laut.de-Kritik

Scheiß doch auf Trends.

Review von

Die Feuersbrunst am aggressiv-offensiven Cover-Artwork und der schnittige Bandschriftzug kündigen es bereits an: für die geübten Stahllauscher gibt's hier mit Sicherheit nix Samtweiches, sondern nur viehisch schnellen, bodenständigen und vor allem arschtruen Thrash Metal der puristischen Prägung. Dem angepissten Geschwader aus dem Rheinland bleiben auch wenig Ausweichmöglichkeiten, den Purify steht nun mal für rifflastigen Teutonen-Terror, und den fabrizieren die Jungens seit mehr als zehn Jahren. Durch unzählige Line-Up bzw. Nebenprojekt-Probleme ist halt leider auch genau so viel Zeit ins Land gezogen, bis mit "Hellophile" endlich das Debütalbum um die Ecke knarzt.

Hat damals tatsächlich kein Hahn mehr nach Thrash Metal gekräht, haben die Purify-Jungs heute das Glück, dass alles, was auch nur im Entferntesten alt klingt, wieder salonfähig ist. Das sollte aber keinesfalls die Qualität von "Hellophile" schmälern, denn im Quartett mit latenter "Fuck Off"-Attitüde befindet sich auch ein gewisser Michael Edele, besser bekannt als "Eddy, der Höllenwauwau", der seinen Viersaiter auf diesem Zwölf-Track-Mörser mindestens genauso herzhaft und derb malträtiert wie die Tastatur seines Stand-PCs im redaktionellen Alltag. Der Bass ist hier angenehmerweise auch nicht nur Beiwagen, sondern durch die nicht übermäßig drückende, aber ebenso wenig sterile Produktion des Esseners Chai Deveraux ein eigenständig hörbarer Rhythmuswegbereiter.

Den Edelstahl schmieden Purify betont rotzig und durchdringend. Modern Thrash Einflüsse sucht man hier vergebens, die Burschen wildern viel lieber bei Idolen der Marke Exodus, Testament oder Metallica (die riffen vor allem bei "Deaf, Dumb, Blind" am geistigen Auge vorbei) und auch wenn der Schädelspalter "Why?" auf halber Strecke ein herzhaft intoniertes "Slaaaayeeer" zum Besten gibt, merkt man Sänger Tobias Mönch durch die häufig eingesetzten Grunzer deutlich an, dass er sich vor allem im bleischweren Todmetall-Bereich pudelwohl fühlt.

Das Prädikat "wertvoll" verdient auch der Großteil der textlichen Ausrichtung. Den üblichen Szene-Klischee-Mumpitz lassen Purify meist außen vor und konzentrieren sich darauf, allgegenwärtige Probleme wie hirnlosen Rassismus ("Klan Of Hate"), dummdreiste Trendanbiederungen ("MTV") oder die europaweit grassierende Bestechlichkeit ("Corruption") anzuprangern.

Zwischen all den lyrischen Gedanken vergessen Purify glücklicherweise nicht darauf, uns amtliche Akustikbretter vor den Latz zu knallen. Neben dem hektischen Powerdrumming von Wink Hänger ergeht sich vor allem Gitarrist und letztes verbliebenes Gründungsmitglied Guido Holstein gerne in genretypische Solowixereien, die sich gut in den jeweiligen Songkorpus einfügen. Trotz der drückenden Thrashsalven und zahlreich eingesetzter Groove-Elemente (etwa beim unwiderstehlichen Riff-Rocker "Next") fehlt es "Hellophile" aber an Abwechslung und – ja, sprechen wir es doch aus – Ideenreichtum. Die wirklich Großen der Szene können Purify vorerst nur beschnuppern, aber Jungs – da steckt 'ne Menge Potenzial drin. Weiterholzen!

Trackliste

  1. 1. Collateral Damage
  2. 2. God's Bitch
  3. 3. Make My Day
  4. 4. Why?
  5. 5. Next
  6. 6. Klan Of Hate
  7. 7. Deaf, Dumb, Blind
  8. 8. Psychopath
  9. 9. MTV
  10. 10. Not In My Name
  11. 11. Gravity Kills
  12. 12. Corruption

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