Porträt

laut.de-Biographie

The James Hunter Six

"Ich reagiere mit meiner Musik einfach auf ältere Musik, die ich gehört habe und die mir wahnsinnig gut gefällt. Ich mache, was mir gefällt, und das gefällt glücklicherweise anderen. Was soll man da groß herumtheoretisieren?" Wer Eric Clapton und Robert Plant zu seinen Fans zählen darf und regelmäßig mit Sam Cooke und James Brown verglichen wird, muss sich in der Tat keine Gedanken über die Sinnhaftigkeit seines von der Frühphase des Souls und R'n'Bs inspirierten Retro-Sounds machen.

James Hunter wird im Herbst 1962 unter dem Namen Neil James Huntsman im britischen Essex geboren. Anfang der 1970er Jahre kehrt er gemeinsam mit seinen Eltern der Heimat den Rücken, um eine neue Existenz in Australien aufzubauen. Doch der Familie gelingt es nicht, in Down Under Fuß zu fassen. Das Projekt Auswanderung endet frühzeitig. Ohne Wohnung findet sich Hunter in Colchester wieder, wo er mit seinen Eltern vorübergehend in einem Wohnwagen lebt.

Glücklicherweise eröffnet die Musik dem Briten eine andere Welt. Ihm fallen die Singles seiner Großmutter in die Hände, die er sich über ein altes Grammophon zu Gemüte führt. R'n'B- und Soul-Sänger wie Frankie Laine und Jackie Wilson befördern ab seinem neunten Lebensjahr seine musikalische Sozialisation. Seines eigenen Talents wird sich Hunter erst mit Anfang 20 bewusst. Er kündigt umgehend seinen Job bei der Eisenbahn, um Howlin' Wilf & The Veejays zu gründen.

Seinen weiteren Werdegang bezeichnet Hunter im Rückblick als "zwanzigjährige Bandprobe". Mit seiner ersten Formation feiert er kleinere Erfolge in der britischen Club-Szene. Zwischen 1986 und 1990 erscheinen zudem vier Alben. Doch den ersten wirklichen Karriereschub verleiht ihm Van Morrison, der auf Hunter aufmerksam wird und ihn als Backgroundsänger engagiert. Er begleitet den Iren auf seinen Konzerten und ist sowohl auf dem Live-Album "A Night In San Francisco" von 1994 als auch dem Studioalbum "Days Like This" von 1995 zu hören.

Nun unter dem Namen James Hunter veröffentlicht der Sänger 1996 sein Solodebüt "... Believe What I Say" über Ace Records. Van Morrison revanchiert sich für die gute Zusammenarbeit und unterstützt Hunter auf dem Song "Turn On Your Love Light". Von Willie Nelson bis B.B. King, von Los Lobos bis Chris Isaak eröffnet Hunter in den folgenden Jahren die Auftritte namhafter Musikgrößen. 1999 folgt sein zweites Album "Kick It Around". Mit seinem 2006 erscheinen dritten Werk "People Gonna Talk" knackt er auch den US-Markt. Positive Kritiken der Fachpresse und eine Grammy-Nominierung als "Best Traditional Blues Album" springen als Lohn heraus.

Sein viertes Album "The Hard Way" erscheint 2008 über Universal Music. Die Aufnahmen dafür erfolgen wie für sein vorheriges Album in den Toe Rag Studios, da die Musik dort nicht "digital zu Tode perfektioniert" werde: "Wir haben alles live eingespielt. Ohne Kopfhörer und ohne diese Aufnahmekäfige, also beinahe so wie auf der Bühne. Viele behaupten, dass das viel schwieriger sei als wenn man alles nacheinander einspielt und dann zu einem Song zusammensetzt. Aber für uns war es so viel einfacher und besser, vor allem weil man aufeinander reagieren kann – das macht schließlich eine gute Band aus, jedenfalls im Soul."

Um den Umstand Rechnung zu tragen, dass Hunter bei seinen Auftritten nicht als verwaister Singer/Songwriter auf der Bühne steht, sondern immer eine fixe Band im Schlepptau mit sich führt, benennt er sein Projekt in The James Hunter Six um. Bei den anderen fünf Mitgliedern handelt es sich um den Schlagzeuger Jonathan Lee, den Bassisten Jason Wilson, die Bläser Lee Badau und Damian Hand sowie den Keyboarder Kyle Koehler. Anfang 2013 erscheint mit "Minute By Minute" das erste Album der nun offiziell als Band auftretenden Formation.

Im August 2015 unterschreiben The James Hunter Six als erster britischer Act überhaupt beim renommierten New Yorker Soul-Label Daptone Records. Die Plattenfirma, die unter anderem Sharon Jones & The Dap-Kings und Charles Bradley im Katalog führt, veröffentlicht 2016 das Album "Hold On!". 2018 steht "Whatever It Takes" auf dem Programm. Bosco Mann, Gründer und Geschäftsführer des Indie-Labels Daptone Records, schwärmt von der Stimme des Briten: "In Zeiten des Retro-Soul-Booms ist James eine echte Ausnahmeerscheinung. Denn seine Stimme besticht nicht nur durch seine Power und natürlich Schönheit – in ihr schwingt auch diese Ehrlichkeit mit."

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