Comeback zweier Hard'n'Heavy-Legenden: Das legendäre Festival und Ritchie Blackmore's Rainbow! Mit Thin Lizzy und Manfred Mann's Earth Band.

Loreley (giu) - Ronnie James Dio hatte ganz oben offenbar doch kein gutes Wort einlegen können: Statt eines Regenbogens erschien kurz vor dem ersten Auftritt Ritchie Blackmores mit seinen Rainbow nach über 20 Jahren kein Regenbogen - sondern eine düstere Wolke, die sich über der ohnehin schon klitschnassen Loreley entlud.

Kaum vorüber, ließ sich der Maestro von Ehefrau Candice Night auf die Bühne begleiten. Sie machte sich aber gleich vom Acker. Schließlich stand nicht die gemeinsame Strumpfhosenmusik auf dem Programm, sondern die Gassenhauer, die Ritchie Blackmore in den 1970er und 1980er Jahren nur so aus dem Ärmel geschüttelt hatte.

Von seiner ersten Band Deep Purple stand natürlich keiner auf der Bühne, von den vielen ehemaligen Mitgliedern von Rainbow ebenfalls nicht. Keyboarder Jens Johansson (ehemals Yngwie Malmsteen) und die Rhythmusgruppe von Blackmore's Night lieferten jedoch eine zuverlässigen musikalischen Hintergrund für die legendären Soli Blackmores ab.

Der starke Auftritt eines Youtubers

Der zeigte sich am Freitagabend allerdings nicht ganz auf der Höhe. Im Gegensatz zu Sänger Ronnie Romero, der ihm mit seiner gewaltigen Stimme schon fast die Show stahl. Vom Look her erinnerte der zwar eher an George Michael, doch schon im Opener "Highway Star" war klar: Candice Knight hatte auf Youtube genau den richtigen Mann gefunden - den Sänger der spanischen Metalband Lords Of Black.

Dem Chilenen gelang das Kunststück, mal nach Ian Gillan ("Child In Time", "Perfect Strangers"), mal nach David Coverdale ("Mistreated") und vor allem nach Dio ("Man On The Silver Mountain", "Catch The Rainbow", "Stargazer", "Long Live Rock'n'Roll") zu klingen. Während sich Blackmore vornehm zurückhielt und sich an seiner Stratocaster zuweilen schwer tat, heizte Romero dem Publikum ordentlich ein.

Thin Lizzy sorgen für gute Stimmung

Wie schon einige Stunden zuvor Thin Lizzy, die das Festival eröffnet hatten. Während viele der Zuschauer noch vor einer Baustelle am bedrohlich hoch fließenden Rhein standen oder versuchten, ihr Auto im Schlamm zu parken, sorgten sie trotz Regen für gute Stimmung. Dass kein Gründungsmitglied auf der Bühne stand, war letztlich nicht weiter tragisch, schließlich spielten die wechselnden Begleiter von Frontmann Phil Lynott, dem seine Alkohol- und Drogenexzesse 1986 zum Verhängnis wurden, eine untergeordnete Rolle.

Das dienstälteste Nochmitglied, Gitarrist Scott Gorham, bot als Guest Stars immerhin Tom Hamilton (Bass, Aerosmith) und Scott Travis (Schlagzeug, Judas Priest) auf. Letzterer war kurzfristig eingesprungen, nachdem Mikkey Dee von Motörhead abgesagt hatte. Der amerikanische Akzent von Sänger Ricky Warwick passt allerdings nicht so recht zu den irischen Wurzeln der Band. Ebensowenig der finale Gassenhauer "Whiskey In The Jar", vom Publikum jubelnd aufgenommen, von Lynott immer aber gehasst.

Hinter der Keyboardwand

Deutlich ruhiger ging es bei Manfred Mann's Earth Band zu, der ein Gesicht zog wie drei Tage Regenwetter - womit er meteorologisch gesehen gar nicht so falsch lag - und sich hinter einer Keyboardwand verschanzte. Etwas zu brav bot er viel zu lange Versionen seiner bekanntesten Stücke - kein einziges davon aus seiner Feder, darunter gefühlt drei Mal "Davey's On The Road Again".

So hatte man am Ende des Abends irgendwie den Eindruck, drei Coverbands um einen legendären Musiker erlebt zu haben. Lustig und gelungen wars trotzdem. "Smoke On The Water" beendete den Festivalabend samt Feuerwerk. Viel Rauch, ja, aber auch viele Erinnerungen an die guten alten Zeiten. Am Samstag gastierte Monsters Of Rock mit demselben Line-Up am Viadukt Bietigheim-Bissingen.

Fotos

Monsters Of Rock 2016 Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley.

Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher) Das Comeback des legendären Hard'n'Heavy-Festivals auf der Loreley., Monsters Of Rock 2016 | © laut.de (Fotograf: Jochen Dreher)

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Wer noch nie einen Song von Manfred Mann, bzw. seiner hauseigenen Earth Band gehört hat, ist entweder taub oder lebt in der Abgeschiedenheit der Wüste.

5 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 3 Jahren

    Leider ist der Autor des Beitrags wenig objektiv und der Bericht subjektiv gefärbt. Blackmore ist - da bin ich mir mit ihm einig - einer der am meisten verkannten Musiker der Rockgeschichte. Im gebürte ein viel höherer Stellenwert, als er ihn öffentlich hat. Das liegt wohl auch an seiner Zurückhaltung, sogar auf der Bühne. Aber auch an Autoren wie diesem hier, die Blackmores späteres Schaffen als "Strumpfhosenmusik" und "bedeutungslose Mittelalterjahre" (wie in anderen Rezenssionen zu lesen) disqualifiziert.
    Blackmore hat mit sich im Gegensatz zu fast allen der Rocker seiner Altersklasse weiterentwickelt, hat mit Blackmores Night wieder einen völlig neuen, noch nie dagewesenen Musikstil entwickelt, mit noch mehr Qualität, Präzision und Feingefühl als früher. Statt immer noch starr im Stile seiner Jugendmusik zu verharren, sucht er rastlos nach immer neuen Ausdrucksweisen und Stilen für seine Musik.
    Vielen alten Rockfans mag dies nicht gefallen. Man muß seinen Renaissance-Rock nicht unbedingt mögen - jeder hat seinen anderen Geschmack - aber es sollte auch dann möglich sein, auch diese Seite seines Schaffens gebührend zu respektieren und nicht abschätzig zu diffamieren. Ich mag ihn und Candice auch für ihr Blackmores Night Projekt und freue mich auf die Konzerte im Juli.

    • Vor 3 Jahren

      "Blackmore hat mit sich im Gegensatz zu fast allen der Rocker seiner Altersklasse weiterentwickelt, hat mit Blackmores Night wieder einen völlig neuen, noch nie dagewesenen Musikstil entwickelt, mit noch mehr Qualität, Präzision und Feingefühl als früher. Statt immer noch starr im Stile seiner Jugendmusik zu verharren, sucht er rastlos nach immer neuen Ausdrucksweisen und Stilen für seine Musik."

      d e r ist gut :D :D

      d a s lass mal nicht echte heldinnen dieser msuik hören. denn mckennit, gerrard und diverse fee-folk-bands gab es längst. jedoch weit weniger kitschig als bei night/blackmore

  • Vor 3 Jahren

    in Ergänzung zu Matsch: neben fehlender Objektivität fehlt es insbesondere an der Richtigkeit. So handelt es sich bei Tom Hamilton um den Bassisten von Aerosmith und nicht von Judas Priest (besser zuhören, wenn die Künstler explizit auf der Bühne vorgestellt werden).
    Dem Thin Lizzy-Sänger Ricky Warwick (einen Nordiren) einen amerikanischen Akzent zu unterstellen, das tut dann fast schon weh...

  • Vor 3 Jahren

    in Ergänzung zu Matsch: neben fehlender Objektivität fehlt es insbesondere an der Richtigkeit. So handelt es sich bei Tom Hamilton um den Bassisten von Aerosmith und nicht von Judas Priest (besser zuhören, wenn die Künstler explizit auf der Bühne vorgestellt werden).
    Dem Thin Lizzy-Sänger Ricky Warwick (einen Nordiren) einen amerikanischen Akzent zu unterstellen, das tut dann fast schon weh...

  • Vor 3 Jahren

    michi60 hat völlig recht! Immerhin wurde die Bandzugehörigkeit von Tom Hamilton inzwischen korrigiert. Am amerikanischen Akzent vom Nordiren Warwick hält der Autor beharrlich fest. Sehr albern, auch wenn man bedenkt, wie tief Warwick in der irischen Folk-Tradition verwurzelt ist (siehe sein Soloalbum: When Patsy Cline Was Crazy (And Guy Mitchell Sang the Blues)/Hearts on Trees). Und dass Phil Lynott "Whiskey in the Jar" tatsächlich gleich hasste, ist mir auch neu. Zwar hat er es nicht sehr oft live gespielt, nach seinem Tod wurde es aber immer wieder auf Tribute-Konzerten aufgeführt, unter anderem von seinem Freund Gary Moore. Wahrscheinlich hat Moore die Aversion von Lynott einfach ignoriert (Ironie aus).
    Ich glaube übrigens, dass sich freuen kann, wer das Festival erst am Samstag in Bietigheim besucht hat – der dortige Auftritt aller Bands, insbesondere von Rainbow, war außerordentlich gelungen und Richie Blackmore in exzellenter Form!

  • Vor 3 Jahren

    Manche Veranstaltungen erinnern fatal an sowas:

    https://www.youtube.com/watch?v=jHP6qDsix1Y

    Und ich wette das sich einige in dem Video nun entdeckt haben. ;)