24. August 2007

"Das wird für viele Fans ein Schock!"

Interview geführt von

Seit Ende Mai 2007 weiß die Öffentlichkeit nun, dass die Schwedin Anette Olzon die neue Sängerin bei Nightwish ist. Seit wann die Sängerin selbst darüber informiert ist, wie sie damit umgeht und wie sie ihre Rolle in der Band sieht, erzählt sie dem laut.de-Redakteur am Telefon.Zwei Interviews an einem Tag zu führen, ist eigentlich nicht sonderlich ungewöhnlich. Und zwei Interviews mit der selben Band? In diesem Falle absolut verständlich, immerhin haben die Megaseller von Nightwish nach langer Suche endlich ihre neue Frontlady gefunden und stehen mit dem neuen Album "Dark Passion Play" in den Startlöchern. Grunde genug, nach einem informativen Gespräch mit Bandleader/Komponist/Keyboarder Tuomas Holopainen auch noch bei der neuen Sängerin Anette Olzon nachzuhören, wie der Einstieg verlief und was seit dem passiert ist.

Hey Anette, wie geht's dir.

Danke, gut. Und selber?

Ich kann auch nicht klagen. Ich hatte gerade erste ein nettes Interview mit Tuomas, und jetzt bist du dran.

Sehr schön, leg los.

Ok, dann erzähl mir doch erst mal, wie viele Interviews du schon gegeben hast, seit du auch offiziell die neue Sängerin bei Nightwish bist?

Oh Gott, keine Ahnung. Aber ein paar hundert waren es schon, hahaha.

Warst du auf so was vorbereitet?

Hm, natürlich habe ich gewusst, was damit auf mich zukommt, aber so lange man noch nicht in der Situation drinsteckt, sieht man das alles erst einmal deutlich lockerer. Mir war schon klar, dass da einiges an Arbeit und an Medieninteresse auf mich zukommt, aber das es sooo viel ist, hahaha.

Dachte ich mir doch. Aber erzähl uns bitte einfach mal etwas über deine Vergangenheit. Was hast du vor Nightwish denn schon alles gemacht?

Eigentlich habe ich davor ein ganz normales Leben geführt, was sich nun wohl auch erledigt hat, hahaha. Ich hatte einen Fulltime-Job, allerdings nicht im Musicbiz und habe nur nebenher ein wenig Musik gemacht, bis sich das Gleichgewicht immer mehr in Richtung Musik verschoben hat und ich damit mein Geld verdient habe. Das lief dann so ab, dass ich in diversen Bands gesungen habe, sowohl Coverbands, als auch solche mit eigenen Songs. Auch als Studiomusiker, im Chor, auf Hochzeiten oder solchen Sachen war ich hin und wieder dabei – echt alles mögliche. Es fühlt sich so an, als ob ich schon jede Menge gemacht und erlebt hätte. Ich fühle mich sehr, sehr alt, schluchz ...

Also ich bitte dich. Tuomas sagte, du seist jetzt 36?

Das ist richtig. Aber wenn ich einfach mal auf das zurückblicke, was ich bisher getan habe, dann denke ich nur: 'Ohhhh', hahaha.

Ach was, du bist nicht alt. Du hast einfach nur jede Menge Erfahrung. Das ist ein riesiger Unterschied! Zumindest rede ich mir das selber immer ein ...

Jahaha, ich denke, dass du damit recht hast. Aber klar, ich habe jede Menge Erfahrungen gesammelt, und ich denke, das hat mir bei Nightwish auch sehr geholfen.

Mit Sicherheit, aber wie weit reichen deine Erfahrungen denn in Sachen Metal?

Wenn ich ehrlich sein soll, sind die noch nicht sonderlich ausgeprägt. Ich hab bisher nur bei einer einzigen Metal Band ein paar Backing Vocals gemacht. Meist war das eher Melodic Rock und Rock'n'Roll. Aber ich werde von den Jungs nach und nach in den Metal eingeführt und was ich bisher kennen gelernt habe, gefällt mir sehr.

Hast du eigentlich Musik studiert, oder wie bist du zum Gesang gekommen?

Also ich war jedenfalls auf keiner Uni oder etwas ähnlichem. Allerdings hab ich schon früh damit begonnen, Gesangsunterricht zu nehmen. Prinzipiell hatte ich aber das Glück, mit einer recht guten Stimme geboren worden zu sein und musste diese eigentlich nur noch ein wenig trainieren und weiter ausbilden.

Spielst du auch ein Instrument oder singst du nur?

Ich hab früher mal acht Jahre lang Oboe gespielt und kann ein paar Sachen auf dem Klavier und vielleicht noch an der Gitarre. Das hält sich aber in engen Grenzen, hahaha.

Schreibst du denn überhaupt selber Songs und wenn ja, wie bringst du dich da ins Songwriting mit ein?

Nun, ich schreibe natürlich viele Texte und schreibe durchaus auch selber Songs. Aber im Großen und Ganzen sehe ich mich doch nicht unbedingt als Songwriter an. In erster Linie bin ich Sängerin, kann mich ins Songwriting aber natürlich schon allein dadurch einbringen, dass ich ein paar Gesangslinien schreibe und vorschlage. Tuomas schreibt bei Nightwish natürlich die Musik und die Texte, aber wenn wir mit Marco zusammen proben, dann kann ich auch immer ein paar eigene Ideen mit einbringen.

Dir macht das also nichts aus, dass dir Tuomas quasi die Musik, Texte und Gesangslinien mehr oder weniger fertig vorlegt?

Nö, überhaupt nicht. Er weiß ja schließlich perfekt, was er da macht. Ich bin wirklich der festen Überzeugung, dass Tuomas ganz besondere Musik macht. Ich habe noch nie das Gefühl gehabt, dass ich irgendetwas an seinen Kompositionen oder Ideen verbessern müsste. Was er macht, ist einfach großartig, weswegen in ja auch so sehr in die Band reinwollte.

"Ich werde in den Metal eingeführt"


Bei den alten Songs sieht das aber anders aus. Laut Tuomas hast du da so viel Interpretationsfreiraum, wie du willst. Das liegt wohl vor allem daran, dass sich deine Stimme von Tarjas doch sehr unterscheidet.

Ja, auf jeden Fall! Und ich bin auch sehr froh, dass sich Tuomas und die anderen dazu entschlossen haben, mir bei der Interpretation der alten Songs vollkommen freie Hand zu lassen. So kann ich die Sachen wirklich auf meine Art singen und muss mich dabei nicht ständig irgendwie verstellen. Die Fans werden sich natürlich auf einige Veränderungen einstellen müssen, aber anders wäre ich kaum in der Lage, die Songs glaubhaft zu interpretieren. Das wird zunächst vielleicht für einige ein Schock sein, aber ich habe nie versucht, Tarja zu kopieren. Innerhalb der Band war von Anfang an klar, dass sie keinen Tarja-Klon haben wollten, sondern eben jemanden mit meiner Art Stimme.

Zurück zum Thema Metal. Wenn du damit nicht sonderlich viel am Hut hast, wessen Idee war es denn, dich für Nightwish zu bewerben?

Das war eigentlich die Idee eines Tontechnikers, mit dem ich zu dem Zeitpunkt gerade zusammen gearbeitet habe. Er meinte nur: "Hey, weißt du, dass die keine Sängerin mehr haben? Du solltest dich da unbedingt bewerben". Und ich dacht mir nur: "Ooookeeeeee, die singt klassisch ... was soll's ich versuch’s einfach mal". Ich habe also einen ihrer Songs auf meine Art und Weise gesungen und mir gar keine großen Hoffnungen gemacht. Allerdings habe ich auch die Einstellung, dass man immer was Neues ausprobieren sollte. Man weiß nie, was passiert, und in solchen Fällen hat man ja eigentlich nichts zu verlieren.

Wie oft hast du dich denn mit der Band getroffen, bevor sie dir tatsächlich mitgeteilt haben, dass du dabei bist?

Insgesamt nur zweimal. Das erste Mal war nur für ein paar Tage, als wir sechs alte Songs geprobt haben und ich im Studio ein paar Sachen von dem neuen Material zur Probe eingesungen habe. Beim zweiten Mal sind wir auf die Insel gefahren, auf der Tuomas wohnt und haben dort einfach ein wenig Zeit zusammen verbracht, um zu sehen, wie wir uns vertragen. Da gab es dann auch eine Fotosession und wir haben noch ein wenig mehr von den neuen Sachen aufgenommen.

Und wie lang haben sie dich danach noch zappeln lassen, ehe sie dir gesagt haben, dass du die neue Sängerin bist?

Lass mich überlegen ... die Shootings waren im Oktober und der Anruf von Tuomas kam Ende Januar. In der Zwischenzeit gab es ja auch noch einige andere Bewerberinnen, die sie angecheckt haben und das hat sich dann für mich doch ganz schön hingezogen. Das war ganz schön gemein, hahaha.

Das ist ja ein ganz schöner Zeitraum, was hast du denn so lange gemacht?

Alles in allem hat sich das ja über einen Zeitraum von anderthalb Jahren gezogen, in denen ich meist darauf gewartet habe, dass es weitergeht. Mir wurde gesagt, dass ich unter den 20 Finalistinnen wäre, aber das war’s dann auch schon. Ich habe in der Zeit ein wenig Psychologie und andere Sachen an der Uni studiert und versucht, mir ein paar weitere Alternativen offen zu halten, falls das mit Nightwish nichts wird.

Ok, und wann haben sie dir letztendlich die frohe Kunde überbracht?

Am 30. Januar. Tuomas hatte mir eine E-Mail geschickt, dass er mich an diesem Tag anrufen will. Er rief mich also an und wir sprachen zunächst mal über eine Show von Tarot in Deutschland, die wir uns zusammen anschauen wollten. Davon hat er zuerst einmal ausführlich gesprochen und dann kam auf einmal: "Hey, wir haben hier in der Band ein wenig rumdiskutiert und haben uns gedacht, dass du in den kommenden Jahren wahrscheinlich ganz schön viel zu tun haben wirst". Und ich meinte nur: "Ah, ist das so?" Danach sprachen wir dann noch darüber ob ich denn wüsste, auf was ich mich da einlasse und was auf mich zukommen wird. Dann sind wir heimlich zusammen nach Deutschland geflogen, haben uns von allem, was nach Journalist aussah, fern gehalten und mit den anderen Jungs nach der Show gefeiert.

Tuomas meinte vorhin, er habe mir dir zunächst über dies und das gesprochen und dann nur so nebenbei erwähnt, dass du in der Band wärst.

Stimmt, so war’s auch, hahaha.

Er war dann fast schon überrascht, dass du recht cool und gelassen darauf reagiert hast und nur meintest: "Oh, fein, dann weiß ich ja woran ich bin."

Auf jeden Fall, aber danach bin ich echt ausgeflippt! Er war am Telefon so ruhig und hat das alles in einem sehr sachlichen Ton erzählt. Da dachte ich eben auch, dass ich mich vielleicht beherrschen sollte, um nicht gleich in der Gegend rumzukreischen. Er fängt an, über Proben, Pläne und was weiß ich zu quatschen, ich bin aber beinahe geplatzt und sagte immer nur: "Ok, ok,ok", hahaha. Kaum hatte er aber aufgehängt, fing ich an, in der ganzen Wohnung auf und ab zu hüpfen und habe sogar geheult, hahaha. Meine Familie wusste gar nicht, was mit mir los war. Das war aber sehr cool, denn das war so was von typisch Tuomas. Jetzt, da ich ihn etwas besser kenne, ist das so was von typisch für ihn.

Hast du mit den Jungs eigentlich jemals über den Split mit Tarja gesprochen?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe natürlich ein paar Dinge hier und da aufgeschnappt, aber das ist kein Thema, über das wir miteinander reden. Für sie ist das ein Kapitel, das beendet ist. Das war für alle eine schwere Zeit, für die Band und wohl auch für Tarja. Das hat schon etwas von einer Scheidung, so was ist nie schön. Ich denke, beide Parteien wollen jetzt einfach weitermachen und das Kapitel für beendet erklären. Wir sind in der Beziehung auf dem besten Weg, es lohnt sich einfach nicht, über Vergangenes zu reden.

Ok, aber gab es für dich vielleicht so etwas wie eine (Not)-To-Do-Liste? So nach dem Motto: 'Wenn’s ein Problem gibt, mach den Mund auf'?

Hahaha, nein. Natürlich haben wir uns beim ersten Treffen zusammen gesetzt und uns über grundlegende Dinge unterhalten und wie ich zu Sachen wie Touren und dem ganzen Bandleben stehe. Das war mir aber auch sehr wichtig, von Anfang an gewisse Dinge klar zu stellen und da ich eine sehr kommunikative Person bin, fiel uns das allen recht leicht. Aber ich stimme auch mit Tuomas überein, wenn er sagt, dass Reden nicht alle Probleme lösen kann. Man kann bestimmte Sachen auch totquatschen und muss einfach wissen, wann sich das Reden nicht mehr lohnt. Ich bin fest davon überzeugt, dass mir die Jungs eine Menge beibringen können, aber auch ich habe vielleicht die ein oder andere neue Sache für sie. Das Wichtigste ist jedenfalls, dass wir uns untereinander respektieren, und das ist der Fall. Man muss einfach auch die unterschiedlichen Situationen bei uns betrachten. Ein paar haben Familien mit Kindern, andere eben nicht. Das ist dann natürlich was ganz anderes, wenn du auf Tour bist und daheim wartet die Familie. Das müssen die ohne Familie erst einmal verstehen und respektieren, aber ich denke das ist ganz ok bei uns.

Du hast einen Mann und einen Sohn, richtig? Wie kommen die mit deiner neuen Rolle als Sängerin von Nightwish klar?

Die sind natürlich sehr stolz auf mich. Obwohl sie auch über die Tatsache sehr traurig sind, dass sie mich in Zukunft wohl deutlich seltener bei sich zu Hause haben werden, als das bisher der Fall war. Für mich ist das ein wenig einfacher, weil ich auf Tour die ganze Zeit entweder beschäftigt bin, oder einfach so viele aufregende neue Dinge und Menschen kennen lerne. Mein Mann war selbst beruflich viel unterwegs und kennt die Situation somit bestens. Dennoch wird es für meinen Mann und meinen Sohn sehr einsam werden, wenn ich nicht daheim bin. Wir versuchen das aber mit SMS und Mails und allem einigermaßen erträglich zu machen, und bisher klappt das ganz gut.

Hast du vor, in Schweden zu bleiben?

Ja, ich denke schon. Unsere Familien stammen von dort und leben auch noch alle hier. Außerdem geht mein Sohn hier zu Schule und ich mag Schweden einfach sehr gern. Aber es wird sich natürlich nicht vermeiden lassen, dass ich auch viel Zeit in Finnland verbringe. Ich werde mir in Helsinki wohl auch eine Wohnung nehmen müssen, aber das ist schon ok.

"Für eine Schwedin bin ich ganz ok"


Wann steht denn der erste Auftritt für dich mit Nightwish an?

Das wir in Israel am 6. Oktober sein.

Das ist aber gleich mal ein ganz schöner Brocken. Werdet ihr da mehr neue, oder verstärkt alte Songs spielen?

Ich denke das wird sich die Waage halten. Natürlich werden wir die ganzen alten Hits wie "Nemo" spielen, weil das Publikum die einfach hören will.

Hast du ein wenig Angst vor der Reaktion der Fans, wenn sie die alten Songs mit deiner Stimme hören?

Davor haben wir alle wohl ein wenig Angst, denn es wird für einige Leute bestimmt ein Schock werden. Vor allem natürlich für diejenigen, welche Nightwish hauptsächlich wegen Tarjas Stimme geliebt haben. Auf der anderen Seiten denke ich aber, dass selbst die sich mit mir arrangieren können. Schließlich ist es immer noch der selbe Song, nur mit einer rockigeren Stimme. Ich gebe mir aber alle Mühe, die Sachen mit großen Emotionen zu singen, und ich weiß, dass Tumoas mit meinen Interpretationen sehr zufrieden ist, genau wie der Rest der Band. Ich kann nur hoffen, dass die Fans das respektieren und ich tu wirklich mein Bestes, um die Songs nicht zu verhunzen, hahaha.

Hast du dir schon ein paar Gedanken darüber gemacht, wie du auftreten willst? Was das Outfit und solche Sachen angeht?

Nicht wirklich. Ich hab mir ein paar Kleinigkeiten gekauft, aber das hat weniger was mit den Auftritten zu tun. Wenn mir irgendwas gut gefällt, dann kaufe ich mir das eh meistens, hahaha. Von daher habe ich genügend Klamotten zum Anziehen. Es wird aber auf jeden Fall eher rockig sein und nicht so opulent mit Kleidern. Auch keine High-Heels, eher was Bodenständiges. Ich kann natürlich noch nicht sagen, wie ich mich auf der Bühne letztendlich mit den Jungs geben werde. Das kommt dann ganz natürlich und wir werden sehen. Ich will aber auf jeden Fall rocken, hahaha. Wir werden unsere Proben mit Video aufzeichnen und dann mal sehen, wie das aussieht und was wir da noch machen können.

Ich denke Marco wird das sehr befürworten, dass du etwas aktiver auf der Bühne bist und rocken willst.

Ja, das glaub ich auch. Ich will auf jeden Fall mit den anderen Jungs mehr interagieren.

Hast du denn schon einen Lieblingssong auf "Dark Passion Play"?

Ganz schwer zu sagen. Ich mag so viele von den Songs, weil sie alle so verschieden sind und so unterschiedliche Stimmungen haben. "Meadows Of Heaven", die letzte Nummer gefällt mir aber sehr gut, weil ich diese Gospel-Chöre sehr gern mag. Das habe ich früher auch immer gern gesungen. Das macht den Song einfach enorm groß, und außerdem finde ich, die Nummer gibt dir Hoffnung und das finde ich ganz toll. Da sind viele schöne, dunkle und melancholische Songs auf der Scheibe aber diese eine gibt dir jede Menge Hoffnung. Außerdem gefällt mir unsere erste Single "Amaranth" sehr gut. Der Song geht einfach direkt ins Ohr und ist verdammt catchy. Wenn du den einmal gehört hast, vergisst du ihn nicht mehr. Ich mag solche Sachen einfach sehr, wenn man schon beim ersten Mal hören mitsingen kann und einfach gut drauf ist. Der Titel lief in Finnland auch schon im Radio.

Gab es denn auch einen Song, der dir besonders schwer fiel?

Schwierig nicht, zumindest nicht in Bezug darauf, dass ich Probleme gehabt hätte, ihn zu singen. Aber "Sahara" hat diesen ethnischen Touch, den ich bisher noch nicht gesungen hatte. Von daher war das was relativ Neues für mich und ich musste mich bei den ersten paar Durchgängen erst einmal darauf einstellen. Inzwischen ist es aber einer meiner Favoriten, weil es nun richtig Spaß macht, diese Sachen zu singen. Beim ersten Mal war das aber alles andere als einfach. Es macht aber allgemein jede Menge Spaß, die Sachen von Nightwish zu singen. Die Songs sind so unterschiedlich, von den Stimmungen und den Melodien her. Auch die Texte sind einfach großartig und ich kann mich in vielen Dingen wiederfinden und mich mit ihnen identifizieren.

Hat sich deine Einstellung Metal gegenüber ein wenig verändert, seit du etwas mehr in die Materie eingetaucht bist?

Ich habe mich mit Metal bisher nicht sonderlich beschäftigt, schon gar nicht auf diese Art und so eingehend. Das liegt wohl vor allem daran, dass meine Familie aus einer ganz anderen musikalischen Richtung kommt. Meine Mutter konnte früher noch nicht einmal was mit Rock anfangen, geschweige denn Metal. Die stand eher auf Jazz und solche Sachen. Mir hat härtere Musik aber schon immer ganz gut gefallen und inzwischen höre ich davon ne ganze Menge. Momentan steh ich tierisch auf Finntroll und die sind doch ganz schon heavy. Ich entdecke jeden Tag neue Bands und das ist echt spannend.

Und was ist dann eigentlich deine Lieblingsmusik?

Du stellst Fragen ... momentan steh ich echt sehr auf Metal. Aber meine CD-Sammlung ist dermaßen wild und unterschiedlich. Ich hör mir fast jede Art von Musik gern an, solange sie gut gemacht ist und echte Emotionen transportiert. Neulich hab ich mir zum Beispiel erst das neue Justin Timberlake-Album geholt und es gibt darauf genau zwei Songs, die mir wirklich gefallen. Aber jetzt hab ich’s halt, also was soll's, hahaha. Ich finde aber eigentlich in allen Stilrichtungen ein paar Bands, die mit gefallen.

Öh, ich nehm mal an, du hast noch nie unsere deutsche Volksmusik gehört, oder?

Nein, das habe ich tatsächlich noch nicht. Vielleicht sollte ich mal.

Nein! Glaub mir, solltest du nicht!

Ok, hahaha. Dann lass ich da erst einmal die Finger von.

Gute Idee, aber lass mich zu meiner letzten Frage kommen. Was war denn die dämlichste Frage, die dir je gestellt wurde, seit du Sängerin von Nightwish bist?

Du meinst außer der, hahaha. Keine Ahnung, mir fällt da echt nichts ein. Was mich aber gewundert hat, war die Tatsache, dass sich die finnische Presse – am Tag als bekannt wurde, dass ich die neue Sängerin bin – hauptsächlich auf den Familienaspekt bei mir konzentriert hat. Ich wurde so oft gefragt, was mein Mann und mein Sohn dazu sagen. Dass ich tatsächlich als Sängerin bei Nightwish eingestiegen war, ist dabei beinahe unter den Tisch gefallen, hahaha. Das hat mich echt ein wenig geschockt, dass meine Familie so eine große Sache in der Presse wurde.

Ich hätte eher damit gerechnet, dass die sich vielleicht darüber aufregen, dass du aus Schweden kommst.

Das dachte ich auch, aber anscheinend sind die Finnen der Meinung, dass ich für eine Schwedin wohl ganz ok bin, hahaha.

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