Das Gratiskonzert des Indie-Chansonniers Sebastien Tellier, das im Schaufenster eines Berliner Museums stattfand, wurde wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit nach wenigen Minuten abgebrochen. Christoph Dorner war also zeitig im Bett.

Berlin (laut) - Die Idee war gut - zu gut. Ein kostenloses Schaufenster-Konzert wollte Frankreichs Electro-Chansonnier Sebastien Tellier trotz bitterer Januarkälte mitten in Berlin-Mitte geben. Das hat er auch – nur dauerte sein Auftritt nicht viel länger als seine von wenig Erfolg gekrönte Darbietung beim Eurovision Song Contest.

Nach nicht einmal zwei Songs musste das Konzert abgebrochen werden. Eine sechsköpfige Abordnung der Berliner Polizei hatte unvermittelt den Stecker gezogen und um unverzügliche Auflösung der Veranstaltung gebeten. Grund: Zu viele Besucher hatten sich auf dem schmalen Gehsteig vor dem Centre for Opinions in Music and Art (Coma) in der Leipziger Straße versammelt - und so zeitweise den Autoverkehr blockiert.

Polizeieinsatz vor Schaufenster

Weit über 200 Schaulustige hatten Tellier sehen wollen, was weniger damit zu tun hat, dass dessen Popularitätswerte nach seinem abseitigen Auftritt bei der Schlager-Europameisterschaft schlagartig explodiert wären. Stattdessen sind es Fans und Sprengsel der internationalen Berliner Party-Bohème, die zunächst gespannt vor dem breiten Fensterfront des Coma ausharren.

Um kurz vor 21 Uhr betritt Tellier in seinem aktuellen Dude-Look den Ausstellungsraum: Anzug, leger gebundene Krawatte, großflächige Sonnenbrille, Zottelhaar. Nicht zu vergessen der Bart, der wenig getrimmt aussieht. Und schon geht es los mit Fuzz-Gitarre und Beats aus dem Vintage-Synthesizer, zu denen Tellier seinen Fallsett-Gesang ins Mikrophon presst. Es ist der Song "Kilometer" vom Album "Sexuality", der im Februar als EP mit Remixen noch einmal veröffentlicht wird.

Draußen vor dem Fenster kommt der Song trotz des etwas dumpfen Sounds gut an, man schunkelt sich warm, Tellier prostet mit dem Weinglas entgegen. Schnell weiter, scheint er zu denken, denn die Setlist am Boden ist lang. Tellier spielt seine Star-Guitar, dazu bratzen Daft Punk-Sounds aus den Lautsprechern. Und dann plötzlich ist Schluss mit hörbarer Musik. Jedenfalls für die Menschen in der Kälte.

Pantomimische Posen

Tellier musiziert zunächst passioniert weiter. Dass das Konzert zwischenzeitlich zu einer ungewollten Pantomime-Show mutiert ist, hat dem Franzosen niemand mitgeteilt. Dieser Umstand wird draußen mit zunehmender Erheiterung aufgenommen - bis Tellier begreift, als Opernsänger posiert und anfängt zu lachen. Aufhören will er dennoch unter keinen Umständen. Erst als ein Techniker ihn anstupst und ihm anscheinend "C'est fini" zuraunt, verlässt er die Schaufensterbühne.

Zehn Minuten später folgt die offizielle Aufklärung seitens der Polizei: Sorge um die öffentliche Sichereit. Party gesprengt. Ein Abgesandter des Coma erklärt wenig später lakonisch: "In der Kürze liegt die Würze." Dem werden vielleicht nicht alle Tellier-Fans von zustimmen, Gratiskonzert hin oder her.

Fotos

Sebastien Tellier

Sebastien Tellier,  | © laut.de (Fotograf: Christoph Dorner) Sebastien Tellier,  | © laut.de (Fotograf: Christoph Dorner) Sebastien Tellier,  | © laut.de (Fotograf: Christoph Dorner) Sebastien Tellier,  | © laut.de (Fotograf: Christoph Dorner) Sebastien Tellier,  | © laut.de (Fotograf: Christoph Dorner) Sebastien Tellier,  | © laut.de (Fotograf: Christoph Dorner) Sebastien Tellier,  | © laut.de (Fotograf: Christoph Dorner) Sebastien Tellier,  | © laut.de (Fotograf: Christoph Dorner) Sebastien Tellier,  | © laut.de (Fotograf: Christoph Dorner) Sebastien Tellier,  | © laut.de (Fotograf: Christoph Dorner)

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3 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    verbieten verbiente, einsperren, erschießen und straße nache ihnen bennenen!
    Ich fordere Härte, Gewalt und Härte...
    vor allem gegen terroristische Chansonfans!

  • Vor 10 Jahren

    Geile Aktion vom Tellier, das muß man ihm schon lassen.

  • Vor 10 Jahren

    @catastrovieh (« @Valhallachen (« verbieten verbiente, einsperren, erschießen und straße nache ihnen bennenen!
    Ich fordere Härte, Gewalt und Härte...
    vor allem gegen terroristische Chansonfans! »):

    ... und wenn ein paar terroristische Chansonfans von nem nix-checkenden Autofahrer breit gefahren worden wären, hätte es bestimmt geheißen "warum hat denn die Polizei nichts gemacht", oder? »):

    Ja! Zum Beispiel die Autofahrer rechtzeitig gewarnt!