laut.de-Kritik

Routinierte R'n'B-Kost zwischen Sinnlichkeit und Verletzlichkeit.

Review von

Toni Braxton zählt mit über 65 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten R'n'B-Sängerinnen der Welt. Erst kürzlich hat sie sich mit Rapper Birdland verlobt. Privat scheint für sie somit alles im Reinen zu sein. Nun veröffentlicht sie mit "Sex & Cigarettes" ihr erstes Album nach "Love, Marriage & Divorce", ihrer gemeinsamen Kollaboration mit Babyface von 2014.

Der hat auch mehrere Songs auf der aktuellen Platte produziert. Sein Langzeit-Assistent Paul Boutin hat bei der ersten Single "Deadwood" die Knöpfe bedient. Zugleich ist der Track auch der Opener des dreißigminütigen Werkes. Die sparsame Akustikgitarren-Begleitung, die eleganten Streicherteppiche aus der Dose und den netten Funk-Beat hat man bei der US-Amerikanerin sicherlich auf ihren früheren Scheiben in ähnlicher Form wahrgenommen. Dafür präsentiert sie sich am Mikro kraftvoll und gut aufgelegt. Letzten Endes also ein gelungener Einstieg in dieses Album, das größtenteils mit routinierter R'n'B-Kost aufwartet.

Lyrisch braucht man mit tiefgreifenden Erkenntnissen nicht zu rechnen. Fast alle Texte drehen sich um das Thema Herzschmerz. Im Titeltrack singt sie zu balladesken Klaviertönen von verletzten Gefühlen. Mit zerbrechlicher Stimme beklagt sie, dass der untreue Lover nach Sex und Zigaretten riecht, wenn er kurz vor dem Morgengrauen nach Hause kommt. In "Long As I Live" umschreibt sie das Gefühl, wenn der Ex mit einer neuen Liebschaft durchbrennt.

Toni Braxton beweist hier, dass ihr Gesang nach wie vor Emotionalität besitzt. Nur schmettert sie die Konkurrenz im Gegensatz zu früher keinesfalls mehr an die Wand. Antonio Dixon sorgt schließlich für ein angenehmes, unaufdringliches Vintage-Flair. Er saß des Öfteren für die Singer/Songwriterin Colbie Caillat an den Reglern, die man im verträumten und wunderbaren Duett "My Heart" hört. Darüber hinaus verpasst Babyface der Nummer eine zurückgenommene Klangästhetik, die offenkundig von modernen Trends im R'n'B abweicht aber dafür um so mehr Zeitlosigkeit ausstrahlt.

Dennoch durchziehen Versatzstücke aus Dance und EDM die letzten beiden Tracks der Platte. Zumindest "Coping" brachte Ende letzten Jahres die Clubs in den USA zum Kochen. Allerdings dürfte dieser Erfolg Produzent Stuart Crichton geschuldet sein, der in der Vergangenheit unter anderem mit den Pet Shop Boys und Kylie Minogue zusammenarbeitete. Der Song klingt mit seinen synthetischen Piano-Sounds und "Oh-Oh-Oh"-Chören wie am Reißbrett konzipiert.

Demgegenüber verweist "Missin'" in der Mitte auf die Frühphase des Contemporary R'n'B der Achtziger, als Janet Jackson dem Genre zu ungeahnten Höhenflügen verholfen hat. Andererseits stehen die an Dua Lipa erinnernden Beats in dem Stück mit beiden Beinen im Hier und Jetzt. Insgesamt ein versöhnliches Ende, das für die austauschbare Nummer davor entschädigt.

Im Grunde genommen zeigt sich Toni Braxton auf "Sex & Cigarettes" als eine selbstbewusste Sängerin, die zwischen Sinnlichkeit und Verletzlichkeit eine souveräne Balance findet. Von der Wandlungsfähigkeit einer Mary J. Blige ist ihre Stimme jedoch weit entfernt. Nichtsdestotrotz verfügt die Scheibe über einige gelungene Tracks. Im Großen und Ganzen hält die US-Amerikanerin an ihrer bewährten Erfolgsformel fest, die ihre Anhänger so sehr an ihr schätzen. Das kann man als R'n'B-Hörer mögen, muss man aber nicht. Trotzdem gab es in letzter Zeit in dem Bereich schon deutlich schlechtere Comebacks.

Trackliste

  1. 1. Deadwood
  2. 2. Sex & Cigarettes
  3. 3. Long As I Live
  4. 4. FOH
  5. 5. Sorry
  6. 6. My Heart
  7. 7. Coping
  8. 8. Missin'

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2 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    What about Toni Braxton?
    If that bitch give me action, guaranteed satisfaction.

  • Vor 3 Jahren

    für eine 4-Sterne-Bewertung liest sich die Rezi doch eher ernüchternd... wo ist die Begeisterung, wenn das Album so gut sein soll. Ich habe mir die paar Lieder angehört und kann insofern zustimmen, dass viel Retro und Zeitlosigkeit präsentiert wird. Insofern ja, es stellt sich ein gewisses "wie damals"-Feeling ein... Solide und gut... aber 4 von 5 ist aus meiner Sicht etwas utopisch. ;)

    • Vor 3 Jahren

      Und zack wurde es geändert. Mensch wird laut.de jetzt sogar noch zu einer demokratischen Seite?

    • Vor 3 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 3 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 3 Jahren

      Guter Punkt. Ging auch eher nach dem Retro-Standpunkt aus, der mir durchaus zusagt. An sich ist das Album keine Offenbarung, aber auch alles andere als ein verhunztes Comeback. Es ist halt gut hörbar in meinen Ohren. Deswegen habe ich da eventuell mal ein Auge zugedrückt. Mit 3/5 kann ich aber auch gut leben.