laut.de-Kritik

Moshalarm beim Heimspiel.

Review von

Seit Ende der Nullerjahre zählen Touché Amoré aus Los Angeles zu den fünf Bands, die sich zusammen The Wave nennen. Im Gegensatz zu ihren Kollegen von La Dispute setzte die Formation um Schreihals Jeremy Bolm in der Vergangenheit auf kurze, kompakte Songs. Dies änderte sich spätestens mit ihrer letzten Platte "Stage Four" (2016), die teilweise mit filigranen und verspielten Post-Punk-Klängen aufwartete.

Am 16. Februar 2018 fand exakt zehn Jahre nach ihrer ersten Live-Show in ihrer Heimatstadt das tausendste Konzert statt. Mit "10 Years / 1000 Shows - Live At The Regent Theater" fängt diesen unvergesslichen Abend mit vorliegenden 27 Songs ein. Material aus sämtlichen Schaffensperioden ist dabei, ebenfalls Kollaborationen mit befreundeten Acts wie La Dispute und Self Defense Family. Als Fan bekommt man also die komplette Vollbedienung. Gleichzeitig bietet das Werk Neueinsteigern einen hervorragenden Einblick über das zugleich treibende, aber auch emotional vielschichtige Repertoire des Quintetts.

Die Show leiten Bolm & Co. mit "~", dem Opener ihres hochgelobten Albums "Parting The Sea Between Brightness And Me" (2011) kompromisslos ein. Im Anschluss stehen mit "New Halloween" und "Rapture" von "Stage Four" etwas nachdenklichere Töne im Zentrum, die aber nicht ohne Zuversicht auskommen. Ein abwechslungsreicher Einstieg. Danach wechseln sich knackige Einminüter und etwas komplexere Songs ab, bis die Formation in der Mitte des Sets mit "Negotiating The Charade" oder "Cadence" einige Tracks aus ihrer Frühphase präsentiert. Moshalarm lautet hier die Devise.

Gegen Ende erweist sich vor allem "Benediction" von "Stage Four" mit seiner Mischung aus New Wave im New Order-Stil und intensiven Post-Hardcore-Ausbrüchen als waschechter Hit. In "Circa 95", erstmalig 2015 auf der EP "Self Love" veröffentlicht, holt sich die Band schließlich Self Defense Family auf die Bühne, um gemeinsam heftige Arschtritte zu verteilen. Da kommt auf jeden Fall Laune auf.

Den Auftritt beschließen Touché Amoré mit "Honest Sleep" vom Debüt "...To The Beat Of A Dead Horse" mit viel Leidenschaft, bevor es ihnen das textsichere Publikum mit euphorischem Applaus dankt. Ein krönender Schlusspunkt eines energetischen Heimspiels. Leider fängt der Mix von Kurt Ballou (Converge) die Live-Magie nicht gerade vorteilhaft ein. In der Summe tönt der Sound auf "10 Years / 1000 Shows - Live At The Regent Theater" zu dumpf und tiefenlastig, wodurch die einzigartige Dynamik des Gigs in einem undefinierbaren Soundbrei erstickt. Dies bleibt jedoch das einzige Manko einer ansonsten äußerst gelungenen Momentaufnahme, die zeigt, dass Touché Amoré nach wie vor nichts an Frische verloren haben. Auf die nächsten 10 Jahre!

Trackliste

  1. 1. ~
  2. 2. New Halloween
  3. 3. Rapture
  4. 4. And Now It's Happening In Mine
  5. 5. Uppers / Downers
  6. 6. Adieux
  7. 7. Steps
  8. 8. Just Exist
  9. 9. Pathfinder
  10. 10. Flowers and You
  11. 11. Negotiating The Charade
  12. 12. The Great Repetition
  13. 13. Art Official
  14. 14. Displacement
  15. 15. Cadence
  16. 16. Harbor
  17. 17. Palm Dreams
  18. 18. Home Away From Here
  19. 19. Amends
  20. 20. Benediction
  21. 21. Banter 1
  22. 22. Is Survived By
  23. 23. Condolences
  24. 24. Banter 2
  25. 25. Circa 95
  26. 26. Low Beams
  27. 27. I'll Get My Just Deserve
  28. 28. I'll Deserve Just That
  29. 29. Honest Sleep

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