laut.de-Kritik

Der Soundtrack zum Chaos.

Review von

"Ich lebe in São Paulo, einer der großen Metropolen dieser Welt, mit mehr als 20 Millionen Menschen, die dort leben und arbeiten. Ich weiß was es bedeutet, im täglichen Chaos zu leben", so Sepultura-Gitarrero Andreas Kisser.

So richtig chaotisch ist das neue Werk des brasilianischen Vorzeige-Bulldozers zwar nicht geraten. Aber wenn ein irgendwo auf der Welt entfachtes Chaos noch keinen passenden Soundtrack hat, dann bitteschön: Hier kommt er.

Gleich zu Beginn ballen die Verantwortlichen alle Fäuste und entfesseln mit "Trauma Of War" ein knapp vierminütiges Highspeed-Thrash-Monster, das jedem HNO-Arzt dieser Welt den Angstschweiß auf die Stirn treibt.

Anderthalb Minuten und unzählige Kirchenglockenschläge später kümmern sich klagende Seelen um egozentrische Gottheiten und lassen dabei nicht mehr übrig als einen zerborstenen Altar, eingehüllt in Schutt und Asche. Heidewitzka, mit den Südamerikanern ist anno 2013 aber nicht gut Kirschen essen.

Auch auf "Impending Doom" lassen die Verantwortlichen nicht locker. Zwar fährt die Band das Tempo fast gegen Null, doch ändert das nur wenig am infernalen Grundcharakter des Songs. Die messerscharfen Doom-Chords schneiden sich im Slomo-Modus nicht minder erbarmungslos durch die Boxen, ebenso das nicht enden wollende Beckenmassaker von Neu-Drummer Eloy Casagrande. Viel wütender und aggressiver kann man kaum noch zu Werke gehen.

Mit "Manipulation Of Tragedy" finden Sepultura einen Geschwindigkeits-Mittelweg und präsentieren sich dabei erstmals von ihrer etwas "eingängigeren" Seite. So wecken sie Erinnerungen an die Neunziger, vor allem, wenn sich im Mittelteil altbekannte Tribal-Drums in den Vordergrund schieben.

Bei aller Freude über die unbändige Wucht der neuerlichen Band-Ergüsse stellen sich aber spätestens zur Mitte des Albums hin ("Tsunami", "The Bliss Of Ignorants") die ersten Ermüdungserscheinungen beim Hörer ein. Vor lauter Wut über gängige Fehltritte der Menschheit vergessen Sepultura, hin und wieder auch mal am Langzeit-Hebel zu drehen.

Selbst das zweigeteilte, Dynamik-Ü-Ei "Grief" und das fast schon epische "The Age Of The Atheist" hinterlassen trotz einer Vielzahl von Drehungen und Wendungen nur ein pochendes Vibrieren in den Gehörgängen.

Kurzlebig und vollgepackt mit krachenden Riffs, pumpenden Kesselspielen und garstigen Heimatversen verabschieden sich auch die beiden Rausschmeißer "Obsessed" und "Da Lamo Ao Caos", ohne dabei für hochgezogene Augenbrauen zu sorgen.

Es bleiben schlackernde Ohren und die Erkenntnis, dass den Südamerikanern auch nach nunmehr fast 30 Jahren immer noch vieles so richtig tierisch auf den Sack geht. Schade nur, dass die Band ihren Anklageschriften ein musikalisch nahezu durchgehend zerstörerisches Underground-Dauerfeuer zur Seite stellt. So sorgt man zwar in den eigenen vier Wänden für kurzfristigen Frustabbau, doch dürften die geschwollenen Mittelfinger außerhalb des familiären Zirkels nur bedingt wahrgenommen werden.

Trackliste

  1. 1. Trauma Of War
  2. 2. The Vatican
  3. 3. Impending Doom
  4. 4. Manipulation Of Tragedy
  5. 5. Tsunami
  6. 6. The Bliss Of Ignorants
  7. 7. Grief
  8. 8. The Age Of The Atheist
  9. 9. Obsessed
  10. 10. Da Lama Ao Caos

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5 Kommentare mit 2 Antworten

  • Vor 8 Jahren

    mir taugts, ersten paar songs gehen gut,dannach verlierts bissi an glanz aber alles nicht von schlechten eltern

  • Vor 8 Jahren

    Habe mir damals mit Begeisterung Roots, Chaos A.D., Arise und Beneath the Remains gegeben, dann ließ mein Interesse am ganzen Genre nach. Hab die Energie und das brachiale derbe gefeiert und bekam beim lesen dieser Review doch glatt wieder Lust, mal reinhören.

    • Vor 8 Jahren

      bei mir gings so von der schizophrenia bis chaos a.d. .roots war schon nimmer so mein ding aber da war ich wohl die ausnahme, war ja damals ziemlich populär.neue platte kommt auf jdf schön angepisst daher,muss man halt mögen

  • Vor 8 Jahren

    Mochte die neuen Sepultura Sachen eigentlich nie so, aber 'The Age Of The Atheist' ist ein Brett

  • Vor 8 Jahren

    Groove Metal, der Tod des anständigen 80er Thrash. Sepultura haben sich selbst gekreuzigt.

  • Vor 8 Jahren

    Ich muss sagen, ich bin echt überrascht. Das letzte Album hat über längere Zeit nicht wirklich bei mir gefruchtet, aber vor allem die Dichte des Sounds hier ist ziemlich genial. Erinnert mich an manche Sludge-Bands oder vielleicht auch an experimentelleren Death Metal, wo der Sound so schroff und hart ist, dass man sich erst mal dran gewöhnen muss. Mal sehen, ob das Album über längere Zeit überzeugen kann, aber es klingt schon mal mehr als geil, im Gegensatz zum neuen Soulfly.