laut.de-Kritik

Nicht mehr als ein Treppenwitz der Musikgeschichte.

Review von

Kitsune, Paris, London, Fashion, Vice, Remixe: Diese Keywords drängen sich in letzter Zeit nahezu jedem auf, der sich am Wochenende gerne auf Extasy in bunte enge Hosen zwängt. Das französische Trio The Teenagers macht da keine Ausnahme. Es wird wohl auch niemanden überraschen, dass MySpace eine wichtige Rolle in ihrer Entdeckung gespielt hat.

Daneben profilieren sich die Teenagers aber durch ein kluges, aus pubertären Träumereien zusammengestelltes Konzept, das wie eine Wiederholung amerikanischer TV-Sendungen aus den 90ern klingt. Nicht umsonst beruft sich die Band auf "Beverly Hills 90210" als einer ihrer größten Einflüsse. Heraus kommt dabei solider Bubble-Gum-Pop, der ordentlich Spaß macht. Vor allem wenn die Teenagers einem mit ihrer unendlich weichgespülten Coolness konstant zuzwinkern.

Mit "Homecoming", das die Sommer-Liaison einer etwas beschränkten High School-Dame aus den Staaten mit einem englischen Jugendreisen-Hengst beschreibt, haben die Teenagers ihre großen Momente der Ironie. Rampensau und Sänger Quentin Delafon besingt die schönen Brüste seiner "american cunt", während eben diese ihn hoffnungsvoll naiv auffordert doch zum nächsten Spring Break auch nach Cancun zu kommen. Selbstverständlich bittet sie ihn auch noch um ein "Friend Request" ...

Das ist so auf den Punkt gebracht, so perfekt inszeniert, dass die Teenagers hier nur als Gewinner rausgehen können. Wenn Delafon im dazugehörigen Video noch in einer herrlich überspitzen Arschloch-Manier seine Spoken-Word-Texte überlegen in die Kamera faselt, ist er endgültig auf der Cool-List angekommen.

Die Teenagers setzen ihr Konzept so einwandfrei um, dass sie eigentlich schlau genug sein müssten, um zu wissen, dass es nicht mehr als ein kurzes Aufflackern sein kann. Auf Albumlänge ist ihr banaler Schmacht-Pop nicht wirklich auszuhalten.

Sonnige Handclaps unterstützen unfassbar klebrige Songs wie "Feeling Better", und in "Sunset Beach" zieht einen der Simon Gallup-Basslauf durch Nonsense-Texte wie "She left with the sunlight, I cried until the moonlight, this fucking bitch deservers to die." Solche Gehässigkeiten spucken die Teenagers am laufenden Band aus, und spätestens nach drei Songs ist offensichtlich, dass hier nichts mehr kommen kann.

Länger als ein YouTube-Video ist der Gag nicht wirklich witzig, und den Pariser Hipster-Kids fällt auch nichts ein, was sie ihrem Style hinzufügen könnten, um ihn über zwölf Stücke interessant zu halten.

Mit "Reality Check" wird nur klar was schon klar war: die Teenagers sind nicht viel mehr als ein Treppenwitz der Musikgeschichte. Dank der schnelllebigen Zeiten von MySpace und Freunden verschwinden diese aber glücklicherweise so schnell wie ein neuer Tab geladen ist.

Trackliste

  1. 1. Homecoming
  2. 2. Love No
  3. 3. Feeling Better
  4. 4. Starlett Johansson
  5. 5. Streets Of Paris
  6. 6. Make It Happen
  7. 7. Wheel Of Fortune
  8. 8. Fuck Nicole
  9. 9. French Kiss
  10. 10. Sunset Beach
  11. 11. III
  12. 12. End Of The Road

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14 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    Zur Laut.de-Review der Teenagers-Platte: Was fällt euch eigentlich ein Menschen zu kritisieren, die "sich am Wochenende gerne auf Extasy in bunte enge Hosen zwängen"? Anders geh`ich garnicht mehr vor die Tür. Auch während der Woche. Wenn ihr es euch da mal nicht mit 90 Prozent eurer User verscherzt habt. :)

  • Vor 11 Jahren

    also ich weiß echt nicht was ihr habt.
    total witzig, nach vorne, (kalkuliert) naiv, catchy, unendlich cheesy.....

    okay, nüchtern hab ich die platte eigentlich noch nie gehört, aber/und sie hat sich klammheimlich zum topfavorit für laut aufdrehen vorm weggehen gemausert. wie jetzt grad auch, deswegen bin ich hier gelandet, um sie zu verteidigen.

    stefan, gib dir nen ruck!
    (gilt auch für crimewave!!)

  • Vor 10 Jahren

    Einzelne Tracks ganz cool, aber als Album kaum hörbar..