Fast ein Jahr nach dem Universal-Signing hat Savas' ehemaliger Schützling den heißersehnten Hit.

Bielefeld (ynk) - Wo auch immer man den Namen Montez abgespeichert hat, sein neuer Sound verlangt nach einer neuen Schublade. Letzten Herbst hat der Newcomer des Jahres von 2011 bei Universal unterzeichnet und im Laufe des Jahres einen Pop-Rap-Song nach dem anderen nachgelegt. Vorbei die Zeiten, in denen er als Feature auf Kool Savas' "Warum Rappst Du" geglänzt hat, heute bekommen wir Autotune-Hooks und wehmütige Bars über verloren gehende Beziehungen. Aber wer suchet, der findet - und mit "Auf Und Ab" scheint er nun endlich den Mainstream-Treffer in den Händen zu haben, auf den er so vehement hingearbeitet hat.

Dieser Song ist aber auch schamlos. Der Refrain ist objektiv gut, so dass diese Nummer bald aus jeder Bluetooth-Box und aus jedem Radio-Sender dudeln wird, aber Herrgott, ist das alles unästhetisch. Die gesamte Produktion ist abgestanden wie Tütensuppe vom Vortag, Montez selbst hat kaum Qualitäten, die erklären, warum er seine Vocals auf diesen Retorten-Hit legen durfte und nicht irgendein anderer, die ganze Kiste könnte kalkulierter und künstlicher nicht klingen.

Ja, wir sind in einer Zeit, in der man Leuten Sellout nicht mehr so wirklich ernsthaft vorwirft. Und ich würde zustimmen - Sellout ist ein dummes Argument, Pop ist genauso wertvolle und coole Musik wie jedes andere Genre - aber können wir hierfür bitte eine Ausnahme machen? Können wir diesen Typen zumindest ein bisschen dafür verurteilen, nach einem Jahrzehnt Rapkarriere allen Sound über Bord zu werfen, um nun die generischste aller Radiomusiken zu produzieren, hinter der er doch unmöglich so stehen kann?

Allein dieses Video - wie er da im Bademanstel wie das Fashion-Kind von DJ Khaled und Capital Bra aussieht und seine ganzen coolen neuen Freunde anruft, Leute wie Bozza, Nico Santos, Katja Krasavice, die schweizer TikTok-Influencerin Chiara Castelli, der Ehemann von Dagi Bee: Eine einmalige Schmutzparade von allem, das deutschen Pop beschissen macht, die er da auffährt. Wenn ihn diese neue Pop-Facette glücklich macht, dann sei ihm der kommerzielle Erfolg vergönnt. Hier wurde offensichtlich mit Präzision Marktanalyse und Marketing betrieben. Aber woah, diesen Plastikgeschmack kriegt er so schnell nicht mehr von der Zunge.

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