laut.de-Kritik

Die Kunstfigur schwächelt - nicht ohne Hoffnungsschimmer.

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Zum Glück ist das Image der Kunstfigur Rummelsnuff weitgehend nicht mehr von öffentlichem Interesse. Spätestens nachdem der Zweitling "Sender Karlshorst" durch die Feuilletons ging, interessierte es niemanden mehr, ob die Mischung aus Arbeiterlied und EBM mit martialischem Duktus ernst gemeint ist. Ebenso erübrigt sich dankbarerweise endlich die Frage, ob der Dresdner hohl, rechts oder schwul sei.

Wenig rückt Deutschlands wohl bekanntester Türsteher vom geradlinigen Kurs seiner "derben Strommusik" ab, die sich seit Jahren aus eng geschnürten Drumcomputer-Rhythmen, einfachsten Paarreimen und Reibeisenstimme nährt. Auch thematisch hält er sich auf "Himmelfahrt" die Treue, wenn Rummelsnuff neben den obligatorischen Seemännern die scheinbar ur-männlichen Berufsbilder des KFZ-Mechanikers und des Türstehers besingt.

Letztere Hommage erscheint als eine Art elektronischer Rockabilly, was ein wenig mit bisherigen Mustern bricht, textlich gesehen aber gewohnt infantil bleibt: "Superman, Batman kannste vergessen / wer will sich schon mit unserem Türsteher messen."

Die obligatorischen Coverversionen fehlen auch auf Rummelsnuffs drittem Langspieler nicht. Wo das Debüt mit einer wahnwitzig genialen Version von Devos "Mongoloid" aufwartete, setzen die beiden Nachfolger auf die wenig vielversprechende Kombination von seichten Schnulzen im harten Gewand. So schmettert einem auf "Himmelfahrt" neben Boney M. ("Daddy Cool") sogar der Italo-Dauerbrenner "Azzurro" entgegen, was beide Male kein Vergnügen ist.

Das Rummelsnuff-Konzept zwischen überzogenem Machismo, Seefahrerromantik und martialischen EBM-Versatzstücken, ist zunehmend abgelutscht. Für musikalische wie ideologische Aufreger sorgt dies im dritten Anlauf bestimmt nicht mehr. Jedoch drängen dadurch die wenigen besonderen Momente stark in den Vordergrund.

"Amundsen" erzählt das Wettrennen zum Südpol neu. Durch den Vocoder gesungen und von eisigen Synthiesounds begleitet, verbinden sich die Expeditionen von Scott und Amundsen zu einer subtilen Liebesgeschichte voller Respekt für die Leistung des anderen. In Form einer rührenden New Wave-Ballade reichen sich beide Abenteurer die Hand und teilen sich Proviant und Sieg im antarktischen Duell.

Überraschend vielschichtig ist auch das dunkle Junkie-Lied "Chihuahua", das mit schwermütigen Pianosamples und sehr direktem Text von den Wahnvorstellungen eines Drogenkranken erzählt. Ein polternder Bass mischt sich dabei mit einem Snarewirbel zur Basis für autobiografisch anmutende Zeilen, was auch nach mehrmaligem Hören ein drückendes Gefühl in der Bauchgegend hinterlässt.

So entrückt beide Beispiele im Kontext des durchwachsenen Albums wirken, so brillant würden diese in einem neuen Umfeld wirken. Das Konzept Rummelsnuff mag zwar langsam auserzählt sein, die musikalische Berechtigung bleibt jedoch bestehen.

Trackliste

  1. 1. Der Schrauber
  2. 2. Trägt die Woge dein Boot
  3. 3. Der Türsteher
  4. 4. Machen wir den Tanz
  5. 5. Amundsen
  6. 6. Himmelfahrt
  7. 7. Azzurro
  8. 8. Derbe Strommusik
  9. 9. Daddy Cool
  10. 10. In der Schweiz
  11. 11. Seemann
  12. 12. Eine kleine Ewigkeit
  13. 13. Chihuahua
  14. 14. Das ist die Liebe der Matrosen

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