Ein Telefon-Mitschnitt beweist, dass Metallica-Mitarbeiter sich auf Kosten der Fans bereichert haben. Ob die Band davon wusste, ist unklar.

San Francisco (dok) - Metallica-Mitarbeiter und Verantwortliche des Konzert- und Tourveranstalters Live Nation Entertainment haben einem Billboard-Bericht zufolge im großen Stil Eintrittskarten, die eigentlich für den offiziellen Vorverkauf bestimmt waren, zurückgehalten. Anschließend wurden die Karten demnach bei Wiederverkaufsportalen wie StubHub zu überhöhten Preisen angeboten. Konkret handelt es sich dabei um Tickets für den nordamerikanischen Teil von Metallicas 2017er "WorldWired Tour".

Ziel war es, eine höhere Gewinnspanne zu erzielen, als es mit den Preisen aus den regulären Ticketverkäufen möglich gewesen wäre. Das geht aus einem Telefonmitschnitt hervor, der Billboard vorliegt. Wie das Magazin berichtet, ist auf dem Mitschnitt vom Februar 2017 ein Gespräch zwischen dem amerikanischen Live Nation-Präsident Bob Roux, Metallicas Mitarbeiter Tony DiCioccio und einem Promoter namens Vaughn Millette zu hören.

Das Gespräch soll zustande gekommen sein, nachdem ohne Beteiligung der Band 10.000 Eintrittskarten für das Eröffnungskonzert der Tour auf dem Zweitmarkt verkauft wurden. Das Management der Thrash-Metaler versuchte angeblich auf diese Weise, die für das Konzert zu niedrig befundenen Kartenpreise auszugleichen.

20 Konzerte von Mauschelei betroffen

In einem Statement von Live Nation heißt es: "Nachdem er das Volumen der sekundären Transaktionen für diese Show und die von den Brokern erzielten Gewinne sah, arbeitete der Beauftragte [Tony DiCioccio] mit Live Nation an einer spezifischen Vertriebsstrategie, bei der der Zweitmarkt als Verkaufsplattform für ausgewählte High-End-Tickets diente."

Insgesamt wurden für 20 Konzerte der Tour jeweils 4.400 (insgesamt 88.000) Karten für den Verkauf auf dem Zweitmarkt zurückgehalten. Aus dem Billboard-Bericht geht auch hervor, dass die beteiligten Parteien sich darauf geeinigt hätten, dass sowohl Metallica als auch Live Nation 40% der Einnahmen der Wiederverkäufe erhalten sollten. DiCiccio sollte 12% erhalten und Millette 8%. Strategien, den Deal geheim zu halten, wurden dabei ebenfalls diskutiert.

Für Millette entpuppte sich das Geschäft allerdings als Flopp. Obwohl die Tour insgesamt 111 Millionen Dollar umsetzte, konnte er nicht alle Tickets absetzen. In der Folge weigerte er sich, sehr zum Unwillen von Metallica und DiCioccio, die Erlöse aus den Ticketverkäufen komplett auszuzahlen. Aufzeichnungen eines Gespräches mit Bob Roux und Tony DiCioccio ließ er später Live Nation zu kommen. Diese Aufnahmen gelangten schließlich in den Besitz von Billboard. Auch 2018 arbeiteten Metallica, dieses Mal jedoch ohne Millette, mit Live Nation zusammen, um Tickets auf dem Zweitmarkt abzusetzen.

Live Nation erklärte weiterhin, dass "keine Tickets auf irgendwelchen Plattformen ohne explizite Zustimmung der Künstler vertrieben" würden. In einigen Fällen arbeite man dafür jedoch auch mit Beauftragten oder Managern der Bands zusammen.

Die Band selber nimmt Live Nation in Schutz: Metallicas Mitglieder hätten von dem Deal nichts gewusst. In Anbetracht der großen Zahl der Tickets un der draus resultierenden Einnahmen wirkt das allerdings nicht sehr plausibel. Zudem bleibt DiCioccio allen Vorwürfen zum Trotz weiterhin für das Ticketing der Heavy Metal Band tätig.

Metallica sei zudem nicht der einzige Act, der von dieser Geschäftspraktik betroffen ist. Weiter heißt es vom Konzertveranstalter nämlich, dass "Anfragen dieser Art quasi auf Null" zurückgegangen seien. Stattdessen nutze man heutzutage "dynamische Preisgestaltung, Platin-Sitzplätze und VIP-Pakete, da sich diese als sehr effektiv beim Zurückerobern der an den Schwarzmarkt verlorenen Werte erwiesen haben."

Der Second Hand-Ticketmarkt ist Veranstaltern und Künstlern seit langem ein Dorn im Auge. Rammstein, Ed Sheeran und andere versuchten zuletzt, dem Tickethändler Viagogo mit streng personalisierten Tickets den Wind aus den Segeln zu nehmen.

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