Das Open Source Festival hat Talib Kweli wegen seiner Nähe zum BDS aus dem Programm genommen. Nun äußerte sich der Rapper zu der Ausladung.

Düsseldorf (dok) - Das am 13. Juli auf der Galopprennbahn in Düsseldorf Grafenberg stattfindende Open Source Festival wird in diesem Jahr ohne Talib Kweli stattfinden. Der mit der in Deutschland als antisemitisch eingestuften BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions) sympathisierende US-Rapper wurde vom künstlerischen Leiter des Festivals Philip Maiburg offiziell ausgeladen.

Diesem Schritt war eine Anfrage der Festivalleitung an Talib Kweli vorausgegangen, woraufhin dieser seine Nähe zur transnational agierenden BDS-Bewegung nochmals bekräftigte. Deshalb sah sich das Festival dazu gezwungen, seine "Einladung zum Open Source Festival 20119 zurückzuziehen".

BDS in Deutschland offiziell geächtet

Hintergrund der Ausladung ist auch ein Beschluss des Deutschen Bundestages vom 17. Mai 2019. Nach einem gemeinsamen Antrag der Fraktionen von CDU/CSU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN beschlossen die Abgeordneten mit großer Mehrheit, der "BDS-Bewegung entschlossen entgegenzutreten und Antisemitismus zu bekämpfen".

Damit schafft das von der öffentlichen Hand unterstützte Open Source Festival einen Präzedenzfall in Deutschland: Kweli ist der erste Künstler, der nach der Bundestags-Entscheidung aufgrund seiner Nähe zum BDS ausgeladen wurde. Das könnte eine gewisse Signalwirkung haben, immerhin ist Deutschland einer der weltweit wichtigsten Musikmärkte.

Offizielle Stellungnahme Talib Kwelis

Talib Kweli reagiert via Facebook mit völligem Unverständnis auf die Entscheidung der Bundesregierung und der Festivalleitung: "Mit Lügen und der Aussage, dass der BDS eine antisemitische Bewegung sei, engagiert sich die Deutsche Regierung für den Faschismus und erweist dem Deutschen Volk einen schlechten Dienst. Palästinenser werden in dieser Region, aufgrund ihrer dunkleren Hautfarbe und herrschender Islamophobie wie Menschen zweiter Klasse behandelt. So heimtückisch agiert die Vorherrschaft der Weißen". Israel beschreibt Kweli im selben Posting als einen "Staat, in dem hauptsächlich weißhäutige Juden über hauptsächlich dunkelhäutige Araber herrschen".

Über Deutschland heißt es in seiner Stellungnahme: "Wenn ich in Deutschland nicht [auftreten] darf weil ich Humanität unterstütze: Scheiß drauf! Ich werde nicht gehen. Der Ball ist in eurem Feld. Ich würde gerne in Deutschland auftreten, aber ich habe das wirklich nicht nötig. Ich bin lieber ein ehrbares menschliches Wesen und stehe auf für das, was ich als richtig erachte, als mich selbst zu beschneiden und hinsichtlich der BDS-Prüfung zu lügen".

Bereits im Dezember 2016 hatte der Leipziger Club Conne Island Talib Kweli wegen seiner Nähe zum BDS und Aussagen, dass Israel ein Apartheidstaat und somit sein Feind sei, wieder ausgeladen. Ende 2017 hatten sich die Rundfunkanstalten WDR, BR und SWR öffentlich von Roger Waters distanziert und die Präsentation seiner Konzerte zurückgezogen. Waters gilt als der prominenteste Unterstützer des BDS.

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7 Kommentare mit 7 Antworten

  • Vor 18 Tagen

    Für alle die sich noch keine Meinung gebildet haben oder nicht wissen, ob sie Roger Waters oder Talib Tweli Antisemitismus vorwerfen sollen: Macht euch mal ein eigenes Bild, indem ihr kurz mal im Netz recherchiert. Waters und Tweli stehen auf der gleichen Seite wie 240 (!) israelische und jüdische (!) Wissenschaftler - darunter namhafte Antisemitismus- und Holocaustforscher von Unis in Israel und den USA. Diese haben in einer an die Bundesregierung adressierten Stellungnahme den Beschluss der Bundesregierung kritisiert. Dieser ignoriere, dass BDS sich explizit gegen „alle Formen des Rassismus, einschließlich Antisemitismus“ ausspreche. Darin steht weiter „Wir kommen zu dem Schluss, dass der Anstieg des Antisemitismus eindeutig nicht die Sorge ist, die den (..) Antrag inspiriert hat. Im Gegenteil, dieser Antrag ist von den politischen Interessen (…) der Regierung Israels angetrieben.“ Der Kampf gegen Antisemitismus werde instrumentalisiert, „um die Politik der israelischen Regierung zu schützen, die schwere Menschenrechtsverletzungen verursacht und die Chancen auf Frieden zerstört.“ Netanjahus Likud-Partei arbeitet auf eine Delegitimierung von Besatzungskritikern hin und federführend in der Kampagne gegen den BDS ist das israelische Ministerium für strategische Angelegenheiten. Sehr viele Israelis stellen sich aber gegen diese rechte Politik ihrer Regierung. Der israelische Journalist Gideon Levy schreibt über den Beschluss des Bundestags von einer der empörendsten und bizarrsten Resolutionen seit Ende des Zweiten Weltkrieges und von moralischer Blindheit. Erst dachte ich auch, warum ist der Waters so ein Arsch geworden - aber irgendwann schüttelt man ungläubig den Kopf, dass der Bundestag einen solchen Beschluss - und man muss es vielleicht schon genau so sagen - für eine Likud-Politik Trump'schen Stils und gegen diejenigen in Israel fällt, die man unterstützen sollte. So, und jetzt hör ich wieder gute Musik...

    • Vor 18 Tagen

      Muss natürlich Kweli heissen ;)

    • Vor 18 Tagen

      Der Feind meines Feindes ist aber noch lange nicht mein Freund. Wenn eine Bewegung zum Boykott eines Landes aufruft, dadurch den progressiven Kräften vor Ort kein bisschen weiterhilft, dann sehe ich darin nichts positives. Dahinter steckt für mich vielmehr die Idee, dass es ein jüdisches Kollektiv gäbe. Zudem die beiden von dir genannten Akteure durch unpassende Faschismus-Vergleiche (siehe auch Waters' Vorwurf, Münchens OB nutze Nazi-Methoden).

    • Vor 16 Tagen

      Inkorrekt. Die BDS-Bewegung geht an keiner Stelle von einem "jüdischen Kollektiv" aus. Auf der anderen Seite ließe sich viel eher vertreten, daß unbedingte Israelfreunde wie der deutsche Bundestag davon ausgehen, der Staat Israel stehe für alle Juden auf der Welt. Im Grunde sagt er, sämtliche Juden der Welt seien Rechtsradikale, da die momentane Regierung und im Grunde alle davor Meinungen aus dem Alt-Right-Spektrum vertreten und nicht müde wird, rassistische Gesetze zu beschließen.

    • Vor 15 Tagen

      "Waters und Tweli stehen auf der gleichen Seite wie 240 (!) israelische und jüdische (!) Wissenschaftler - darunter namhafte Antisemitismus- und Holocaustforscher von Unis in Israel und den USA."

      Was für ein "Argument". :p

  • Vor 14 Tagen

    hier: einer der seltenen auftritte von talib kweli mit deutscher transkription
    https://www.youtube.com/watch?v=A1tsLUQQq9E