Für die neue Single produziert Alexis Troy ein ganz neues Genre-Gewand für Rin.

Bietigheim (ynk) - Wer hätte das gedacht? Auf der neuen Single "Meer" verlässt Rin jeden Anspruch auf Hip Hop und säuselt eine emotionale Ballade über Grunge-Gitarren. Übrig bleibt nur noch die Songstruktur eines Trap-Hits, dessen Zentriertheit auf den griffigren Refrain und extrem kurze Dauer auch hier ein bisschen mehr Druck macht. Und die ganze Zeit fragt man sich: Ist das jetzt furchtbar oder fantastisch?

Ehre geben, wem Ehre gebührt: Das Instrumental von Alexis Troy ist irre. Natürlich geht es nicht in die Tiefe und wird nur dem oberflächlichsten Sound-Gefühl des Grunge-Genres gerecht, dafür macht es das aber einwandfrei. Die Gitarren, gerade das melodramatische Outro, klingen wundervoll, und wenn der Bass einsetzt, entsteht sehr viel Druck nach vorne. Generell macht "Meer" einen fantastischen Job, den nostalgischen Moment eines slappenden Grunge-Refrains in einen zweiminütigen, modernen Banger zu übersetzen.

Auch Rin stellt sich musikalisch nicht schlecht an: Seine Vocals haben eine interessante Textur auf dem Beat, sein Stimmeinsatz profitiert von zurückhaltender Ernüchterung, gerade seine "Wow-ows" klingen überraschend gut. Das Problem ist eher: Warum macht der Junge überhaupt "Wow-ows"? Die ganze Nummer stinkt ein bisschen nach "Smells Like Teen Spirit"-Cover auf einer Burschenschafts-Party.

Seine weinerlichen und holprigen Lyrics über eine irgendwie kaputt gegangene Beziehung könnten egaler kaum sein, arg viel Präsenz entfaltet er nicht, seine Versuche, irgendwie an Juice WRLD- oder Lil Peep-Charisma zu kommen, machen nur deutlicher, was für ein blasser Performer er eigentlich immer schon war. Der Sound ist zu gut, um "Meer" richtig zu hassen. Aber warum brauchen wir dreißig Jahre später fantasielose Nirvana-Rips mit pseudo-deeper Influencer-Ästhetik? Rin möge ein Album nachreichen, das das erklärt.

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laut.de-Porträt RIN

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8 Kommentare mit 4 Antworten

  • Vor einem Monat

    NIcht übel. Aber bin ich der einzige, der das Gefühl hat dass das immernoch nicht von der "Hier ist ein Beat und dann packe ich noch den/die Rapper*in über den Beat"-Produktion wegkommt? Vielleicht würde es ja auch mal gut tun einfach etwas weniger Prägnanz in den Vocals zu wagen. Korrigiert mich, wenn ich damit irgendwo eine Szene-Philosophie etwas außer Acht lasse.

  • Vor einem Monat

    Rin, bidde mach uns den Kurt, ohne Helm und ohne Gurt. Im ernst, der ist doch faker als Bushido. Kann mir doch keiner erzählen, dass der mit dieser Frisur jemals 1 Beziehung hatte.

    • Vor einem Monat

      Disclaimer, damit niemand ein mimimi beginnt: Es war Spaß, natürlich habe ich grossen Respekt vor Rin, denn seine "Kunst" geht natürlich "total tief" und ist viel realer als dieser "primitive Strassenrap" oder diese total "nervige Dance/Pop Musik".

  • Vor einem Monat

    Der Artikel an sich hat bei mir zunächst für Aufmerksamkeit gesorgt, aber das musikalische Ergebnis ist dann irgendwie nicht mehr als ein irgendwie nicht zusammenpassenwollendes Konglomerat aus überproduzierten Vocals und einem Beat, der nicht mehr als ein Abklatsch von Heart-Shaped Box von Nirvana ist. Schade, dabei wollte ich es gut finden.