laut.de-Kritik

Die Londoner spielten Mando Diao live an die Wand.

Review von

Auf der Mädchentoilette spielt sich ein bezeichnendes Gespräch ab. Wir sind bei Mando Diao, gerade erschallen die ersten Klänge der Vorband. "Ey, sag mal, wer isn das überhaupt?", tönt es von der linken Seite. Die Antwort vom Klo ganz rechts: "Boah, keine Ahnung. Mir doch egal, is ja nich Mando Diao." Da macht es den Mädels auch nichts aus, dass sie ihre Zeit gerade auf dem Pisspott verbringen, statt in der Halle. Blöder Fehler.

Denn "die", das sind The Rumble Strips. Und die spielen ihre schwedischen Headliner so was von an die Wand. Ihr facettenreiches Album zeigt, dass es sich bei den Jungs nicht um hirnlose Indie-Pop-Zöglinge handelt. Einerseits kommen Tracks wie "Welcome To The Walk Alone" schwerfällig daher, dann klingen die Rumble Strips wieder leicht und beschwingt, etwa in "London" oder "Not The Only Person". Letzterer wechselt zwischen Mid-Tempo und ruhigen Beats und hält auch Streichersequenzen parat.

Der Orchestereinsatz erfolgt nun noch konsequenter und theatralischer als auf dem Debüt "Girls and Weather" von 2007. Dies gibt die häufig beklommene und liebeskranke Stimmung treffend wieder. Wehmut bekommt nur, wer Gute-Laune-Tracks wie "Time" oder "Girls And Boys in Love" des Vorgängers kennen und lieben gelernt hat.

Dennoch gefällt der Big Band-Sound, durch den der Rock'n'Roll der Briten besonders live eindrucksvoll auf den Zuhörer eindrischt. Nicht zu verachten auch die Stimme von Sänger Charlie Waller, die an Liam Frays Organ (The Courteeners) in Sopran erinnert und zeitweise sogar Anklänge von Freddie Mercury und dem Queen-Sound in sich birgt.

Dementsprechend Musical gleich kommen die Tracks daher. Vor allem "Back Bone" und "Daniel" stellt man sich umgehend auf einer Broadway-Bühne vor. Sehr dramatisch - von Streichern und Piano begleitet - flötet Waller: "Daniel / Look what you've done / Falling in love / But it's not love". Oder: "And city skies don't know / 'Cause city skies just glow / Don't wait around to see / Just get on your boat and row".

Mit "Douglas" bekommt ein zweiter Mann seine finstere Hymne gewidmet. Die simple Melodie erinnert an schlechte Tanzveranstaltungen der 60er Jahre – sehr amüsant dementsprechend auch das Zuhören. Wem so etwas gefällt, dürfte auch an "Dem Girls" seine helle Freude haben. Der Song könnte auch aus 70s-Tanzfilmen wie "Grease" stammen. Etwas trashig, aber absolut berauschend.

Weniger glückt diese Hommage an vergangene Zeiten bei "Happy Hell". Trotz ausgefeilter Streichereinspielungen langweilt der Song schnell, was auch am übertrieben romantischen Backgroundgesang liegen könnte.

Bis auf diesen lahmen Ausrutscher birgt "Welcome To The Walk Alone" viele exzellente Tracks. Mark Ronson, der die Band für die Aufnahmen unter seine Fittiche nahm, erklärte hinterher, dass The Rumble Strips gerade dabei wären, "eines der größten Alben des frühen 21. Jahrhunderts aufzunehmen". Natürlich ist er als Produzent zu solch jubelnden Aussagen verpflichtet. Meilenweit daneben liegt er trotzdem nicht.

Selbst wenn der Funke in Deutschland bislang noch nicht recht übergesprungen ist: Irgendwann werden auch die letzten Mando Diao-Fans die Qualität der Strips erkennen. Wenn sie mal den gefliesten Ort verlassen haben. Welcome to the walk en masse!

Trackliste

  1. 1. Welcome To The Walk Alone
  2. 2. London
  3. 3. Not The Only Person
  4. 4. Daniel
  5. 5. Douglas
  6. 6. Back Bone
  7. 7. Sweet Heart Hooligan
  8. 8. Running On Empty
  9. 9. Dem Girls
  10. 10. Raindrops
  11. 11. Happy Hell

Preisvergleich

Shop Titel Preis Porto Gesamt
Titel bei http://www.amazon.de kaufen Rumble Strips,the – Welcome to the Walk Alone €4,50 €3,00 €7,50

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT The Rumble Strips

"Zu Beginn fand ich am besten, wie lächerlich das ganze Unterfangen eigentlich war: eine kleine Band mit Akustik-Instrumenten versucht auf Biegen und …

3 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    also ich war statt auf dem Klo in der 1. Reihe und bin auch bei den Rumble Strips abgegangen, aber ich kann jetzt nicht wirklich bestätigen, dass ihre Performance Mando Diao quasi düpiert haben soll wie es hier dargestellt wird... *-*

  • Vor 12 Jahren

    Ich stehe -egal wer der Hauptact ist- den Vorbands sehr offen gegenüber und war auch bei der Vorband bei the Killers "Louis XIV" sehr begeistert. Aber umgehauen haben mich die Jungs von Rumble Strips nicht...irgendwie sprang da kein Funken über...immer wenn ich dachte, jetzt könnte die Musik mehr Energie versprühen, meldete sich der nächste müde Part an. Kreativ hin oder her, aber die Musik sollte wenigstens meine durch Büroarbeit starr gewordenen Gliedmaßen zum Bewegen bringen und das hat sie leider nicht geschafft.

  • Vor 12 Jahren

    das erste album war doch ganz nett....