laut.de-Kritik

Funktionieren die Rezepte der Achtziger noch?

Review von

Dumm und dämlich hat er sich verdient mit den fünf CDs seiner nonchalanten "American Songbook"-Reihe, endlich klingelte es wieder in Roddys Kasse. Verlernt hat der ehemalige Totengräber eigenes Songwriting nicht - aber 2013 haut er damit nicht richtig vom Hocker. Es sei denn, man steht auf den Rod Stewart der Achtziger.

Irgendwie scheinen es gute Tage für unerwartete Spätwerke zu sein. Nach Bowies Berlin-Nostalgietrip und Eric Burdons geglückter Wiederbelebung des klassischen Blues nimmt sich Rod die "Time", alte Rock-Attitüden wieder aufzugreifen. Im direkten Vergleich halten der ewige Thin White Duke und das räudige Animals-Tier allerdings mehr Asse in der Hand.

"She Makes Me Happy" führt vom Start weg zurück in dudelsackselige "Rhythm Of My Heart"-Eighties, und dort verbleibt das Album nahezu für die gesamte Spieldauer. Kleine Ausnahmen finden z. B. in Form von "Live The Life", das sich deutlich hörbar an den Seventies-Hit "Maggie May" anlehnt. Doch auch da hat längst der Pop das Kommando übernommen, quillt aus allen Ritzen und lässt echtem Rock keine Luft mehr zum Atmen.

Das dynamische und mit eingängiger Hookline versehene "Can't Stop Me Know" zählt trotz seiner gestrigen Attitüde zu den Highlights. Weil Rod hier mit rundum geglückten Songwriting den Beweis antritt, dass die Rezepte der Achtziger noch funktionieren. Dazu bedarf es allerdings eines wirklich überdurchschnittlichen Songs. Nur ein Cover findet sich unter den zwölf Tracks: Tom Waits' "Picture In A Frame" gefällt als unaufgeregte und schlicht arrangierte Neuinterpretation. Bei der allerdings auch hier mehr eine American Songbook-Auffassung durchschimmert als echt gefühlter Blues.

Als überflüssig empfindet man den zahnlosen "Do Ya Think I'm Sexy"-Aufguss "Sexual Religion", dessen stumpf stampfende Beats einen Dancefloor beschallen, dem längst alle Tänzer abhanden gekommen sind. Der Rückblick auf die erste Liebe gestaltet sich in "Brighton Beach" zwar träumerisch-verklärt, aber kaum wirklich berührend. Gut einsetzbaren Grillparty-Pop bietet der "Beautiful Morning".

Tadellos die Produktion, die sämtlichen Nummern ein transparentes Soundoutfit verpasst. Viel akustischer Einsatz statt überladener Arrangements beschert feinen Hörgenuss. Was indes gänzlich fehlt, ist echter Biss.

Trackliste

  1. 1. She Makes Me Happy
  2. 2. Can't Stop Me Now
  3. 3. It's Over
  4. 4. Brighton Beach
  5. 5. Beautiful Morning
  6. 6. Live The Life
  7. 7. Finest Woman
  8. 8. Time
  9. 9. Picture In A Frame
  10. 10. Sexual Religion
  11. 11. Make Love To Me Tonight
  12. 12. Pure Love

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2 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    Hallo Arthur,

    rythm of my heart ist eines meiner absoluten Lieblingsliedern von Roddie. Bei dir hat sich hier ein kleiner Fehler eingeschlichen. Das Lied ist auf dem Album "Vagabond Heart" von 1991 mit drauf deshalb irritiert es mich etwas dass du von 80er Sound sprichst... Von der Aufmachung her klingt es für mich schon eher nach den 90ern wie auch das komplette Album. Ich bin also leicht irritiert...

  • Vor 6 Jahren

    Ich muss dem Swingmaster recht geben, 'Rhythm' (auch eines meiner vielen Lieblingslieder) klingt alles andere als nach 80ern.