Am Ende war der befürchtete Imageschaden wohl zu groß: Der Band wurden rechtsextremistische Ausfälle ihres Frontmanns zum Verhängnis.

Nürburgring/Nürnberg (ebi) - Wegen der nicht nachlassenden Kritik laden die Veranstalter*innen des Zwillingfestivals die reunierten Metal-Ikonen doch aus: "Die Band Pantera wird nicht wie angekündigt bei Rock am Ring und Rock im Park 2023 auftreten. In den letzten Wochen haben wir viele intensive Gespräche mit Künstlerinnen, unseren Partnerinnen und euch, den Festivalfans, geführt, uns mit der Kritik weiter gemeinsam auseinandergesetzt und uns dazu entschlossen, die Band aus dem Programm zu nehmen", heißt es auf den Social Media-Kanälen beider großen Festivals übereinstimmend.

Die Diskussion um die amerikanische Metalband bzw. ihren Frontmann war in den Sozialen Medien in den vergangenen Wochen hochgekocht, in Nürnberg hatte auch die Stadtratsfraktion der Grünen öffentlich die Absage Panteras gefordert: Phil Anselmo hatte 2016 auf der Bühne den Hitlergruß gezeigt und "White Power" gerufen, sich in der Folge aber mehrfach entschuldigt und seinen Ausfall mit Alkohol in Verbindung gebracht.

Der Streit im Netz weitet sich aus

Bis vor Kurzem standen Rock am Ring und Rock im Park noch zu Pantera, nun die abrupte Kehrtwende, die in den Sozialen Medien die erwartbare Kluft in den Reaktionen offenbart, etwa auf Instagram: "Sauber richtige Entscheidung Nazis darf man keine Bühne bieten!!!!" oder: "Chapeau, Ihr habt das einzig richtige getan. Kein Fuß breit den Faschisten!". Auf der anderen Seite heißt es exemplarisch: "Typisch deutsch ... kein Rückgrat!!! Einfach nur lächerlich Pantera rauszuschmeißen wegen ein paar woken und linken Kritikern."

Zudem werden die Veranstalter:innen gefragt, warum andere Acts im Line-up auftreten dürfen: "Aber Apache mit seinen sexistischen und homophoben Texten ist okay? Der wird nicht gecanceled von der lauten, aufgebrachten Seite des Netzes? Warum nicht?" oder: "Dann konsequent gleich bei Kontra K weitermachen ...". Aber auch allgemeinere Diskussionen über das Line-up werden angestoßen: "Leute ganz ehrlich euer Ruf wird von Jahr zu Jahr immer schlimmer. Mit der Band 'Pantera' kann sich vielleicht nicht jeder identifizieren, aber es hätte eure Veranstaltung deutlich aufgewertet und zu dem gemacht wozu RaR normalerweise steht. ROCK AM RING und nicht wie heutzutage RAP AM RING."

Die Toten Hosen in der Kritik

In Streit um Pantera bekommen seit knapp einer Woche auch Die Toten Hosen ihr Fett ab. Der Headliner hatte den Veranstalter'innen in einem ausführlichen Statement grundsätzlich das Vertrauen ausgesprochen. Nach anhaltender Kritik sahen sich Campino und Co. dann zu einer zweiten Wortmeldung genötigt: "Leider gibt es einige Leute, die unser Statement entweder nicht verstehen oder nicht verstehen wollen und sinngemäß verbreiten 'Hosen ist alles egal, Hauptsache Konzert findet statt'. Irrtum! Wer uns kennt und unsere Zeilen richtig gelesen hat, weiß, dass dies gerade eben nicht der Fall ist."

Ein Statement Panteras zur Absage der für Anfang Juni geplanten deutschen Festivalauftritte steht noch aus. Am 13. Juni sind die Amerikaner für ein Konzert in der Berliner Vert Music Hall gebucht. Die Konzerte am 31. Mai in Wien und am 21. Juni in Hamburg sind ausverkauft.

Fotos

Die Toten Hosen

Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler)

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12 Kommentare mit 28 Antworten

  • Vor 9 Tagen

    :lol:

    Die Shitshow ist erst vorbei, wenn die Fäkalien sämlichen Beteiligten aus allen bekannten menschlichen Körperöffnungen gleichzeitig sprudeln!

  • Vor 9 Tagen

    Apache, Kontra K , JUJU, Yungblud, MGK, Badmomzjay, Bounty&Cacoa und auch noch Mehnersmoos ??? Selbst wenn es RAP am Ring wäre : sau beschissenes Lineup XD

    • Vor 9 Tagen

      Das Festival wurde halt gegründet als Rockmusik cool war. Nur deswegen heisst es so. Die Leute die sich unter den ganzen Festivals die es gibt für Rock am Ring entscheiden interessieren sich doch noch weniger für die Musiker als Festivalbesucher es allgemein schon tun.
      Das ist wie Disneyland für Erwachsene mit saufen und vielleicht ficken wenn man Glück hat.

    • Vor 9 Tagen

      Bei RaR sind von Anfang an Bands und Künstler aufgetreten, die allerhöchstens mit viel Phantasie etwas mit "Rock" zu tun hatten und haben, und die Diskussion daürber ist so alt, wie das Festival selbst. Bei der ersten Ausgabe waren Acts wie Gianna Nanini und Chris de Burgh am Start, und wurden teilweise ausgebuht.
      RaR hatte schon immer den "Anspruch" ein möglichst breites - also im Sinne von breitgefächertes - Publikum anzusprechen, und wenn man irgendwann nicht nur eine vergreisende und langsam wegsterbende Zielgruppe ansprechen will, dann muss man eben Künstler bringen, die gerade angesagt sind, auch wenn es evtl. keine Rock-Acts im klassischen Sinne sind.

      Ansonsten das was Koopsta sagt. Wer Ferstivals ab einer gewissen Größe besucht, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

  • Vor 9 Tagen

    1. Nazis raus.
    2. Angenommen, Anselmos Totalausfall 2016 war ein einmaliges/seltenes Ereignis, von dem er sich glaubhaft distanziert hat, das sich seitdem auch nicht ansatzweise wiederholt hat. (Ich weiß nicht, ob das so ist.) Wäre es dann nicht sinnvoller, ihn und die Band auftreten zu lassen? Bringt es unsere Gesellschaft weiter, jeden Fehler, sei er auch massiv, immer wieder zu ahnden? Kein "Aussteigerprogramm", keine Chance zur Rehabilitation für Künstler?

    • Vor 9 Tagen

      ...word.

    • Vor 9 Tagen

      Nee, nicht "word". In dem Video hat er für alle sichtbar für gut 5 Sekunden den rechten Arm oben gehabt und klar ausartikuliert "White Power!" geschrien.

      Das hat er sich selbst ruiniert und er hat sich auch erst dafür entschuldigt, als es veröffentlicht wurde. Man kann zu Entschuldigungen und Statements stehen, wie man möchte und ich zweifle auch nicht unbedingt seine Aufrichtigkeit an, dennoch ist es einfach schlechtes Marketing.

      Die Frage ist, inwiefern eine Band wie Pantera eine solche "Rehabilitierung" braucht. Sie wird noch anderswo zahlreich gebucht. Es geht darum, wie wir hierzulande mit solchen Vorfällen umgehen und ich finde es tatsächlich angemessen zu sagen, dass jemand, der so fahrlässig handelt, nicht die Verantwortung haben sollte, vor zehntausenden Personen zu spielen. Das ist kontextabhängig.

      Aber wohlgemerkt ist das Rock am Ring-Lineup auch ohne Pantera großer Schmutz.

    • Vor 8 Tagen

      Ist so. Er hat sich distanziert und das "White Power" auf den Weisswein bezogen. Kann man glauben oder nicht, aber eine dumme, unbedarfte Aktion macht einen nicht zum Nazi. Und da er Teil einer Gruppe ist, sollten die anderen nicht in Beugehaft genommen werdnen.

    • Vor 8 Tagen

      Also, mir ist die Band an sich vollkommen egal, ich kann mit der Musik wirklich gar nichts anfangen. Aber zum Thema "einmaliges/seltenes Ereignis" kann ich sagen, dass mir schon zu erscheinen von "The Great Southern Trendkill", das muss irgendwann so 98 rum gewesen sein, ein damaliger Freund und großer Pantera-Fan gesagt hat, dass das eigentlich gar nicht klar geht, weil Anselmo ein dreckiger Rassist sei. Keine Ahnung, woher er das hatte, ich hab die Band, wie gesagt, nie verfolgt, aber ein sooooo einmaliges und seltenes Ereignis kann die 2016er Nummer ja wohl nicht sein.

    • Vor 8 Tagen

      Ich mag einige Sachen von denen ja wirklich gerne, aber alleine schon diese stolze Zurschaustellung der Confederate Flag, die sie ja auch nicht erst seit gestern betreiben, ist schon was fragwürdig.
      Anselmo ist, wie dein damaliger Freund ja schon 98 richtig festgestellt hat, auch schon vor 2016 desöfteren durch mindestens fragwürdige Aussagen und Aktionen aufgefallen.
      Das Verhalten der Veranstalter halt auch maximal peinlich, erst einladen, obwohl Anselmos Ausfälle wahrscheinlich hinlänglich bekannt waren, dann ausladen, wenn die Kritik zu laut wird. Richtig Lappenhaft.

    • Vor 7 Tagen

      Eben dieses Typische "...Nachdem wir uns mit vielen Künstler unterhalten haben, sind wir zu dem Schluss gekommen..." ist zum Kotzen. Und leider auch sehr normal geworden. Als ob es besonders heikel sei, einen Hintern in der Hose zu haben und Verantwortung für eine Entscheidung zu übernehmen.

      Oh, zur Klarstellung: Damit meine ich sowas wie z.B.: "Wir hatten uns für Pantera entschieden, waren aber zu blind und blöd, um mal genauer hinzuschauen, wen wir da ins Boot geholt haben. Danke für die Hinweise, heute sind wir klüger! Pantera sind aus dem Lineup, und andere (mindestens) rechtsoffene Bands haben hier ebenfalls keinen Platz."

      Ist jetzt nicht besonders schwer, könnte man meinen.

  • Vor 9 Tagen

    unsere gesellschaft ist total verblödet und zum glück dem untergang geweiht!!!

    selten so lachhafte kommunikes gelesen...

    RockImPark und RockAmRing waren mal echt geil!!!
    ist nun aber auch schon 20-jahre her... :-)

    dann müsste man ja die hosen auch ausladen?
    muss mir gleich wieder mal die opel gang zu gemüte führen inklusive ülüsü... :-)

    nun ja, egal...
    mir ist es ja eigentlich wurst da ich meine festival-zeit hinter mir habe!!! :-)

    for those about to rock (we salute you)

    • Vor 9 Tagen

      Um "Ülüsü" mit "White Power" gleichzusetzen muss man in der Tat schon auf vielen Festivals vornehmlich Beer-Pong gespielt haben.

    • Vor 9 Tagen

      leider nein... :-)
      trinke weder alkohol noch nehme ich sonstige substanzen zu mir...

      der einzige grund warum ich an festivals war, und das waren viele in meiner "aktiven" zeit...
      LIVE MUSIK!!!

    • Vor 9 Tagen

      2003 waren schon Moby, Limp Bizkit und The Cardigans dabei... Headliner Metallica und Iron Maiden. Okay, kaum Rap, immerhin.
      Das Line Up war wohl schon immer breit gefächert...
      1993 z.B. mit den Fantas, Brings und Leonard Cohen (!).

    • Vor 9 Tagen

      Dieser Kommentar wurde vor 9 Tagen durch den Autor entfernt.

    • Vor 9 Tagen

      "mir ist es ja eigentlich wurst da ich meine festival-zeit hinter mir habe!!! :-)"

      Ähm, dann halt doch einfach deine Fresse??? :-)

    • Vor 8 Tagen

      @Ehrenfelder
      So ist es RaR war nie als reines Rock- oder gar Hard-Rock-Festival konzipiert, sondern man hat dort immer auf die Bühne gestellt, was sich gerade gut verkauft hat, und das mit einigen Newcomern und arrivierten Größen angereichert.
      Inzwischen ist es vermutlich den meisten Besuchern auch völlig egal, wer da spielt. Es ist ein Ritual, dort hin zu fahren, vier Tage zu Saufen, zu Poppen, sich dumm zu verkleiden, und vielleicht nebenher ein paar Bands zu sehen.

  • Vor 8 Tagen

    Die Menschen sind mittlerweile alle so dämlich. Was hat der Rest von Pantera, mit Anselmo's dummer, besoffener und unglücklichen Aktion von vor ein paar Jahren zu tun?? Schwachköpfe, die auf den Zug aufspringen, von Anselmo und Pantera (Tribute) 0 Ahnung haben, aber Nazi raus rufen.

  • Vor 8 Tagen

    Gut. Pantera waren schon immer Vollschrott und diese "Reunion" ist eh an Lächerlichkeit kaum zu überbieten.

    • Vor 8 Tagen

      Ende der 80er, Anfang der 90er waren sie schon eine zeitlang mal stilprägend für eine Weiterentwicklung des Heavy Metal, aber die Re-Union hat eher was von einer Pantera Coverband, bei der zufällig welche aus dem alten Line-Up dabei sind. Braucht kein Mensch.