laut.de-Kritik

Wenn Indie sich mit Rock anlegt ...

Review von

Kann eine Größe wie Spoon, fast zu jeder Zeit ihrer Schaffensphase von den Kritikern geliebt, überhaupt noch wachsen? Wenn, dann an sich selbst: Drummer Jim Eno produzierte in den letzten Jahren einige sehr gute Platten (Chk Chk Chks "Thr!!!er", das Debüt von Polica), während Sänger Britt Daniel mit seinem Nebenprojekt Divine Fits tourte.

War selbst das Vorgängeralbum von Spoon schon eine Lehrstunde in modernem Indie-Songwriting, perfektioniert "They Want My Soul" das zuletzt noch nicht konsequent performte Konzept. Gerade dadurch, dass die Songs zunächst einmal den Indie-Rock nicht auf spektakuläre Art neu erfinden wollen. Stattdessen zelebrieren Spoon darin Althergebrachtes - Blues-Rock und Soul.

Sie reduzieren diese Genre stets auf das Wesentliche: Straighte Drum-Beats, bisweilen groovende Bassläufe und eine Leadgitarre, die geduldige Blues- und Rock-Riffe knarzt. Doch dann – als hätte es die Band in sterilem Umfeld minutiös erprobt – setzten Synthies ein, mal wohlklingend wie eine Harfe ("Inside Out"), mal eher destruktiv wie das verheißungsvolle Scheppern einer Abrissbirne ("Rainy Taxi"), die das vorher angewandte Feld der Standard-Rockismen umgräbt.

Spoon haben immer einen dieser Auswege parat – ein Gespür dafür, wo es sich mit den Gepflogenheiten des Rock anzulegen und sie umzukehren gilt. Zu jeder Zeit lassen sie alle Elemente auf "They Want My Soul" exakt danach aussehen, als hätte sich ihr Zusammenspiel willkürlich aus der Situation ergeben. Und damit spielen Spoon für ihr Leben gern.

Über alledem schwebt stets die Stimme Britt Daniels. Mal kratzig-soulig wie die von Greg Dulli ("I Just Don't Understand"), dann wieder butterweich und poppig. Oft spielt er mit den Klängen, mit Silben – Taktgrenzen sind ihm meist egal. Wenn sein Gesang während einer der minutenlangen Instrumentalpassagen einmal aussetzt, um zu einem unbestimmten Zeitpunkt ganz bestimmt wieder loszulegen, klingt das, als wollte er sagen: Wir dominieren das hier nach Belieben. Vielleicht auch eine Fähigkeit, die nur eine gewachsene Band wie Spoon bieten kann.

Trackliste

  1. 1. Rent I Pay
  2. 2. Inside Out
  3. 3. Rainy Taxi
  4. 4. Do You
  5. 5. Knock Knock Knock
  6. 6. Outlier
  7. 7. They Want My Soul
  8. 8. I Just Don't Understand
  9. 9. Let Me Be Mine
  10. 10. New York Kiss

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6 Kommentare mit 4 Antworten

  • Vor 5 Jahren

    Was soll man groß dazu sagen. Es ist eine Spoon-Platte, die allen Erwartungen gerecht geworden ist. Nicht der Wurf des Jahres, aber trotzdem eine der besten Indie-Platten der letzten Monate.

  • Vor 5 Jahren

    geht doch! zwar etwas gar kurz die review aber der vierte absatz trifft ein teil ihrer faszination ganz gut.

    zum album selbst wurde bei angus & julia stone schon das meiste gesagt. im gegensatz zu tinco für mich der wurf des jahres bisher, auch wenn nicht ihre beste. die platte macht einfach höllisch spass, auch nach dem gefühlt fünfzigsten durchlauf noch! im moment meine favoriten: 'rent I pay', 'inside out', 'knock knock knock'.

  • Vor 5 Jahren

    Liegt hier jetzt seit 8 Tagen ungehört. Stimmt, eigentlich könnte ich die jetzt mal hören statt hier stumpf rumzuposten. Mit Twigs und und Blues Pills bin ich ziemlich durch. Find ich beides solide, aber den jeweiligen Hype nicht wirklich wert. Ich mein, Twigs hat echt ne feine Ästhetik in ihrem äußeren Erscheinen und den Videos - die Musik ist aber viel konventioneller als überall berichtet. Blues Pills ist halt... junge, talentierte Menschen versuchen sich an angestaubtem Musikgenre. Nett.

  • Vor 5 Jahren

    Die Review ist bisschen oberflächlich, aber immerhin existent.

    Ich bin meine Meinung ja auch schon im A&J Stone Thread losgeworden, inzwischen hat sich auch wenig geändert: Für mich bisher die beste Platte des Jahres (wobei mir sicherlich mal wieder das ein oder andere geile 2014 Release durch die Lappen gegangen ist). Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass das Album hier und da für Spoon-Verhältnisse bisschen zu konventionell und eingängig daherkommt (z.B. bei 'I Just Don't Understand', 'Rent I Pay' - letzteres trotzdem toller Song). Das wird aber locker aufgewogen durch den typischen rotzigen direkten Sound, Britts vor Soul strotzende Stimme, und natürlich geniale Tracks wie 'Inside Out', 'Rainy Taxi', 'Knock Knock Knock', ... Genau genommen gibt es mal wieder keinen einzigen schwachen Song auf dem Album. Für diese Konstanz muss man (zumindest ich) Spoon einfach lieben.
    Nach wie vor 8/10

  • Vor 5 Jahren

    Achso, noch was:
    http://pitchfork.com/features/interviews/9…
    Ganz interessant zu lesen. Schade nur dass Transference immer so stiefmütterlich behandelt wird.

    • Vor 5 Jahren

      super! ja, die transference.. eigentlich unerklärlich. mag sie zwar von den alben seit 'girls can tell' am wenigsten, trotzdem ein rundes ding mit einigen tollen songs drauf.

      was mich ebenfalls erstaunt: dass sich hier kein mensch für dieses album zu interessieren scheint. ich meine, das zeug ist verdammt eingängig. und diese band kann einfach keinen schlechten song schreiben. aber ja, man konnte die leute noch nie zu ihrem glück zwingen...

    • Vor 5 Jahren

      Ja... In den Staaten sind die ja aber schon ziemlich groß. Aber hierzulande scheinen sich leider tatsächlich nicht allzu viele für sie zu interessieren.

  • Vor 5 Jahren

    Kaum eine Platte hat mich 2014 so mitgerissen wie die. Knock, knock, knock ist locker einer der besten tracks des Jahres.