laut.de-Kritik

Schönsaufen bringt nix.

Review von

Kann man sich Musik schönsaufen? Ich wage das Selbstexperiment. Schließlich ist ein halb aufgeräumter Bürotisch sicherlich nicht die passende Umgebung für Schmutzkis "Spackos Forever". Um dem Album eine faire Chance zu geben, verlangt es nach mehr Bierzelt-Atmosphäre. Es schreit schlichtweg nach Alkohol.

Zuerst steht die Frage im Raum, für welche Biersorte ich mich entscheide. Tannenzäpfle, Oettinger oder Störtebeker Atlantik-Ale? Für Tannenzäfple spricht der regionale Bezug, Oettinger dürfte aufgrund seines Asifaktors mehr Festival-Flair einfangen. Ich entscheide mich aber für Störtebeker, um dieses Wagnis wenigstens mit gutem Geschmack zu vereinen. Da ich nicht zu den Hardcoretrinkern zähle, sollten sieben Halbliter-Flaschen für den notwendigen Rausch ausreichen.

Um bei diesem Experiment einen Vergleichswert zu haben, spiele ich nach jeder Runde "Spackos Forever" kurz Helene Fischers "Farbenspiel" und Scooters "Ace" an. Also Kopf in den Nacken, Augen zu und durch.

Das erste Bier:

"Don't throw away the banana boxes!" Ein unfairer Start. H.P. Baxxter funktioniert vom ersten Augenblick und ist damit raus. Vor Helenes Schlager aus der Discofoxhölle ekle ich mich weiterhin. Schmutzki hingegen bieten für all jene ein Zuhause, denen die Sauflieder der Toten Hosen zu viel Intellekt und die letzten Ärzte-Alben zu viel Frische anbieten. Für all jene, denen AnnenMayKantereit über zu viel Streetcredibility verfügen und denen Peter Brugger von den Sportfreunden Stiller schon immer zu gut gesungen hat. "Spackos Forever" ist Revolverheld in schneller und mit blöderen Texten. Fun-Punk ohne Fun und Punk. Da bleibt nur noch der Bindestrich, also ein Minus.

Das zweite Bier:

Der erste Schwipps setzt ein. Bei dem anbiedernden Disco-Schlager "Jesus Schmutzki" hoffe ich auf schnelle Betäubung. "Jesus Schmutzki ist da für dich / nicht im Himmel, aber dafür dicht." Is' ja doll. In jeder Ecke schnieke aufgeräumt, fehlt der Produktion jede Würze. Ein Song wie aus dem IKEA-Katalog. Zusammengebaut nach Anleitung, und am Ende fehlt Schmutzki eine Schraube.

Wer sich auf der Suche nach komplett ausgelutschten Durchhalteparolen befindet, wird in "Dein Song" fündig. Wie wäre es mit drei Scheiben "Wenn du am Boden bist, ich richte dich wieder auf, es ist dein Song"? Oder 100 Gramm "Heute steigen wir ab, doch morgen steigen wir wieder auf"? Darf es etwas mehr sein? Niedlich, wie Sänger Beat Schmutz versucht, ganz, ganz böse "Mutterficker" zu singen, dabei aber klingt, wie ein Kleinkind, dem man das Sandschäufelchen weggenommen hat.

Das dritte Bier:

Was habe ich mir eigentlich bei der Nummer hier gedacht? Ich beginne, mir ernsthafte Sorgen um meine Gesundheit zu machen. Kann der Konsum von zuviel Schmutzki zu gravierenden Folgeschäden führen? Zahlt das die Kasse, wenn ich aufgrund dieses Experiments zum Pflegefall werde? Warum klebt auf der CD kein EU-Warnhinweis?

In "Sauflied" versuchen es Sänger und Gitarrist Beat Schmutz, Bassist Dany Horowitz und Schlagzeuger Flo Hagmüller gerade mit Ironie. Aber wenn man sich ironisch Scheiße ins Gesicht schmiert, hat man immer noch Scheiße in der Fresse. "Wir brauchen ein Sauflied / wo man mitsingt / wenn man Bier und Wein und Schnaps trinkt / denn mit Punkrock verdient man kein Geld / doch mit Sauflied kommt man ins Festzelt." Da steht ihr Dösbaddel doch schon seit der ersten Minute von "Spackos Forever"!

Das vierte Bier:

Kann bitte jemand die Tastalatur festhalten? Belibt stehen, ihr lieben Buchstabelchen. Munter schunkle ich zu "Was Immer Auch Kommt". Das ist so wie "Tage Wie Diese", das jemand durch den Wolfgang Petry-Mixer gejagt hat. Hölle! Hölle! Hölle! Hölle! "Denn solange ihr kämpft / Könnt ihr alles sein." Hui! Ich mag ein wunderschönes Einhorn sein. Oder Pummeluff. "Zeltplatz Baby" klingt wie die NDW-Band UKW auf Pseudo-Punk "Das ist für mein Zeltplatz Baby, juppidu, ich hab dich gerne /… / Wenn du willst, würd' ich deinen Namen rülpsen." Vielleicht ist Helene Fischer doch gar nicht so schlecht?

Das sechste Bier:

Schönsaufen bringt gar nichts. Glaubt mir. Weder Fischer, noch Schmutzki funktionieren. Daher möchte ich hier lieber dem Kollegen Schuh danken, der mich für den weiteren Verlauf vom Boden aufgehoben und an den Bürostuhl gebunden hat. Außerdem danke ich allen laut.de-Lesern. Ihr seid super. Ehrlich. Für euch schreibe ich am liebsten. Am allerallerliebsten. Du fette Schnecke.

Das siebte Bier:

"ATEMLOS DURCH DIE NACHT, BIS EIN NEUER TAG ERWACHT. ATEMLOS, EINFACH RAUS, DADADADUMM, ZIEH' DICH AUS!" eUROBAMEIZER EUROBAMEISTER!!!11

Der Tag danach:

Aua. Mein Kopf. Doch egal, wie viel ich auch saufe: So viel Bier kann man mir gar nicht einflößen, dass ich anfange "Spackos Forever" abzufeiern. Nur weil man seine Instrumente nicht beherrscht und gerade einmal drei Akkorde kann, ist man noch lange nicht Punk. Stattdessen gibt es spießige Festival-Romantik, so frech wie ein FDP-Parteitag. Schmutzki sind so langweilig, wenn sie ein Gewürz wären, dann wären sie Mehl.

Trackliste

  1. 1. Hey Haters
  2. 2. Spackos Forever
  3. 3. Baustelle
  4. 4. Jesus Schmutzki
  5. 5. Was Immer Auch Kommt
  6. 6. Tyrannosaurus Ex
  7. 7. Zeltplatz Baby
  8. 8. Ohne Witz
  9. 9. Lauter Träumen
  10. 10. Sauflied
  11. 11. Dein Song
  12. 12. Blau
  13. 13. Nie Mehr Drama
  14. 14. So Durch

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LAUT.DE-PORTRÄT Schmutzki

"Ich fand Beats Nachnamen einfach geil. Und wir saßen in der Bredouille, weil wir ein Konzert spielen sollten und dafür natürlich nen Bandnamen brauchten.

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