laut.de-Kritik

Die richtige Frage lautet doch wohl eher: Warum?

Review von

Der Mann ist eine lebende Legende, kein Zweifel. Doch auch ihm ist nicht alles erlaubt. Während Beatles-Kollege Paul McCartney das längst eingesehen hat, mit altem Material tourt und das Studio für experimentelle Ausflüge aufsucht, versucht sich Starr alle paar Jahre an einem neuen Album. Die Vorgehensweise ist immer dieselbe: Ein paar Texte, ein paar Songideen und ein Haufen Kumpels, mit denen man ein bisschen Spaß haben kann.

Natürlich muss nicht immer alles todernst zugehen. Es gibt viele Wege, die zu einem guten Album führen. Doch Starr hat sie längst alle vergessen. Noch schlimmer: Je älter er wird, desto mehr verirrt er sich. So klampft zwar Joe Walsh von den Eagles im Opener, doch bis auf den Zwei-Finger-Riff gibt es nur eine fade Rhythmusgruppe und langweilige Keyboardsounds.

Das ist erst der Anfang des Grauens. "Peace Dream" ist die ungewollte Karikatur von John Lennons "Imagine". "Last night I had a peace dream … The world was a better place for you and me ... Don't need no war no more. Better things we are fighting for. No more hunger, no more pain. I hope I have that dream again." gaukelt uns Starr vor. Das hat selbst Nicole glaubwürdiger hingekriegt.

"The Other Side Of Liverpool" – Co-Autor Dave Stewart – dürfte von Starrs letztem Album "Liverpool 8" übrig geblieben sein. Mit seiner angefunkten Gitarre verschafft es den Ohren eine verhältnismäßige Linderung, bevor die Schnulze "Walk With You" zum ersten verzweifelten Griff zur Axt führt. Ob Paul McCartney die Abmischung dieses Stücks gehört hat, in dem er im Refrain mitsingt? Hoffentlich nicht, sonst will er mit seinem ehemaligen Schlagzeuger nichts mehr zu tun haben.

Wer keine Axt zur Hand hat und vor lauter Ekel gelähmt ist, sollte sich vom weiteren Verlauf nichts erwarten. Ein keyboardlastiges Stück wie "Mystery Of The Night" war selbst in den 80er Jahren unhörbar. Da wünscht man sich schon fast Dieter Bohlen als Produzent. Wobei sich die Frage stellt, ob Starr bei DSDS die Castings überstehen würde. Eher nicht.

Wie es geht, beweist Joss Stone im abschließenden Stück, das mit seinem Rock'n'Roll als einziges die Zwei-Punkte-Marke knapp überschreitet. Stellvertretend für das Album steht der Titeltrack, eine Abkupferung des ohnehin nicht glorreichen Gassenhausers "Ghostbusters" aus dem Jahr 1984. Zeitlos trifft die Angelegenheit nur halb auf den Kopf - zeitlos veraltet schon eher.

"Warum nicht?" fragt uns Starr im Titel. Die Antwort trägt der Wind. Einer, der gerade über den Friedhof der Popmusik geweht ist.

Trackliste

  1. 1. Fill In The Blanks
  2. 2. Peace Dream
  3. 3. The Other Side Of Liverpool
  4. 4. Walk With You
  5. 5. Time
  6. 6. Everyone Wins
  7. 7. Mystery Of The Night
  8. 8. Can't Do It Wrong
  9. 9. Y Not
  10. 10. Who's Your Daddy

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3 Kommentare

  • Vor 8 Jahren

    Also ich fühle mich von dem Schreiber dieser "Kritik", Giuliano Benassi, persönlich beleidigt. Mir gefällt das neue Album von Ringo sehr, ich möchte fast sagen: es ist sein Bestes. Bei Ringo ist es wie bei einem Wein, je älter desto besser. Was hier Ringo mit seinen 7o Jahren vollbringt ist eine große musikalische Leistung. Das soll ihm erst einer nachmachen. Und Paul McCartney ist bestimmt glücklich und stolz darüber, dabei gewesen zu sein.
    Mein Rat: selbst anhören und sich von Ringo überzeugen lassen und unbedingt die unsachlichen Worte von Benassi links liegenlassen, am besten den unkompotenten Mann ganz vergessen.

  • Vor 8 Jahren

    @derachteplanet (« Also ich fühle mich von dem Schreiber dieser "Kritik", Giuliano Benassi, persönlich beleidigt. »):

    Persönlich beleidigt? Das kann ich besser: yaggediyagg, du altes Penisgesicht!

  • Vor 6 Monaten

    ich selbst hab das Album und ich finde es überhaupt nicht so schlecht. Wenn man Pauls Firmann Album Electric Arguments anhöhrt muss man sagen: Ringo Starr´s - " Y Not" ist um längen besser. Auf Geht´s Ringo, Du hast es immer noch und ein neues Album ist doch bestimmt schon wieder in Planung