laut.de-Kritik

Als Soundtrack für heftige Partynächte eher ungeeignet

Review von

Pet Shop Boys. Punkt. Nightlife. Punkt.

Neil Tennant und Chris Lowe brauchten noch nie mehr als ein Wort für einen Albumtitel. Diesmal "Nightlife". Das Cover zeigt die Popmelancholiker in der U-Bahn sitzend in feinem Anzug und mit Perücke, ein wirres Styling als Einstieg in die Nacht. So auch der Opener "For your own good", eine gewagte Trance-Nummer, die gekoppelt mit Tennants Gesang nicht wirklich Wohlbefinden verbreitet und die Pole Position doch lieber abgegeben hätte. Aber an wen bzw. was? Das Album beinhaltet keinen richtigen Dance-Knaller. Na gut, "New York City Boy", das hektische Village People-Irgendwas, weswegen man schonmal das Radio leiser dreht, sobald es denn ertönt.

"Closer to heaven" ist midtempo (also keine Ballade und kein Wegwerfer!) und kommt dem Wunsch nach einer neuen Pophymne der Engländer schon ziemlich nahe. Aber nein, die Pet Shop Boys fahren nicht auf der Überholspur geschweige denn U-Bahn. Meistens fahren sie Bus. Mit einigen Haltestellen. Nummer Vier ist gar beinahe Endstation: Happiness ist bei den Pet Shop Boys keine warme Kanone sondern eine Option. Leider wenig vielversprechend. Bereits nach Sekunden wabert einkaufsradiokompatibler R&B mit TLC-verwandtem Frauengesang aus den Boxen, und was haben die bitte mit Nacht und vor allem mit Leben zu tun?

Aber der Innovationsnebel lichtet sich, die Band kriegt die Kurve und beweist mit "You only tell me..." und "Vampires", warum sie es soweit gebracht hat. "Radiophonic" ist wieder eine Kollaboration mit Rollo (u.a. Faithless-Produzent); diesmal gedeihen dessen zeitgemäße Dance-Beats wohliger als beim Einstiegssong. Beim nächtlichen Streifzug treffen wir netterweise noch auf Kylie Minogue im Song "In Denial". Im Vater-Tochter-Zwiegespräch unterhält sie sich mit Tennant unverblümt über Schuldgefühle in der Homosexualität. Auf jeden Fall ein gelungener Moment, doch Nightlife endet mit "NYC Boy" und dem seichten "Footsteps" leider unglücklich.

Wir lernen: Die temporeichen Partynächte finden ohne die PSB statt. Für wahre Nightife-Rekonvaleszenten sei die Scheibe empfohlen, während sie ihre verlorenen Sinne wieder zusammensuchen.

Trackliste

  1. 1. For Your Own Good
  2. 2. Closer To Heaven
  3. 3. I Don't Know What You Want But I Can't Give It Anymore
  4. 4. Happiness Is An Option
  5. 5. You Only Tell Me You Love Me When You're Drunk
  6. 6. Vampires
  7. 7. Radiophonic
  8. 8. The Only One
  9. 9. Boy Strange
  10. 10. In Denial
  11. 11. New York City Boy
  12. 12. Footsteps

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2 Kommentare

  • Vor 3 Jahren

    Dieses Album ist immer noch der absolute Tiefpunkt in der Karriere der Boys. Zumindest im Kontext ihres übrigen Catalogues. Nur Bilingual ist fast genau so lau. Nightlife verstaubt deshalb bei mir im Schrank. Und doch enthält diese Platte eines meiner PSP Lieblingslieder "you only tell me you love me....". Seit Release ist das Duo dann aber doch wieder in die höchste Popliga zurückgekehrt und überzeugt seit dem die Fans mit Alben wie "Super" zuletzt.

  • Vor 3 Jahren

    Die hätte schon nach "Go West" aufhören sollen...