laut.de-Kritik

Hip Hop und Pop, beides nicht super und nicht übel.

Review von

"Wir sind beides der kleine Dicke oder der Bombenleger mit den langen Haaren". Smith & Smart sind Robert Smith und Maxwell Smart, Ex-West-Berliner und Ex-Ost-Berliner, Urbanos und Landeier, böse Buben und Traumschwiegersöhne, Elektro-Wilderer und Rock'n'Roll-Wizzards, Alarm und Peace, so die nette Selbst-Vorstellung des Duos. Wenn sich Gegensätze wirklich anziehen, dann sollten diese beiden Herren füreinander bestimmt sein.

Der erste Track, passend zum Albumtitel, erläutert die Zusammenkunft in der Formation Smith & Smart. Scratch-Samples von Eins Zwo ("Weniger Ist Mehr") oder Fünf Sterne Deluxe ("Dein Herz Schlägt Schneller") sowie ein Anschnitt Fatboy Slims Basslinie ("Rockafeller Skank") zeugen von einer feinen musikalischen Bildung und Geschmacksherkunft, jedoch stolpern bereits im zweiten Rappart Reime über ihren eigenen Flow, ohne dass Zungenbrecher annähernd in Sicht scheinen.

Von seinen Zutaten her lässt sich guter Stoff erhoffen (im Booklet findet sich eine gewaltige Sample-Liste), inhaltlich tönt das alles jedoch eher unausgegoren. "Everybody" kann da mit einer bunten Sample-Palette aus allen erdenklichen Genres Kreativität und Klasse vorweisen, verliert allerdings mit dem Beginn des Sprechgesangs Punkte in der Gesamtbilanz.

Mühevoll reihen sich Anglizismen in das Deutschrap-Konstrukt ein, um den einen oder anderen Reim rund, gar erst möglich zu machen ("1981 - i was born - seitdem hab ich immer meine Kopfhörer on"). Wenn Jan Delay "Party" auf "Ed Hardy" reimt, ist das eine andere Geschichte, schließlich handelt es sich um Eigennamen oder Teile des deutschen Sprachgebrauchs trotz linguistischer Fremdenintegration. Ein fröhlicher Blumentopf-ähnlicher Beat erzählt die Berliner Retrospektive, aber warum lautet die Hook eigentlich "everybody must get stoned, auf jeder party, everybody"?

Eine Liebesode an die Schweiz findet sich in "Verknallt.Ch", ganz nette, allerdings nicht gerade originelle Zeilen und spärliche Gesangseinlagen umwabern den Kuschelsong. Die Entwicklung der eigenen überhypten Stadt zu kritisieren, klingt da schon interessanter, sitzt man jedoch selbst im Glashaus der Reklamation, kann das dann auch mal nach hinten losgehen.

"Gegen mich" - "ich bin gegen den Strom, gegen die Norm - gegen die Wand / gegen alle Ängste und ihre Uniform - gegen besoffene Hundebesitzer / gegen abgenutzte Phrasen - aber dennoch gegen Hitler". "Hände" - "Hände, was sind eigentlich Hände, gibt nen Clap-Geräusch klatscht du in die Hände ..." - Sie dürfen den Zeugenstand verlassen, keine weiteren Fragen.

Der Refrain von "My Generation" ist ein gutes Beispiel, um auch die Stärke von Smith & Smart aufzuzeigen. Die liegt nämlich darin, Fetzen der Hip Hop- und Popgeschichte, schön gecuttet und inhaltlich originell verwendet, innerhalb des gewünschten Themenkomplexes anzurichten. Die Skillz von Robert Smith an den Turntables sind dabei wirklich beachtlich, in seinen elf Tracks spart das Album auch absolut nicht an Scratches und Cuts, sehr schön. Musikwissen, auch das dazugehörige Handwerk und der kreative Umgang damit sind also vorhanden, der Kombo fehlt es lediglich an Arbeit, Schweiß oder Talent im Hinblick auf das Songwriting, dann im Rap.

Sympathiepunkte erhalten die beiden durch ihre Themenwahl und die sympathische Art der Erzählung. Wählt man allerdings das Medium Rap zur Geschichtenerzählung, darf der Sprechgesang nicht so unausgereift wie verbesserungsfähige first takes klingen. Sicherlich hätte hier etwas mehr Zeit zum Gedeihen gut getan, so wurde die Frucht ungeduldig vor ihrer vollen Reife hastig und zu früh geerntet. Sogar Onkel Dittmeier lässt seine Orangen drei Monate länger in der Sonne für mehr Geschmack baumeln.

Zeigen Inhalte Schwächen auf, retten monströse Produktionen oder kreative Ideen doch das Gesamtwerk. Allerdings bleibt das Problem, dass "Beides" weitaus mehr Qualität aufweisen könnte - Rap UND Beats.

Trackliste

  1. 1. Beides
  2. 2. Everybody
  3. 3. Verknallt.Ch
  4. 4. Gegen Mich
  5. 5. Ihr Seid Nicht Berlin
  6. 6. Hände
  7. 7. My Generation
  8. 8. Hey Blonder
  9. 9. Einiges Passieren
  10. 10. Der Goethe Vs. Schiller Thriller
  11. 11. U Get Props Over Here

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