Was tun gegen die Unterrepräsentation von Frauen in der Branche? Selber machen: Die Komikerin zieht ihr eigenes Festival auf - mit rein weiblichem Line-Up.

Köln (dani) - Es ist ein so uralter Hut, man kommt sich wirklich langsam komisch vor, es wieder und wieder sagen zu müssen: Frauen sind in der Musikindustrie unterrepräsentiert. Wer nicht mit zwei zugeleimten Augen aufs Geschehen schaut, weiß das seit Jahren. Wer es trotzdem nicht wahrhaben will, bekommt es Jahr für Jahr wieder in die Fresse gehauen, sobald die großen Festivals ihre Line-Ups bekannt geben. Nach allem, das zum Beispiel von der nächsten Ausgabe der (haha!) Schwester-Veranstaltungen "Rock am Ring" und "Rock im Park" bisher bekannt ist, wurden bis dato doch tatsächlich zwei (in Zahlen: 2) Bands mit weiblicher Beteiligung eingeladen - so führte es Carolin Kebekus aus. Der Rest: eine einzige Pimmelparade.

Mumpitzargumente

Das war schon immer so. Es gibt ja auch keine Frauen, die Musik machen. Es gibt vielleicht doch Frauen, die Musik machen - aber das sind dann keine zugkräftigen Acts. Das sind ja auch Rockfestivals, und Rock ist Männersache. Wir kennen die sich in den Schwanz beißenden Mumpitzargumente zur Genüge, die die Verantwortlichen für diese Würstchenpartys bemühen.

100 Prozent kacke!

"Der Frauenanteil bei 'Rock am Ring' ist typisch für die Musikbranche als Ganzes", zeichnete Kebekus in der gestrigen Ausgabe der "Carolin Kebekus Show" ein größeres Bild. "Ich belege das sehr gerne mit nüchternen Zahlen." Damit es nicht ganz so nüchtern wurde, shoutete sie die traurigen Fakten über "ein bisschen Rock dazu": "Auf Elektro-Festivals sind nur 15 Prozent der Gigs weiblich. In den Clubs gibts nur elf Prozent weibliche DJs. Bei den Grammys gingen zwischen 2013 und 2019 nur zehn Prozent der Nominierungen an eine Frau. Nur zwei Prozent der Songs in den Billboard-Charts wurden von Frauen produziert. Dafür verdienen die dann aber auch teilweise bis zu 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Traurig für die Musikbranche - und 100 Prozent kacke."

Wie es um die Gleichberechtigung von Frauen und non-binären Künstlerinnen im Musikgeschäft tatsächlich bestellt ist, davon erzählten zum Beispiel Judith Holofernes, Jennifer Weist, Stefanie Heinzmann, Mine, Stefanie Kloß oder Jeanette Biedermann. Spoiler! Wenig überraschender Weise: gar nicht gut.

Gegensteuern!

Was also tun, um da endlich gegenzusteuern? Man müsste, so Kebekus, einfach selbst ein Festival aufziehen, und da nur Frauen buchen. "Erst war das nur ein Witz - und dann haben wir gedacht: Hm, warum machen wir das nicht in echt? Ein amtliches Festival! Mit einer großen Bühne! Mit viel Publikum und mit sehr viel Alkohol! Und mit vielen Frauen, die endlich da stehen, wo sie hingehören: auf der Bühne!" ... und sie machen es einfach: Am 9. Mai 2022, an Kebekus' Geburtstag, soll "Ring am Rock" steigen. Details zum Line-Up gibt es noch nicht, wohl aber eine Homepage, die über die weiteren Planungen auf dem Laufenden halten soll: ring-am-rock.de.


(Foto: btf / WDR. Dankeschön!)

Die ganze Folge der "Carolin Kebekus Show" vom 15. Juli 2021 findet ihr in der ARD-Mediathek: hier entlang.

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19 Kommentare mit 183 Antworten

  • Vor 11 Tagen

    im grundsatz natürlich absolut korrekt!!!
    man stelle sich das aber nun mal umgekehrt vor...
    huiuiuiuiui...
    da wäre frau schwarzer schon am protestieren...

    solange aber „frauen“ wie loredana oder shirin david „das beste“ sein soll, was frauen zur zeit zu bieten haben, kann ich die männliche dominanz verstehen...

    obwohl es doch viele sehr gute weibliche acts gibt!!!
    nur verkaufen die sich wohl nicht so billig wie die oben genannten und bekommen darum leider nicht die aufmerksamkeit die sie verdient hätten!!!

    nun ja, egal...

    qualität vor quantität...
    egal ob männlich oder weiblich...
    und allem dazwischen...

    happy weekend
    und
    bleibt gesund

    • Vor 11 Tagen

      sich das mal umgekehrt vorstellen, fällt ja nicht schwer. da muss man ja bloß gucken, was es GIBT.

    • Vor 11 Tagen

      Ich galube er hat gemeint, dass das mediale Geschrei zienlich groß wäre, wenn ein Festival bekannt gäbe, dass ausschließlich Männer teilnehmen dürfen.

    • Vor 11 Tagen

      Was naürlich auch ein super Argument ist..

    • Vor 11 Tagen

      Naja, männliche Acts auszuschließen ist ja nun genau dasselbe, nur von der anderen Seite. Verstehe nicht ganz, was da ethisch gesehen besser dran sein soll als das, was herkömmliche Festivals tun. Warum nicht eins organisieren, wo der Anteil beider ausgeglichen ist?

    • Vor 11 Tagen

      NEIN! NEIN! NEIN! Es ist nicht dasselbe!!! Black Power ist nicht White Power, es gibt aus Gründen keine Hetero-Pride-Parade, und Feminismus ist nicht das gleiche wie Maskulinismus.
      Das kann doch nicht so gottverfickt schwer zu verstehen sein!

    • Vor 11 Tagen

      Black Power ist nicht gleich White Power, sollte es heißen, UND KOMMT BITTE IRGENDWANN DIESER EDIT-BUTTON??!!111?

    • Vor 11 Tagen

      "Das kann doch nicht so gottverfickt schwer zu verstehen sein!"

      Du bist gerne eingeladen, deine Sicht der Dinge zu schildern.

    • Vor 11 Tagen

      Dass eine exklusive Bevorzugung von Männern oder Frauen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Ungleichheit nicht gleichwertig sein kann, sollte eigentlich relativ offensichtlich sein. Das Argument funktioniert halt nur im Vakuum oder einer Idealgesellschaft.
      Es steht natürlich jedem frei, dass für eine nicht so gute Strategie zu halten, zu behaupten, dass wäre beides äquivalent ignoriert aber schlicht komplett die Realität, in der wir leben.

    • Vor 11 Tagen

      Ächz.
      Das Black Power movement, die Gay Pride, der Feminismus - das sind alles emanzipatorische Bewegungen.
      White Power und Maskulinismus, das Bewegunden, die anti-emanzipatrorisch sind, d.h. sie setzen sich dafür ein, dass der ungerechte Status Quo beibehalten und sogar in etwas noch ungerechteres umgewandelt wird.
      Und Hetero-Pride muss es halt dich geben, weil Heteros halt nicht diskriminiert werden - es macht keinen Sinn.

    • Vor 11 Tagen

      muss es halt nicht geben

    • Vor 11 Tagen

      Edit-Button kommt erst, wenn Schwingster kein Idiot mehr ist :-( :-(

    • Vor 11 Tagen

      danke an schwingster...
      so war es auch von mir gedacht!!!

      schlussendlich ist mir persönlich aber xxxegal ob männlich, weiblich oder was auch immer...
      die qualität muss vorhanden sein!!!

      im letzten jahrtausend gab es auch wirkliche weibliche stars, egal ob in den 50-iger, 60-igern, 70-igern, 80-igern und teils in den 90-igern...
      danach driftet es aber eher in den kitsch ab, in dem brüste, ärsche und dicke lippen wichtiger sind als die qualität des outputs!
      und dort liegt doch das problem!!!

      ich persönlich bin eher in der gitarre/bass/schlagzeug/gesangs-ecke zu hause und kenne diverse wirklich geile acts mit weiblicher beteiligung... ob an der gitarre, am mikro oder was auch immer...
      die verkaufen sich aber nicht billigst via insta & co. und sind darum nicht so omni-present wie die heutigen weiblichen „stars“...
      und das empfinde ich als verdammt schade!!!

    • Vor 11 Tagen

      "Edit-Button kommt erst, wenn Schwingster kein Idiot mehr ist :-( "

      Argumentiere oder verpiss dich, danke. Für heckling habe ich keinen Nerv heute.

    • Vor 11 Tagen

      Nun bleibt eigentlich nicht viel zu sagen außer dass ich Gueldi und Gleep für ihre konstruktiven (wenn auch im Falle von Gueldi zähneknirschenden) Antworten danken will. Dass das Konzept historisch angebracht ist war mir wohl klar, hatte im OP geschrieben dass ich's aus ethischer Sicht doof finde, aber ist freilich, wie Gleep anmerkte, auf die Realität bezogen irrelevant.

    • Vor 11 Tagen

      "im letzten jahrtausend gab es auch wirkliche weibliche stars, egal ob in den 50-iger, 60-igern, 70-igern, 80-igern und teils in den 90-igern...
      danach driftet es aber eher in den kitsch ab, in dem brüste, ärsche und dicke lippen wichtiger sind als die qualität des outputs!
      und dort liegt doch das problem!!!"
      Ich bin sicher - als eine Marilyn Monroe, eine Brigitte Bardot oder eine Samantha Fox mit ihren Singles die jeweiligen Charts stürmten, waren alle ausschließlich angetan von ihren Stimmen und ihren musikalischen Qualitäten.
      Den Kitsch gab's schon immer. Genauso wie es schon immer die Interpretinnen gab, die eigentlich nur Handpuppen von (normalerweise männlichen) Plattenbossen, Managern, Produzenten, Komponisten etc. waren. Von irgendwelchen extravaganten bis freizügigen Kleidungsstilen will ich gar nicht erst anfangen ...
      Gruß
      Skywise

    • Vor 11 Tagen

      ja schon klar, geb ich dir recht...
      da hast du dir aber auch genau diese beispiele ausgesucht...

      es gibt aber viele andere die nicht diesem schema entsprechen...
      und die hatten echt was drauf und konnten auch wirklich singen, oder ein instrument spielen!!!
      ohne autotunes und sonstigem schrott!!!

      eine janis joplin war nun wahrlich von aussen nicht zwingend eine schönheit, aber der output dafür sensationell...
      oder eine odetta, hammer...
      all die wunderbaren blues und soulstimmen von früher!!!
      da gibts noch so viele...
      dann die diversen frauenstimmen der 90-iger, ganz ohne sich sexuell zu verkaufen...
      beth gibbons von portishead zum beispiel...
      oder sky edwards von morcheeba...
      uuuuund heute???

      mein heutiger musiktip:
      https://m.youtube.com/watch?v=nmYi5u9BhtI

    • Vor 11 Tagen

      "Eine janis joplin war nun wahrlich von aussen nicht zwingend eine schönheit, aber der output dafür sensationell.."

      Na, da hat die gute Frau aber nochmal Glück gehabt :D.

    • Vor 11 Tagen

      abgesehen davon, dass Frau Schwarzer längst nicht mehr die Ikone der Frauenbewegung, sondern schon lange auf der Lohnliste der BILD-Zeitung steht, einem der chauvinistischsten Männerclubs des Landes...

      das Gedankenspiel ("wie wäre es andersrum") funktioniert so nicht.

      Vielleicht am Beispiel Black-Facing gut erklärbar:
      Wenn schwarze Künstler sich weiße Schminke in Gesicht schmierten und es als White-Facing deklariert würde von der Presse, dann wäre das immer noch nicht das Gegenteil von Black-Facing.

      Eine Mindestquote zu erzeugen für ein unterrepräsentiertes Geschlecht, ist eben nicht "die andere Art von Sexismus".

      Ein anderer Punkt:
      Was ich nicht verstanden habe: wer sagt denn, Shirin David sei das Nonplusultra an weiblichem Musiktalent?
      Du gibst da die Referenz nicht an.

      War das so ein Qualitätsurteil wie das aus DSDS, wo Schluss-Akkord-Musiker wie Dieter Bohlen deutlich zu lange definierten, was "gut" ist und was nicht?

      Du merkst schon: ich bin im Team Kebekus.
      Habe extremen Respekt für das, was sie sagt.
      Und wie sie es sagt.

  • Vor 11 Tagen

    https://www.rock-am-ring.com/lineup

    Bei "Rock am Ring 2022" zähle ich bis dato 8 Bands mit weiblicher Beteiligung - Baroness, Broilers, Maneskin, Spiritbox, The Distillers, The Pretty Reckless, Code Orange, 100 gecs. Dazu kommen noch 2 Solokünstlerinnen (Donna Missal und Skynd). hab das jetzt aber auch nur überflogen. Das sind rund 15% des Lineups

    Bin mit Rockmusik nicht wirklich vertraut, aber ich würde mal behaupten, dass ungefähr 15% der halbwegs erfolgreichen Rockmusiker da draußen insgesamt eine weibliche Beteiligung haben, die Zahl kommt mir nicht völlig unrealistisch vor. Ich weiß nicht, ob man mit einer reinen Frauenbühne irgendwo am Rand eines Festivals oder einer Quote (was dazu führt, dass man schlechte Musikerinnen einlädt, die eigentlich niemand hören will) irgendwem einen Gefallen tut.

    • Vor 11 Tagen

      "Das war schon immer so. Es gibt ja auch keine Frauen, die Musik machen. Es gibt vielleicht doch Frauen, die Musik machen - aber das sind dann keine zugkräftigen Acts. Das sind ja auch Rockfestivals, und Rock ist Männersache. Wir kennen die sich in den Schwanz beißenden Mumpitzargumente zur Genüge, die die Verantwortlichen für diese Würstchenpartys bemühen."

    • Vor 11 Tagen

      "Ich weiß nicht, ob man mit einer reinen Frauenbühne irgendwo am Rand eines Festivals oder einer Quote (was dazu führt, dass man schlechte Musikerinnen einlädt, die eigentlich niemand hören will) irgendwem einen Gefallen tut."

      Naja, das ist natürlich absoluter Schwachsinn. Man tut alleine schon den Künstlern nen Gefallen, indem man sie aufs Festival lädt; und wer es sich dann ansehen will, kann das selbst entscheiden.

    • Vor 10 Tagen

      Brody Dalle hat die Distillers reaktiviert?!

      Damn, das allein wird mich sicher nicht wieder in den niederen Stand eines Großfestivalbesuchers herabdrücken können, aber mit dem gesenkten Anspruch, vielleicht bei einer begleitenden Clubtour nicht ganz so hart den Rotz und die selbstdestruktive Performance ihrer Anfangstage zu erleben, ist das ein wirklich verdammt guter Grund, vollständig und supereffektiv kreuzgeimpft in die Live-Kulturstätten der Subszenen zurückzukehren!

  • Vor 7 Tagen

    Ich melde mich im Übrigen freiwillig als Park-Einweiser, das wird ein Spaß :D

  • Vor 7 Tagen

    Jungs machen Musik, um Mädels zu begeistern und nicht anders herum. Deshalb gibt es mehr Männer im Musikbusiness. Nur ungefähr 15% aller Rock/Pop-Musiker sind sehr talentiert. Das gilt für Frauen und Männer.

    Das nun ausgerechnet eine Komikerin so ein großes Musikfestival organisieren will und keine Musikerin, spricht Bände.
    Aber soll sie mal machen. So bekommen weniger talentierte Frauenbands auch mal die Chance, auf einem Festival zu spielen.

    Festivals der Zukunft /
    Zuschauer pro Festival:

    gemischte Bands/hetero/non-Veganer: 2000 Zuschauer
    Frauenbands/hetero/non-Veganer: 500 Zuschauer
    gemischte Bands/schwul/non-Veganer: 200 Zuschauer
    Frauenbands/lesbisch/non-Veganer: 200 Zuschauer
    gemischte Bands/bi/non-Veganer: 50 Zuschauer
    Frauenbands/bi/non-Veganer: 100 Zuschauer
    Divers/hetero/non-Veganer: 30 Zuschauer
    Divers/schwul/non-Veganer: 10 Zuschauer

    gemischte Bands/hetero/Vegetarier: 500 Zuschauer
    Frauenbands/hetero/Vegetarier: 200 Zuschauer
    gemischte Bands/schwul/Vegetarier: 100 Zuschauer
    Frauenbands/lesbisch/Vegetarier: 100 Zuschauer
    gemischte Bands/bi/Vegetarier: 10 Zuschauer
    Frauenbands/bi/Vegetarier: 30 Zuschauer
    Divers/hetero/Vegetarier: 3 Zuschauer
    Divers/schwul/Vegetarier: 3 Zuschauer

    gemischte Bands/hetero/Veganer: 300 Zuschauer
    Frauenbands/hetero/Veganer: 100 Zuschauer
    gemischte Bands/schwul/Veganer: 80 Zuschauer
    Frauenbands/lesbisch/vegan: 80 Zuschauer
    gemischte Bands/bi/Veganer: 8 Zuschauer
    Frauenbands/bi/Veganer: 20 Zuschauer
    Divers/hetero/Veganer: 2 Zuschauer
    Divers/schwul/Veganer: 2 Zuschauer

  • Vor 4 Tagen

    Ziemlicher Mumpitz, diese Diskussion.

    Es ist doch ganz einfach:
    Jedenfalls die großen Konzert- bzw. Festivalveranstalter sind Unternehmer.
    Ein Unternehmer will möglichst große Gewinne erzielen und jedenfalls Verluste vermeiden.

    Ein Unternehmer wird also die "Künstler" buchen, von denen er sich verspricht, dass sie besonders viele oder besonders zahlungswillige Besucher anziehen.

    Das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung der "Künstler" wird dem Veranstalter daher regelmäßig egal sein.

    Dass auf den Festivals überwiegend männliche "Künstler" auftreten bzw. gebucht werden liegt also schlicht am vorhandenen Angebot (aber das kann sich ändern, halt nicht von heute auf morgen).

    ....gebe zu, dieser Beitrag ist ziemlich spassbefreit....