laut.de-Kritik

Jedes Botox-Gesicht hat mehr Ausstrahlung als diese geliftete Produktion.

Review von

Der vierte Wurf von One Direction stürmt bereits vor der Veröffentlichung in 67 Ländern auf Platz eins der Charts. Kann man der Boyband übel nehmen, dass musikalische Parameter in den Hintergrund rücken, wenn man nichts tun muss für Fame und einen fetten Batzen Kohle? Die Antwort lautet: Ja!

Wobei das mit dem 'nichts tun' ja so auch wiederum nicht stimmt. Schließlich hat man abermals etwa einen Ed Sheeran sicherlich mit musikalischen Argumenten überzeugt, den Titel "18" für "Four" zu schreiben. Wie unser Konkurrenz-Magazin Bravo enthüllte, komponierte der Singer-/Songwriter den Track im Badezimmer. Nun, bei welcher Beschäftigung im Badezimmer kann man denn Gitarre spielen? Duschen und Zähneputzen fallen jedenfalls schon mal genau so raus, wie das kontemplative Schaum-Bad.

Wie bei jedem der zwölf Konfetti-Pop-Knaller reicht da ein perfider Vierer-Takt mit den üblichen vier Akkorden nach der Erfolgs-Rezeptur: "Vier gewinnt" und ein bisschen Effekt-Hudelei samt Emotionen aus dem Tetrapak und fertig ist das dampfende Häufchen. Dabei gaben sich Show-Größen im Studio die Klinke in die Hand: Neben Good Charlotte haben die Sunnyboys auch John Legend, Emeli Sandé und Naughty Boy sowie The 1975 für sich arbeiten lassen. Unklar nur, wer woran welchen Anteil hat, weshalb das name-dropping wohl auch nur als reine Promo beider Fraktionen zu verstehen ist: Kurz ein Selfie aus dem Studio tweeten (und #creditseintüten).

Sänger Niall Horan - ein weiterer fun fact - war indessen förmlich gezwungen die Füße hochzulegen. Wegen einer lästigen Knie-OP konnte er nicht bei der Schöpfung eines einzigen Hits mitwirken. Ein kleines Trostpflaster: Nach langwierigen Band-internen Entscheidungsfindungs-Schwierigkeiten setzte sich sein Namens-Vorschlag "Four" am Ende durch. Kollege und Schnösel-Komparse Zayn Malik war schon etwas näher dran, auch inhaltlich einen eigenen Beitrag zu leisten: Ganze drei Liedchen hat er ohne Hilfe zu Stande gebracht - leider schaffte keines davon den Weg aufs Album.

Fährt man sich aber "Night Changes" rein, das ungefähr den Charme eines animierten 175-Zoll Flat-TV-Kaminfeuers entfaltet, fragt man sich, wie Maliks Eigenwerke wohl klingen müssen, wenn sie sich da nicht einreihen können. Das Zahnpasta-Grinsen strahlt einem in jeder Note und jeder Silbe entgegen. Dabei hat das Botox-Gesicht von Mickey Rourke noch mehr Ausstrahlung als diese geliftete Produktion. Auf "No Control" bemühen Julian Bunetta und sein Produzenten-Team dann Surf-Rock à la Rooney, der schon im Original lediglich abgekupferten Cabriolet-Pop darstellt.

Aschfahl am Gaumen klebende Texte garnieren stets die schalen Harmoniefolgen, die in keiner Sekunde das Erwartbare übersteigen. Dennoch sollen Gitarren und Gesangschöre wie im theatralisch aufgeplusterten "Clouds" das Rock'n'Roll-Image der Simon Cowell-Schützlinge auf den Sockel heben, um sich mit drapierten Röhren-Jeans von vermeintlich Art-verwandten Boygroups abzugrenzen und ein bisschen rotzlöffeliger daherzukommen.

Aber auch das ist, wie alles auf "Four" reiner Zirkus. Mainstream muss nicht per se so schlimm sein. One Direction interessieren sich scheinbar aber noch weniger für ihre eigene Musik als ihre Fans. Da geht es eigentlich nur um das geschniegelte Haupthaar der Pop-Akteure.

Trackliste

  1. 1. Steal My Girl
  2. 2. Ready to Run
  3. 3. Where Do Broken Hearts Go
  4. 4. 18
  5. 5. Girl Almighty
  6. 6. Fool's Gold
  7. 7. Night Changes
  8. 8. No Control
  9. 9. Fireproof
  10. 10. Spaces
  11. 11. Stockholm Syndrome
  12. 12. Clouds

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20 Kommentare mit 48 Antworten

  • Vor 6 Jahren

    Lächerlich, wenn man dazu jeden "Funfact" von der Bravo Seite zieht. Vielleicht einfach noch einmal anhören, an die Zielgruppe, an die es gerichtet ist, denken und nicht so einen abartigen Dreck von sich lassen. Nur weil es den persönlichen Geschmack nicht trifft, sollte man nicht alles schlecht machen.

    • Vor 6 Jahren

      Nun ja, zielgruppenorientierte Rezensionen - wäre auch mal 'ne Maßnahme.
      Und platzsparend.
      "*kreisch* Die sind so supersüß!"
      Vielleicht noch eine kurze Erhebung zur Eisprung-Garantie, mehr braucht's nicht.
      Ich war ja richtig erschüttert, als ich nach dem zweiten Album gemerkt habe, daß es jede Menge Fanfiction zu dieser Band gibt. Wie krank oder hormongestört muß man sein, um Geschichten rund um eine reale Boygroup zu veröffentlichen ...!?
      Gruß
      Skywise

    • Vor 6 Jahren

      @Paranoid_Android:
      Gut, das verbuche ich mal unter "Merchandising" ... und bei Kiss oder bei anderen Leuten, die Wert auf eine fantastische Hintergrundgeschichte zu Band oder Album legen, wundert mich so was auch nicht (GWAR, Alice Cooper, Rob Zombie, etc.), aber von Fans ...?
      Gruß
      Skywise

    • Vor 6 Jahren

      dass die schwer einen am keks haben, ist sicherlich unstrittig.

    • Vor 6 Jahren

      Diese Fanfiction Geschichte treibt ja wirklich recht kuriose Blüten.

      Wie ich neulich gelernt habe, gibts anscheinend nicht wenige Anhänger der Teenie-Metzelei Hunger Games, die wahre Romane zur hoffentlich stattfindenen Liebelei der Hauptdarsteller (der Schauspieler wohlgemerkt, nicht der Rollen) verfassen.

      Hat auch irgenden abseitigen Namen das ganze.

    • Vor 6 Jahren

      @Paranoid_Android:
      Muß auch ein komisches Gefühl sein, wenn man das im Netz zu lesen bekommt ...
      "Der Morgennebel waberte vor dem Fenster. Nur mühsam arbeiteten sich die Sonnenstrahlen durch die weißen Schwaden, als Ulf Kubanke sich aus den Federn erhob und sich müde den bösen Anwaltshintern kratzend in Richtung Toilette begab, um dort dem Bier des Vorabends die Freiheit zu schenken."
      Hm!
      Gruß
      Skywise

    • Vor 6 Jahren

      @molten universe:
      Es gibt Augenblicke, da bekommt das kleine bißchen Restvertrauen in die Menschheit ziemlich üble Schrammen ab ...
      Gruß
      Skywise

    • Vor 6 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 6 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 6 Jahren

      Habt ihr schon verdrängt, was bei Robbies Ausstieg bei Take That passiert ist? Oder Sky, als die Beatles sich auflösten? ( :D )
      Bravo-Starschnitte in vollgekleisterten Teeniezimmern, auf deren Betten hormongeplagte Mädchen der unbeantworteten Schwärmerei für Star X nachschluchzen? Die werden auch irgendwann älter...

    • Vor 6 Jahren

      @Tinco:
      ... und schreiben heute als von Osteoporose und Cellullite geplagte Sechzig-plus-jährige Fanfiction über One Direction ...?
      Gruselige Vorstellung. Aber *ganz* gruselig.
      Und die Beatles werden irgendwann mal eine Reunion-Tour absolvieren, Du wirst schon sehen ...
      Gruß
      Skywise

    • Vor 6 Jahren

      mit elvis zusammen!

    • Vor 6 Jahren

      Wollen wir nicht gemeinsam einen Roman mit diesem Szenario verfassen? Würde sicher ein Instant Klassiker der Postmoderne werden...

  • Vor 6 Jahren

    Zuerstmal: Ich habe das Album noch nie gehört, wenn dann mal kurz das unsägliche `Steal my girl`im Radio. Was für ne abgrundtiefe Kacke. Auch den Rest des Albums stelle ich mir genau so vor. Nichtssagend und möchtegern teifgründig. Und sowas verkauft sich also am besten? Entschuldigung, aber dann möchte ich doch lieber keine Musik mehr hören. Adieu ihr llieben Charts als Kaufentscheidung.

  • Vor 5 Jahren

    Das ist komisch: ich dachte, ihr wolltet eine Review veröffentlichen. Die muss wohl irgendwo zwischen den vielen dummen Parolen verloren gegangen sein. Wirklich schade.