Schon der Titel lässt das Beatles- und McCartney-Herz höher schlagen, denn den eigenen Namen hat der wohl einflussreichste Musiker der Pop-Geschichte nur für ganz besondere Alben verwendet. Oder besser für solche, die in besonderen Momenten in seinem Leben entstanden. Gemeinsam haben sie einen widrigen …

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  • Vor 9 Monaten

    War nie ein riesiger Fan von McCartney. Lag aber auch nur daran, daß er in Sachen "innovatives Songwriting" halt im Schatten Lennons stand. Er war aber stets einer der besten Genre-Songwriter überhaupt. Und im Gegensatz zu den meisten anderen alten Herren, experimentiert und spielt er noch immer wie ein kleiner Lausbub.

    Ich würde keine einzige Post-Beatles-Platte von ihm auflegen, aber freue mich jedes mal, wieder neue Songs von ihm zu hören. 4/5 gehen allemal klar!

    • Vor 9 Monaten

      "Ich würde keine einzige Post-Beatles-Platte von ihm auflegen" und "daß er in Sachen 'innovatives Songwriting' halt im Schatten Lennons stand" sagt mehr über deine Ignoranz aus als über das beeindruckende Lebens- inkl. Solowerk Maccas.

      ...und bevor du wieder etwas dämliches antwortest: wäge erstmal ab, dich zu löschen!

    • Vor 9 Monaten

      Wenn gerade Themenwochen sind, daß alles Positive überlesen wird, dann habe ich das leider nicht mitbekommen. Würde vieles erklären.

      Wenn nicht, erklär ichs wie gewohnt zweimal: Ich habe Macca gerade gelobt. Bloß weil er für die Harmonielehre weniger aufregend als der große Lennon ist, bedeutet das nicht, daß er kein großartiger Songwriter ist. Wie ich auch geschrieben habe.

    • Vor 9 Monaten

      Die Frage ist, wen es interessiert was jemand nicht auflegen würde, der gerade mal so eben einer von Millionen Hobby-Experten ist?

    • Vor 9 Monaten

      Ja, das hier ist wirklich der perfekte Ort für diese Frage.
      Nicht.

  • Vor 9 Monaten

    Damit hier auch was außer der Hirnschiss von Ragism steht:

    McCartney III ist, was sich viele von ihm schon länger - vielleicht seit Chaos and Creation in the Backyard - gewünscht haben. Purer Sound ohne Schnickschnack und Synthies, allerdings mit dünner Stimme. "Das Beste, was er seit langem geliefert hat" steht in vielen Fuilletons. Das stimmt, aber die Messlatte lag auch leider nicht mehr sonderlich hoch. Immerhin verzichtet Macca auf Texte wie Springsteen, der in seinem depressiven Spätwerk lediglich noch über zu schnell vergangene Zeit und den Tod sinniert. In Texten und Musik beweist Macca Mut zur Abwechslung. McCartney III ist überraschend in vieler Hinsicht, reinhören lohnt sich.

  • Vor 9 Monaten

    Werde das Gefühl nicht los, dass Sir George Martin und der Zeitgeist einen nicht zu unterschätzenden Anteil auf Maccas Songwriting hatten und haben. But let’s put first things first: Macca ist mein Held seit jungen Jahren und in seinem Schaffen für mich grundsätzlich unantastbar. Er hat in seinem Leben genug für mehrere Rockstars geschaffen und daher ist es a) bewundernswert, dass er im hohen Alter immer noch so aktiv und spiel-/experimentierfreudig ist, und b) lasse ich ihm als Fan seit längerem alles durchgehen. Vor ein paar Jahren war ich etwas geschockt wie seine Stimme nachgelassen hat und hatte Schiss, dass der Mann seinen eigenen Legendenstatus demontieren wird. Aber jetzt bin ich nur froh das er noch da ist!

    Zurück auf Anfang: Ich setze an beim letzen Song „When Winter Comes" – man merkt sofort, dass dieser etwas aus dem Rahmen fällt und sich erkennbar vom aktuellen Songwriting unterscheidet. Und genau das ist es, was ich heute an ihm vermisse: Die wirklich tollen Melodien, die hängen bleiben und aus sich selbst heraus die Kraft schöpfen sowie in coole Arrangements gebettet sind. Mir ist hier zu viel Elektronik und Wiederholung im Spiel. So als ob Macca sich ein Bisschen am Zeitgeist orientiert. Wenigstens benutzt er kein Autotune! :D
    Der Sound ist insgesamt aber auch unfassbar heftig komprimiert, klebt sozusagen an den Lautsprechern. Man merkt den Einfluss von Greg Kurstin, der sein letzten Album „Egypt Station“ produziert hat und hier auch auf dem Song „Slidin’“ mitgewirkt hat. Ja, genau der Greg Kurstin, der gerade 8 coole Covers mit Dave Grohl im Rahmen der „The Hanukkah Sessions“ veröffentlicht hat und auch das letzte Foo Fighters-Album „Concrete And Gold", als auch das aktuelle „Medicine At Midnight“ produziert hat. Aber das ist eine andere Story. ;)

    Sein Homerecording-Erstling „McCartney I" bleibt daher für mich unerreichbar. Die Songs entstanden damals teilweise zu Zeiten des legendären „Weißen Albums“, als die Beatles noch eine Band waren, und die Wechselwirkung mit den anderen Fab Four ist schwer zu ignorieren. Schade, dass dieser analoge, altmodische Sound wie auf "McCartney I" nicht mehr zu hören ist. Der war so pur, echt und rockig – genau das was ich geliebt habe. Zuletzt war davon noch etwas auf „Chaos And Creation In The Backyard“ zu hören. Das war dann wohl eher dem Ringen mit dem Produzenten von Radiohead, Nigel Godrich, geschuldet, das ihn vermutlich dazu gebracht hat.

    Daher meine Bitte an Paule: Falls du jemals „McCartney IV“ aufnehmen solltest, nimm doch einfach nur deine Gitarre/deinen Höfner Bass, such dir ein paar schöne Songs aus die dich nicht anstrengen, und lass Rick Rubin ein paar fähige Musiker finden, die dir die Bälle zuspielen. So ein Bisschen wie seinerzeit bei Johnny Cash. Ach was, du diskutierst schon mit Rick? Genial, da freu ich mich doch wie ein Schnitzel drauf! :)

    • Vor 9 Monaten

      Der Sound ist mir auch negativ aufgefallen. Der rumpelige Charme wird durch die Kompression und den recht höhenlastigen Mix förmlich an die Wand gefahren. Komische Mischung aus "modern" und "retro".

    • Vor 9 Monaten

      Wunderbarer Text, der es ziemlich gut trifft. Bei Rick Rubin bin ich unsicher, weil er auch sehr gerne mal gutes Material verhunzt. Nigel Godrich oder ein anderer, ähnlich experimentierfreudiger Produzent paßt besser zu ihm.

      Ich weiß, was Du mit übertriebener Kompression meinst. Damit muß aber nicht unbedingt der Produzent etwas zu tun haben. In den 60ern-70ern wurden die Tracks auch gerne mal enorm komprimiert. Diese Wurst-Waveforms können oft erst im schlechten, lieblosen Mastering passieren. Ich weiß aber ungefahr, was Du meinst, und stimme zu. Mit einem Mix oder Master, der weniger offensiv ist, wäre es viel aufregender zu hören.

    • Vor 9 Monaten

      Ich meine, aus einigen seiner background-Vocals sogar pitch correction aka autotune rauszuhören. Und teilweise experimentiert er auch ganz zeitgemäß mit absichtlich übetriebener pitch correction als Effekt (z. B. "How does it feel?" bei Deep Deep Feeling).

      Der Sound des Albums insgesamt gefällt mir. Sehr modern, und der Mix ist einfach sehr gut (insszeniert die einzelnen Instrumente sehr gut entsprechend ihrer Rollen im Klangbild). Und McCartney II schätze ich auch dafür, dass es mit seinem Sound sehr am Zeitgeist war, warum also nicht auch McCartney III.

      Aber bei "When Winter Comes" merkt man tatsächlicher, dass er als Songwriter abgenommen hat. Am drastischsten lyrisch – das hat sich eh schon seit einigen Jahren zu McCartneys größter Schwäche entwickelt. "When Winter Comes" beschreibt ein Gefühl so indirekt, wie es ein Mensch tun würde – denn niemand, der gerade fühlt, spricht reflektiert über das Gefühl. Der Erzähler in "When Winter Comes" spricht authentisch, wie ein Mensch sprechen würde, aber bringt dabei nebenbei unglaublich gut ein ganz bestimmtes Gefühl und eine bestimmte Lebenssituation rüber.

      Die anderen Texte auf dem Album sind selbst-wissend: Der Erzähler in "Deep deep feeling" weiß, dass er gerade auf der Metaebene über Liebe singt. Der Erzähler in Seize the Day weiß, dass er dem Hörer eine Message erzählen will. Der Text in Lavtory Lil will so sein wie vergleichbare Songs aus den 60ern. Das positivste Beispiel für einen Text ist ansonsten noch "Pretty Boys", das immerhin nicht ganz mit der Tür ins Haus fällt und eine etwas interessante Perspektive einnimmt, dafür das Paul McCartney es geschrieben hat.

      Aber auch musikalisch hast du völlig Recht: Die Melodie und die Harmonien in When Winter Comes sprechen für sich selbst und fühlen sich nicht-konstruiert, aber auch nicht-trivial an. Das gab es von McCartney in dieser Leichtigkeit schon lange nicht mehr.

      Das Album McCartney III kann also gemessen an McCartneys Lebenswerk nicht wirklich mithalten, ist aber im Jahr 2020 trotzdem ein überdurchschnittlich gutes Album. 4/4 absolut gerechtfertigt.

    • Vor 9 Monaten

      Kleine Anmerkung: Autotune wird auch sicher hier benutzt worden sein, nur eben in seiner eigentlichen Anwendung - kritische Gesangsstellen etwas nachzujustieren.

  • Vor 9 Monaten

    Kleine Anmerkung: Autotune wird auch sicher hier benutzt worden sein, nur eben in seiner eigentlichen Anwendung - kritische Gesangsstellen etwas nachzujustieren.

  • Vor 9 Monaten

    Fantum hat auch eine spirituelle Komponente, die man nicht unterschätzen sollte.

  • Vor 9 Monaten

    Hatte anfangs damit gerechnet, dass das Album durch die Kritik etwas überbewertet wurde, weil es eben Paul McCartney ist. Tatsächlich schafft er es aber, sich immer noch neu zu erfinden. "McCartney III" knüpft tatsächlich an den ersten Teil der Trilogie an und zeigt, was Sir Paul allein zuhause immer noch zu Reißen imstande ist. Das Ergebnis ist ein stellenweise experimentelles und vielseitiges Album, das dennoch immer zugänglich bleibt. Er war auch aus meiner Sicht immer der innovativste und musikalisch fähigste Ex-Beatle, auch wenn er oft durch seinen Kollegen Lennon in den Schatten gestellt wurde und im Vergleich zu diesem oft naiv bzw. brav wirkt.

    • Vor 9 Monaten

      Puh, schwer auszumachen, wer der fähigste Pilzkopf war. Jeder war an seinem Instrument absolute Weltklasse, und da sind Skills schon kaum vergleichbar. In Sachen Songwriting sehe ich Lennon eine kleine Idee über McCartney, vor allem was ungewöhnliche Chord Progressions und Eigenständigkeit angeht. Paul war bem Schreiben vermutlich etwas vielseitiger (Innovatives wüßte ich da spontan aber nichts), in vielen Genres bewandert und hatte eine fantastische Singstimme.

      Wen auch immer man favorisiert - über die anderen würde sich keiner beschweren. Wäre Jammern auf dem höchsten denkbaren Niveau ;)

  • Vor 7 Monaten

    "McCartney III" ist keine Enttäuschung. Ich war gewarnt. Alle Rezensenten der großen Zeitungen und Magazine haben das Album über den grünen Klee gelobt. Warum? Nun, er habe sich wieder neu erfunden. Keiner der Songs sei wie der andere. Langeweile käme nicht auf.

    Das stimmt auch. Aber genau das stört mich. Es ist kein klanglich homogenes Album. Ein selbstbewusster Produzent fehlt. Die letzte Produktion in diesem Sinne war "Chaos And Creation In The Backyard" von Nigel Godrich.

    Wie bei den beiden Vorgängern "New" und "Egypt Station" klingt aus vielen Songs McCartneys Hang, irgendwie trendy, zeitgeistig oder angestrengt experimentell zu klingen. Das kann man beklagen, wie ich hier. Letzten Endes ist es natürlich müßig. Ein echter Künstler macht, was er machen muss. Im Sinne von, seinem inneren Antrieb folgen.

    Schade finde ich auch, dass McCartney das dramatische Schwinden seiner Stimme nicht stört. Der Anspruch, mit Jüngeren mithalten zu können, wird dadurch umso mehr konterkariert. Wie sehr vermisst man auch in diesem Kontext die korrigierende Hand eines Produzenten. Ich denke dabei an Rick Rubin, der mit Johnny Cash ein würdiges Alterswerk geschaffen hat.

    Extrem auffällig wird die Diskrepanz zwischen dem alten und dem jungen McCartney bei dem letzten Stück des Albums "When Winter Comes". Der Song stammt aus den Aufnahmen zu "Flaming Pie" aus den 90er Jahren. Ein kleines Juwel. Aber auch deprimierend, weil der Abschwung deutlich wird.

    Ein Letztes noch. Der häufige Vergleich mit den Alben "McCartney" und "McCartney II" ist eigentlich unangebracht. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass die Stücke alle ausschließlich vom Meister selbst eingespielt wurden. Eine musikalische Gemeinsamkeit lässt sich nicht feststellen.

    • Vor 7 Monaten

      "Schade finde ich auch, dass McCartney das dramatische Schwinden seiner Stimme nicht stört."

      Was sollte er auch tun? Ist die Akzeptanz nicht die gesündeste Strategie hier? Und so schlimm klingt seine Stimme ja wirklich nicht. War sogar positiv überrascht.

      "Der Anspruch, mit Jüngeren mithalten zu können, wird dadurch umso mehr konterkariert."

      Der Mann ist fast 80. Warum sollte er diesen Anspruch haben? De facto kann er nicht mit Jüngeren mithalten, und das muss er auch gar nicht.