr riskieren, um vielleicht sogar positiv überrascht zu werden?

Ein Glück hat bei laut.de eigentlich jeder einen an der Waffel, und ich bin der inoffizielle König, und so dreht sich "The Relevance Of Motion" gerade tatsächlich bei mir im Player. Und mit jedem Durchlauf komme ich mehr auf den Geschmack und wundere mich noch mehr über das selten dämliche Coverartwork. Weder lässt sich ein sonderlich sinnvoller Bezug zum Titel herstellen, noch zum wirklich gut gemachten Alternative Rock, den die Kanadier auf ihrem Debüt abliefern.

Nur weil es das Debüt ist, heißt das ja noch lange nicht, dass wir es hier mit Greenhorns zu tun hätten. Alle haben schon bei Bands gespielt, die in Nordamerika durchaus ihren Erfolg hatten, und das merkt man der Scheibe auch an. Vor allem die Tatsache, dass Sänger Blaine schon mit ehemaligen Econoline Crush-Mitglieder gespielt hat, ist bei "Nothing Between Us" nicht von der Hand zu weisen. Nicht ganz so relaxt wie die leider aufgelösten Econoline Crush aber doch handwerklich sehr sauber präsentieren sich die Touristen.

Mit Tribalbeat und fast fragiler Stimme läuten sie den Opener "Jacob's Ladder" ein, lassen aber zu keine Zeit Zweifel daran, dass hier noch ein emotionaler und musikalischer Ausbruch folgt. Mit dem einsetzenden Chorus rockt die Nummer dann ganz schön ab und bereitet auf das wirklich tolle "Stay" vor, das sich direkt danach anschließt. Dramatisch, melancholisch, mitreißend. Da machen "Everytime We Touch" oder "High Speed" keine Ausnahme.

Was ein wenig überrascht, ist das Fehlen einer typischen, kommerziell tauglichen Ballade. Natürlich ist das abschließende "It Just Doesn't Matter" eine Ballade, doch anstatt pompöser Streicher und ähnlichem Brimborium gibt es hier nur Blaine und die Gitarre von Greg zu hören. Es ist der Band aus Vancouver also hoch anzurechnen, dass sie nicht auf den schnellen Charteinstieg schielen, sondern es mit echter, handgemachter Rockmusik versuchen.

Wenn Tourist nächstes Mal noch mit einem anständiges Artwork auftauchen, dann könnten sie sich durchaus zu mehr als einem Geheimtipp entwickeln.

Trackliste

  1. 1. Jacob's Ladder
  2. 2. Stay
  3. 3. Everytime We Touch
  4. 4. Throwing Stones
  5. 5. LRT
  6. 6. High Speed
  7. 7. Newradio
  8. 8. Throw It Away
  9. 9. Nothing Between Us
  10. 10. It Just Doesn't Matter

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