laut.de-Kritik

Die Motörhead des Kirmestechno.

Review von

"Machen die immer noch das, was sie in den 90ern gemacht haben?" Der Redaktionspraktikant, dem solches heute morgen entfleuchte, leidet offensichtlich noch unter dem Kulturschock, den ihm die erste schwäbisch-alemannische Straßenfasnet seines Lebens beschert hat. Was, bitteschön, soll das für eine Frage sein?

Eine, die sich anno 2016 bestenfalls mit einem Strauß Gegenfragen beantworten lässt: "What is a night without a rave? What is H without a P? What is a club without V.I.P.? And what is a party without me?" Nüschte! Ja, junger Padawan: Scooter bleiben auch auf "Ace", ihrem mittlerweile ... öh ... 18. Studioalbum, noch immer Scooter. Wicked aber auch.

Miesmacher behalten selbstverständlich in allen Punkten Recht. "Shout it out to the concrete jungle": H.P. Baxxter und Konsorten liefern seit Jahr und Tag den gleichen Sound. Sampledurchsetzte Kirmestechno-Beats, so subtil (aber auch so effektiv) wie Presslufthämmer, garniert mit lyrischem Schwachsinn, der seinesgleichen sucht, in teutonisch gefärbtem simple English. Wunderbar.

Die musikalische Entwicklung des ganzjahresjecken Dreigestirns lässt sich mit dem ostfriesischen Horizont illustrieren, richtig. Das verhält sich bei AC/DC oder den seligen Motörhead aber auch nicht großartig anders. "Everywhere I went, yeah, I brought the bass and spitted super tight bars right into your face."

"Without delay" (zum Glück auch without Delay!) wirft H.P. Baxxter seiner sich zweifellos längst um den Restverstand jumpenden Hörerschaft Gewissheiten und Ratschläge halbdutzendweise in die Visagen, wie man sie sonst wahrlich nirgendwo zu hören kriegt:

"Cherries are not important." "Watch your steps at frozen ground!" "Don't throw away the banana boxes!" Die wichtigste Verhaltensmaßregel von allen darf sich meinetwegen gern die ganze Welt hinter die Ohren schreiben: "Don't take life too seriously. Nobody gets out alive anyway." Widerspricht dem jemand? Ich nicht.

"You'll see: I take you higher", verheißt Baxxter, "coming up like a cyclone", und hält Wort: "Ace" reiht einen höllisch funktionalen Abriss-Hit an den nächsten. Der Titeltrack entpuppt sich als geradezu gruselig theatralisches Intro, das am Ende den Wummerbeat von "Oi" gebiert. Bei dessen hüpfender Melodei würde einen auch nicht mehr wundern, käme gleich eine Reihe grinsender Kobolde vorbei-geriverdancet.

Für "Mary Get No Lamb" verwursten Scooter "Arms Of Mary", in denen vor ihnen schon Smokie und noch davor die Sutherland Brothers und Quiver lagen. "Riot" befiehlt die brüllende Meute zu E-Gitarren-Gebretter auf den Dancefloor. Chöre zum Mitgrölen gibt es hier, aber auch in "The Birdwatcher". Die Aufforderungen "Sing it!" und "Bounce!" erscheinen da geradezu absurd überflüssig.

Die gut sechs Minuten von "Wolga" kommen ohne Worte aus, in "Opium" beschränkt sich der Text auf ein schnödes "Go!", in dessen Folge das Rave-Gewitter losbricht. Beide Tracks schwelgen hemmungslos in 80er-Synthiepop-Erinnerungen.

Die effektverkleisterten Gesangsparts von Maidwell in "What You're Waiting For" und "Stargazer" braucht kein Mensch. Mit "Torch" liefert Baxxter, versehentlich oder mit voller Absicht, wer will das schon sicher sagen, die Begründung, warum er an jeder anderen Stelle ... nun ... flowt, wie er eben flowt. Mit richtigem, echten Gesang hat er es ganz offensichtlich nicht so, seine Kernkompetenz liegt bei: "Oi! Oi! Oi! Fuckin' Oi!"

Ohne Scheiß: Besser hab' ich mich in diesem Jahr noch nicht amüsiert. Flippen Sie bitte jetzt aus, aber es wird wirklich langsam Zeit, dass wir Scooter in unsere Hall of Fame aufnehmen. Fünf Punkte fürs Lebenswerk. "Scream! Louder!! Yay!!!"

Trackliste

  1. 1. Ace
  2. 2. Oi
  3. 3. Mary Got No Lamb
  4. 4. Riot
  5. 5. Encore
  6. 6. Burn
  7. 7. Don't Bream The Silence
  8. 8. The Birdwatcher
  9. 9. What You're Waiting For
  10. 10. Crazy
  11. 11. Opium
  12. 12. Stargazer
  13. 13. Wolga
  14. 14. Torch

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