laut.de-Kritik

Mit Peter Plate und dem Grafen in der Schlagergruft.

Review von

Wer als echter Schlagerfreund dieser Tage hinaus in den Musikherbst tritt, sollte sich warm anziehen. Innerhalb von nur vier Wochen liefern sich die derzeitigen Königinnen des zeitgemäßen Tralalalas einen Kampf um die Gunst der Hörer. Nachdem im September Dominatrix Andrea Berg mit ihrem Album "Atlantis" jenes nochmals versenkte, versucht sich Helene Fischer nun am "Farbenspiel".

Altbackene Synthies aus der ZDF-Hitparaden-Ära Uwe Hübners, mallestampfend wummernde Beats: "Fehlerfrei" ist er nicht, Helenes Opener. "Verplant und verpeilt / daneben gestylt / so komm ich mir manchmal vor", bedauert sich die Sängerin, und will "Mit Vollgas gegen die Wand". Was den Nährwert ihrer Songs angeht, gelingt das mühelos. "Auf Biegen und Brechen" zwingt sie den Schlager in ein Korsett, das ihm keine Luft mehr zum Atmen lässt.

Fischer präsentiert sich fast schon furchterregend makellos, sauber und rein - wild gewordene Spontaneität nimmt man ihr so einfach nicht ab. In "Mit Keinem Andern" kommt sie erst um Mitternacht nach Haus. Ihr Liebster liegt noch wach, und als wissendes Weibchen erahnt sie seine Begierde: "Du willst bestimmt noch was Verrücktes tun". Dann startet sie durch, die spießerverhöhnende Sause enthemmter Leidenschaften inklusive rocking shocking Kleiderwechsel: "In zerrissnen Jeans um die Häuser ziehn / das kann ich mit keinem andern". So beginnen also persönliche Revolutionen.

An schiefen lyrischen Weltbildern hält "Farbenspiel" eine Menge Anschauungsmaterial bereit. Bei "So Kann Das Leben Sein" gelingt Helene das "Fliegen ohne Flügel". "In den Adern Adrenalin / im Kopf tausend Symphonien" begleiten das Unterfangen. Dazu schmachten Stimme und Streicher mit dick in Stellung gebrachtem Pathos.

Schlager muss nicht tiefschürfend nach höheren Weihen schielen. Doch die Macher müssen ihn - und seine Fans - ernst nehmen, damit er funktioniert. Dann besitzt er seine Berechtigung mit Melodien, die Herzen berühren können, und Interpreten, denen es gelingt, die böse Welt da draußen ein kleines Bisschen freundlicher zu machen.

Doch die Zeiten von Bill Ramsey, Vico Torriani, Gus Backus oder Peggy March sind vorüber. Statt ausgefeilter Gassenhauer, eingespielt mit großem Orchester, liegen die Reste des deutschen Schlagers im tiefen Koma. Die Elektroschocks der digitalen Ärzte verlängern seine Leiden nur, statt endgültig den Stecker zu ziehen.

Die Bläser und Beats von "Alice Im Wunderland" schielen auf den verspielten Pop der sechziger Jahre. Textlich propagiert der Song einzig die üblichen Klischees um ein verlassenes Hascherl, das sich zur Powerfrau entwickelt. Von einer frischen Interpretation des Themas ist die Nummer weit entfernt - Gitte Haenning und Juliane Werding besetzten in den Achtzigern dieses Feld weit glaubwürdiger.

Der "Captain Meiner Seele" steuert die Fischer-Titanic zielbewusst zur Kollision mit dem nächstbesten Eisberg. Und das angekündigte "Feuerwerk" verpufft einfach. Zwei Tracks protzen dann mit bekannten Namen: Unheiligs Graf verabschiedet sich mit dem blutleeren Balladen-Einlerlei "Ein Kleines Glück" noch mal nachhaltig in die Mainstream-Gruft. Der einstige Rosenstolz-Mastermind Peter Plate setzt bei "Unser Tag" ganz unverhohlen auf den größtmöglichen Mitklatschfaktor.

Und so präsentiert Fischer 16 Songs lang ein "Farbenspiel", das völlig frei ist von echten Farben. Eine Platte ohne Mut, ohne Witz und ohne Ideen.

Trackliste

  1. 1. Fehlerfrei
  2. 2. Mit Keinem Andern
  3. 3. So Kann Das Leben Sein
  4. 4. Marathon
  5. 5. Atemlos Durch Die Nacht
  6. 6. Der Augenblick
  7. 7. Te Quiero
  8. 8. Captain Meiner Seele
  9. 9. In Diesen Nächten
  10. 10. Feuerwerk
  11. 11. Ehrlich Und klar
  12. 12. Wunder Dich Nicht
  13. 13. Auf Der Suche Nach Mir
  14. 14. Alice Im Wunderland
  15. 15. Unser Tag
  16. 16. Ein Kleines Glück

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LAUT.DE-PORTRÄT Helene Fischer

Die erfolgreichste deutsche Schlagersängerin stammt nicht aus München, Berlin oder Hamburg - sondern aus dem russischen Krasnojarsk. Wie so etwas geht?

40 Kommentare mit 187 Antworten

  • Vor 5 Jahren

    Wir wissen doch alle, dass Helene Fischer bodenlos schlechte Musik macht. Wofür nun die Rezension?
    So sachlich und wenig gehässig, wie die nämlich gelungen ist, kann's wohl kaum an reiner Lust am Helene-Bashing gelegen haben.

    • Vor 5 Jahren

      Es geht um Klicks! Auch die ländlichen Gegenden sind mittlerweile internet-technisch erschlossen, bedenke!

    • Vor 5 Jahren

      Wieso ländlich? Helene Fiscker Fans leben überall, wie Ratten, die im Kollektiv rauskommen um zusammen zu klatschen. Außerdem haben wir schon um die 10000000 Mal hier geklickt. Eigentlich hätten das andere Musikseiten auch verdient. Kleine Idee: Wer hat Lust woanders eine Community zu etablieren?

    • Vor 5 Jahren

      Es gibt genug verdammt gute Musikseiten, die nicht von Verlagen und AG's im Hintergrund finanziert werden. Von Leuten, die mindestens genauso professionell Arbeiten und die das ehrenamtlich ohne Bezahlung machen...die hätten mehr klicks bitter nötig...aber wo Geld ist, kann man eben auch Google ERgebnisse beeinflussen..

    • Vor 5 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 3 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 5 Jahren

      Einfach mal die ganze laut-Community auf ne andere Seite verlagern und nahtlos an die hiesigen Gespräche anknüpfen. Bitch-Pools, Schwert der Rechtgläubigen, Gutmenschentum etc. Und keiner weiß, was abgeht. :D

    • Vor 5 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 3 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 5 Jahren

      da wären unter anderem: stormbringer.at, access2music.de, die babyblauenseiten (wobei ich deren rezensionen auch nicht immer so geil finde..) und auch rocktimes (wobei da der anspruch relativ niedrig ist)

    • Vor 5 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 3 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 5 Jahren

      So bodenlos schlecht wie die Kommentare von Schnuddel kann die Musik von Helene Fischer überhaupt nicht sein. Und selbstverständlich ist die Kritik von A. Schulz gehässig und einseitig, auf die einzelnen Lieder wird doch ohnehin nur oberflächlich oder gar nicht eingegangen. Der "Jahrtausendrekord" spricht ohnehin für sich. Helene Fischer und ihre Fans werden über solche Rezensionen und die beleidigenden Reaktionen hierauf nur herzhaft lachen. Es wäre zu begrüßen, wenn laut.de zukünftig nur noch Rezensionen über CDs veröffentlicht, wenn der Autor der entsprechenden Musik unvoreingenommen gegenüber steht; ich schreibe ja auch keine Kritik über das jährliche Festival in Wacken.

    • Vor 5 Jahren

      Ich erklär' dir was Christian! Bei laut.de geht es um Musik und da wird so ein beliebiger, seelenloser und langweiliger Fließbandmist wie Helene Fischer verdientermaßen abgewatscht.
      Das es eine tumbe Masse gibt die auch die größte Kacke noch abfeiert ist nun wirklich nicht das Problem des Kritikers.

  • Vor 5 Jahren

    Helene Fischer? Was ist mit MGMT? Prefab Sprout? Erdmöbel?

  • Vor 5 Jahren

    Aber knallen würd' ich die!