Der Berliner TV-Kanal TIMM, dessen Zielgruppe vor allem aus Homosexuellen besteht, sucht aktuell via Casting-Show die Nachfolge-Combo der Village People. Auch heterosexuelle Bandmitglieder sind willkommen.

Berlin (jro) - Seit November letzten Jahres gibt es mit TIMM (Television, Internet, Media for Men) einen Sender, der hauptsächlich ein schwules Publikum ansprechen soll. Das Programm unterscheidet sich dabei eigentlich nicht sonderlich von anderen Sendern: Dokumentationen, Filme, Comedy, Talkshows – und jetzt eben eine eigene Casting-Show.

Der Kanal sucht seit Anfang des Monats nach Mitgliedern für die Village Boys, Nachfolge-Act der legendären Village People ("YMCA"). Interessierte konnten sich per Video-Botschaft bewerben, zwölf Kandidaten wurden für den engeren Kandidatenkreis ausgewählt.

Am heutigen Freitag reisen die verbliebenen Teilnehmer nach München, um mit den Dreharbeiten zur Show zu beginnen. Morgen müssen die Kandidaten dann dort beim Christopher Street Day ihre Qualitäten vor Live-Publikum unter Beweis stellen. Das Finale findet in Berlin statt. Am 16. Juli wird sich schließlich entscheiden, wer das endgültige Line-Up bildet.

Heterosexuelles Outing

In der Jury sitzen Sänger Ross Antony, Drag Queen Nina Queer und Moderatorin Katja Mitchell. Sie durften eine Wildcard vergeben, sprich: einen Kandidaten direkt ins Finale bringen. Aus den restlichen Bewerbern – wie beim Vorbild der großen Shows – wählen die Zuschauer per Telefon-Voting aus.

In bester Boyband-Tradition hat sich auch schon einer der Kandidaten geoutet – als heterosexuell. Der fünffache Familienvater Zoschi performte Pink Floyds "Wish You Were Here" beim Casting. Der Veranstalter von Timm hat mit seiner sexuellen Orientierung aber keine Probleme: "Es gibt keine Vorraussetzungen, die erfüllt werden müssen, um am Casting teilzunehmen", gibt eine Sprecherin von TIMM gegenüber laut.de zu Protokoll.

Bartankleben als feministische Geste

Was sich auch bei einer anderen Kandidatin zeigt. Denn obwohl die Entscheidungsshows auf dem CSD stattfinden und der "Aufruf zur Teilnahme vor allem auf dem eigenen Sender und zielgruppenspezifischen Plattformen wie der Siegessäule und der Blu erschien", hat sich auch eine Frau für den Popstar-Posten beworben. Catrin aus Nordrhein-Westfalen hat es in die engere Auswahl geschafft, indem sie sich vor der ersten Show "schnell einen Bart angeklebt hat", wie auf der Internetseite von TIMM zu lesen ist.

Eine rebellische Geste gegen die verbreiteten Casting-Formate sei das Format allerdings deswegen nicht, erklärt die Sprecherin weiter: "Wir wollen uns nicht mit anderen vergleichen, nichts anders oder besser machen." Anlass war vielmehr das 40-jährige Jubiläum des Stonewall-Aufstandes, an den am CSD erinnert wird - und die Idee, "die Village People wieder aufleben zu lassen".

Den vier Gewinnern winkt neben dem Platz in der Band auch ein Plattenvertrag bei Universal und eine Reise nach New York, der Heimat ihrer Idole. Demnächst hat Deutschland also seine erste - offiziell - schwule Boyband, aber nicht die ersten Village Boys: 1983 verpasste sich bereits eine deutsche Coverband, die "Oldies, Pop, Rock, Country und deutsche Kulthits" spielt, den prägnanten Namen.

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laut.de-Porträt Village People

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16 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    Hm ... da gibt's doch noch einige Varianten, oder? In Korea gibt's oder gab's zumindest mal eine Band namens "Lady", deren Mitglieder (kein beabsichtigtes Wortspiel) früher Männer waren, sich aber zu Frauen umoperieren ließen ...
    http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseacti…
    Vielleicht gibt's ja den einen oder anderen, der für die Karriere noch etwas mehr opfern will als nur seinen guten Ruf ...

    Gruß
    Skywise

  • Vor 10 Jahren

    @Unbekannt («
    Was soll das? Schwule wollen nicht anders behandelt werden, aber jetzt wird eine schwule Band gecastet? =) »):

    Wollen die meisten sicher auch nicht, aber man hört halt leider immer die kleine Gruppe, die am lautesten schreit.

  • Vor 10 Jahren

    @kirschtortenbar (« @Unbekannt («
    Was soll das? Schwule wollen nicht anders behandelt werden, aber jetzt wird eine schwule Band gecastet? =) »):

    Wollen die meisten sicher auch nicht, aber man hört halt leider immer die kleine Gruppe, die am lautesten schreit. »):

    Leider war... leider war... am Ende werden doch Klischees bedient, damit wenigstens irgendjemand hinhört (also von denen, die gehört werden wollen) Den meisten Schwulen wird dieses Castingformat auch peinlich sein.