laut.de-Kritik

Die haben noch ein Anliegen!

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Kannst du den Aschemond leise gleißen hören? Godspeed You! Black Emperor, Verzeihung, Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra sind zurück, und man fragt sich leise: Darf's mir noch ein kleines bisschen mehr Apokalypse sein?

Denn im Postrock-Kosmos stehen die Genre-Signifikanten seit langem auf Sturm. Die Absage an ein Lebenszeichen der Instrumental-Überväter GY!BE erfolgte passenderweise unmittelbar vor dieser Veröffentlichung. Der Bandleader dürfte sich jedoch sehr im Klaren darüber sein, wie sehr sich nun die Ohren auf sein Orchestra & Tralalala Band-Anliegen fokussieren.

Mut bewiesen die Kanadier ohnehin erst 2005, als die Reise Richtung Genre-Konservatorium eine unerwartete Abzweigung ans Lagerfeuer nahm. Seinerzeit wurde aus Ermangelung eines fähigen Sängers zum ersten Mal Efrims schroffes Organ voll zur Schau gestellt.

Zwischen stumme Zeichen in Form von Plattencovern und Songtiteln, welche die Band bis dahin zum Momentum wider den Krieg chiffriert hatte, trat der Botschafter Stimme. Jene Allegorien sind somit ersetzbar geworden; sie behalten aber ihre Daseinsberechtigung, um dem politischen Anspruch zusätzlichen Nachdruck zu verleihen.

Auf "13 Blues For Thirteen Moons" heißen die Stücke etwa "1,000,000 Died To Make This Sound". Diesen bleischweren Satz wiederholt ein Chor gleich zu Beginn bis in die Unendlichkeit, dass einem ganz schummrig wird um den Zustand der Welt. Hoch- wie tieftönende Streicher sägen in rostiger Unperfektion, müllige Gitarren knirschen, und die blechernen Drums poltern gegen Efrims überspanntes Lamento an.

All der Tumult landet auf direktem Weg auf Band. Gibt im Postrock schließlich kaum etwas Durchgekauteres als den filigranen Auf- und Abbau. Aber obwohl das Sukzessive zugunsten unmittelbarer Brachialität in den Hintergrund rückt, geraten die düsteren Klangzeichnungen keineswegs kompakter und überschaubarer.

Übrigens: Dem vergleichbar aktivistischen schwedischen Revoluzzer Dennis Lyxzén riss anno 1998 endgültig der Geduldsfaden. Seine kommunistischen Abarbeitungen im Rahmen der Progpunk-Combo Refused bissen sich an der Masse jahrelang die Zähne aus. In der Rockdiskothek ging die Luzie ab, während der sozialkritische Überbau nicht in die Köpfe drang.

Drum siedelte Lyxzén über ins so genannte Feindeslager. Wiedergeboren als mainstreamgewandte Rock'n'Roll-Formation The (International) Noise Conspiracy sollte dieselbe Botschaft einem größeren Hörerkreis dargeboten werden. Das Experiment ging schief. Ob diese Tatsache für das Fortbestehen der Constellation-Clique Schlimmstes befürchten lässt?

Unwahrscheinlich. Efrim & Co. setzen nunmehr zwar auf Gesang, um ihre Message zu transportieren. Die Alben bleiben aber aufgrund kratzbürstiger Kompositionen einem elitären Kreis Wissender vorbehalten. Und auch wenn beim preaching to the converted eine Zartbitterkeit mitschwingt: Beruhigend, dass überhaupt noch Musiker mit Anliegen unter uns weilen.

Trackliste

  1. 1. (Untitled)
  2. 2. (Untitled)
  3. 3. (Untitled)
  4. 4. (Untitled)
  5. 5. (Untitled)
  6. 6. (Untitled)
  7. 7. (Untitled)
  8. 8. (Untitled)
  9. 9. (Untitled)
  10. 10. (Untitled)
  11. 11. (Untitled)
  12. 12. (Untitled)
  13. 13. 1,000,000 Died To Make This Sound
  14. 14. 13 Blues For Thirteen Moons
  15. 15. Black Waters Blowed / Engine Broke Blues
  16. 16. BlindBlindBlind

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