laut.de-Kritik

Die Altmeister sind wütend.

Review von

"1989!" So läuteten Public Enemy vor über 30 Jahren ihre ikonische Rap-Revolution "Fight The Power" ein. Zusammen mit ihrem Meilenstein "Fear Of A Black Planet" politisierte die Formation den Hip Hop und prangerte den Rassismus in den USA an, womit sie sich zu einem Sprachrohr der schwarzen Community entwickelte.

Drei Dekaden später reicht ein kurzer Blick über den Atlantik, um eine niederschmetternde Bilanz zu ziehen: "Fight The Power" besitzt heute noch ebenso viel Relevanz und Dringlichkeit wie damals. Dass Public Enemy ihre Hymne auf dem 15. Studioalbum "What You Gonna Do When The Grid Goes Down?" neu auflegen und es nun "The year is 2020!" heißt, lässt einen verzweifeln.

Bei der Formation selbt macht sich das aber nicht bemerkbar. Frontmann Chuck D bellt seine Verse noch immer so bissig und pointiert, als hätte er einen Lautsprecher verschluckt und auch der Sound der Platte marschiert mit einer grimmigen Mischung aus Boom Bap, Crossover und Funk voran. Dabei sorgen nicht nur die Beats für Nostalgie, auch die lange Gästeliste bringt viele Größen einer Ära wieder zusammen.

Unter anderem schauten Cypress Hill, Run DMC, Nas und die verbliebenen Beastie Boys Ad Rock und Mike D im Studio vorbei. So gerät "What You Gonna Do When The Grid Goes Down" auch zu einem Stelldichein hochdekorierter Genre-Veteranen.

P-Funk-Legende George Clinton, auf dem Hip-Hop-Zeitstrahl selbst ganz am am Anfang, eröffnet das Album dazu passend, indem er die Störsignale aus dem Äther mit einem Gitarrenlick und raunender Stimme durchdringt: "What You Gonna Do When The Grid Goes Down?" Mit Grid ist hier das Internet gemeint und für dessen Ausfall prophezeien Public Enemy apokalyptische Zustände. Der Sound der alten Meister trifft auf moderne Gesellschaftskritik und das Zusammenspiel funktioniert blendend.

In dem anschließenden "GRID" spinnt Chuck D diese Vision zusammen mit Cypress Hill weiter. Die Generation Instagram bekommt zu einer hibbeligen Bassline auf dem Clap-Beat ein Schreckensszenario vorgesetzt: Bücher und Stifte statt Apps und Smartphones. Dieses Plädoyer für mehr analoges Miteinander mag zwar so gestrig wirken wie der Beat, auf dem Public Enemy es vortragen. Weniger Bildschirmzeit und mehr Funk bleibt aber immer ein guter Deal.

Die obligatorische Abrechnung mit Donald Trump, den Chuck D hier schlicht als "POTUS" (President Of The United States) oder "45" für den 45. Präsidenten der USA bezeichnet, folgt mit "State Of The Union (STFU)", wo DJ Premier kongenial Beastie-Boys- und Run-DMC-Samples in einen Beat von The 5th Dimension aus den 70ern übergehen lässt. Dabei kommt ein Old-School-Banger heraus, bei dem Chuck D kein Haar des Präsidentenschopfes auf dem anderen lässt, kreative Wortschöpfungen wie "Ass Debater" und "Real Estate Bozo" inklusive.

Mit der Neuauflage "Public Enemy Number Won" findet schließlich das Klassentreffen zusammen mit Rund DMC und den Beastie Boys statt. Die im Vergleich zum Original deutlich massiger produzierte Version mit dem markanten Synthie-Sample gibt den Beteiligten Anlass zur Retrospektive. Während Mike D und Ad Rock im Intro humorvoll auf das Jahr 1985 zurückblicken, reflektiert DMC in seinem Part seine langjährige Alkoholsucht. Die Neuauflage entwickelt sich mit einem Mix aus Schwelgen und Aufarbeitung zu einem relevanten Zeitzeugnis.

Deutlich ungelenker geht das leider auf dem enervierenden "Yesterday Man" vonstatten, das mit ziellosen Gitarren aufs Zwerchfell drückt, während Chuck D und Daddy-O die Welt nicht mehr verstehen. "Bruce Jenner turned to fem / What happened?" heißt es an einer Stelle. Eine Geschlechtsumwandlung sollte 2020 kein Aufreger mehr sein. Die überzogene Fassungslosigkeit wirkt über den ganzen Track dann doch zu plump.

Zusammen mit Ice-T und PMD leisten Public Enemy auf "Smash The Crowd" aber Wiedergutmachung und zeigen, wie Crossover richtig geht. Der Anheizer rollt mit viel Groove und einem scharf gewürzten Gitarrenriff über die Bühne und lässt die MCs zur Bestform auflaufen.

In ebendieser zeigt sich Chuck D auch auf "Toxic". DJ Lord lässt den trockenen Beat immer wieder über sich selber stolpern, was D mit seinen Vocals wieder auffängt: "Looks like 45 done lied again / Grabbin' planets, territories / Not to mention women / Those who voted this POTUS / Killin' kin for the win / Citizens sufferin' / While he be ballin'." Lyrisch wie technisch bewegt sich Chuck D auch mit 60 noch auf höchstem Level.

"What You Gonna Do When The Grid Goes Down" bleibt ein Spätwerk voller Reminiszensen an frühere Großtaten, an die Public Enemy problemlos anknüpfen können. Es sollen aber nicht die Neuauflagen alter Klassiker sein, die die Flagge der Gruppe hochhalten, sondern vor allem die neuen Songs, die sich nicht an moderne Trends anbiedern und eine Hip-Hop-Ära auch heute noch würdevoll repräsentieren. Mit ihren Inhalten bleiben sie diesen Zeiten ohnehin unverzichtbar.

Trackliste

  1. 1. When The Grid Goes Down feat. George Clinton
  2. 2. Grid feat. Cypress Hill & George Clinton
  3. 3. State Of The Union (STFU) feat. DJ Premier
  4. 4. Merica Mirror feat. Pop Diesel
  5. 5. Public Enemy Number Won feat. Mike D, Ad-Rock & Run-DMC
  6. 6. Toxic
  7. 7. Yesterday Man feat. Daddy-O
  8. 8. Crossroads Burning (Interlude) feat. James Bomb
  9. 9. Fight The Power: Remix 2020 feat. Nas, Rapsody, Black Thought, Jahi, YG & Questlove
  10. 10. Beat Them All
  11. 11. Smash The Crowd feat. Ice-T & PMD
  12. 12. If You Can't Join Em Beat Em
  13. 13. Go At It feat. Jahi
  14. 14. Don't Look At The Sky (Interlude) feat. Mark Jenkins
  15. 15. Rest In Beats feat. The Impossebulls
  16. 16. R.I.P. Blackat
  17. 17. Closing: I Am Black feat. Ms Ariel

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10 Kommentare mit 26 Antworten

  • Vor 12 Tagen

    Sound spricht mich mehr an, als erwartet, aber wie Chris schon erwähnt hat, ist Flave seit Dekaden eine Witzfigur und Chuck unhörbar.

    • Vor 12 Tagen

      Siehe mein Kommi zu Capsi, wenn man Chuck seit der frühen Jugend so kennt, hinterfragt man das überhaupt nicht mehr, würde nicht drauf komen bei ihm irgendwelche Technik-Skillz zu "verlangen". Finde seine Stimme hat dennoch eine Präsenz und er ist halt Legende.

      Es ist halt Chuck D, der die Wahrheit sagte, als die Lehrer logen. ;)

    • Vor 12 Tagen

      Kann man ja auch auch Nostalgie vllt verstehen. Aber wie der Reszensent auf "lyrisch und technisch höchstes Level" kommt... gerade das Zweitgenannte ist mir enigmatisch

    • Vor 12 Tagen

      Ja, das ist sehr fragwürdig, das stimmt. Aber ist halt laut.de. ;)

    • Vor 12 Tagen

      Weiß was du meinst und kann deine Sicht auch nachvollziehen, aber aus nostalgischen Gründen heißt ja auch immer ein Stück weit, dass es einem heute nicht mehr gefallen würde, wenn man keine Erinnerungen damit verbinden würde. Habe auch Respekt für PE, ihren Stellenwert usw, konnte mir das aber noch nie geben, weil ich es auch '96 schon wack fand ;)

    • Vor 12 Tagen

      Zugeben muss ich, dass er sich auf dem Premo Beat noch ganz gut verkauft, da trifft er zumindest den Takt und es wirkt weniger anachronistisch als der Rest.

    • Vor 12 Tagen

      Vielleist wack auch der falsche Ausdruck, aber wenn man mit Nas, Q-Tip und Biggie sozialisiert wurde, war es schwierig, dem Großteil der "alten Garde" wirklich etwas abzugewinnen. Natürlich gibt es da auch genügend Ausnahmen.

    • Vor 12 Tagen

      *Vielleicht ist

    • Vor 11 Tagen

      Bei mir waren es halt Run DMC, PE und Ice-T. ;)

      Bzgl. der Nostalgie bin ich bei Dir, auch wenn ich "Fear of a black Planet" damals wohl 2 Jahre in Dauerschleife auf dem Walkman gehört habe, würde das heute ohne die Fühls von damals gar nicht gehen.

    • Vor 11 Tagen

      Fear of a black planet habe ich sogar als Vinyl, genauso wie it takes a nation... Ich hate die ja auch nicht, ich kann mir das einfach nur nicht wirklich anhören ;)

    • Vor 11 Tagen

      Einschränkung, Flave ist natürlich eine absolute Witzfigur.

    • Vor 11 Tagen

      Wie gesagt, wenn man jetzt nicht mit den alten Legenden aufgewachsen ist, kann man sich heute höchstens noch Big Daddy Kane und Rakim geben.

      KRS One wird ja auch als Vorbild von etlichen öööh mittelalten Legenden gesehen, aber nee, lass mal!

  • Vor 12 Tagen

    Lauti hat für den Rest der Woche laut.de-Verbot, yo!

  • Vor 12 Tagen

    RIchtig schlecht und für alte Leute! Ich geh lieber diese Quavo pumpen! DIese CHuk d hat gar keine Rapskillz!

    • Vor 12 Tagen

      Außerdem inhaltich natürlich langweilig und realitätsfern. Jemand wie ich, der täglich mehrere Biatchezzzzzzzz wegdübelt, kann sich damit nicht idenzifieren!

    • Vor 12 Tagen

      entschuldigung, aber ich finde das ganz schön frech, wie du public enemy hier beleidigst. das würdest du dich nicht trauen, dass denen ins gesicht zu sagen. da wärst du plötzlich so klein mit hut und stiefeln. du bist nur ein trauriger internet-troll. ich weiß nicht, wie leute so viel zeit mit negativen emotionen verschwenden können. ich kenne diesen quavo nicht, werde aber mal reinhören, weil im gegensatz zu dir tue ich nicht leute einfach abstempeln. ich wette, du selber kannst nicht im takt rappen, machst hier aber auf erfinder des hiphop - peinlich. ich glaube auch nicht, dass du täglich mehrere „biatchezz“ „wegdübelst“ - DAS nenne ich realitätsfern. weil die frauen stehen nicht auf leute, die das internet mit hatespeech zu kleistern, das sage ich dir als frau. also ich bin die frau, nur damit keine missverständnisse aufkommen, du bist wohl ein mann, wenn auch ein ziemlich kläglicher.

      ich habe dich gemeldet und hoffe, dass dein account gesperrt wird, damit laut-de trollfrei bleibt.
      nichts für ungut, mit kritischen grüßen, sabse (2)
      mic drop, obama out!!!

    • Vor 12 Tagen

      Langweilige Ausrichtung

    • Vor 12 Tagen

      weiss nicht, wovon du sprichst. wüsste auch nicht, was ggf. meine sexuelle orientierung damit zutun hat... unter uns: welche ausrichtung hat den potential?

    • Vor 12 Tagen

      *denn, sch*, jetzt stehe ich idiotisch da! bin sonst der deutschen sprache mächtig, -smiley-

    • Vor 12 Tagen

      @sabse2 Wie du mir so, ich dir so! Hab dich auch gemeldet, bei Ordnungsamt Bielefeld West (represent)!