Zwei Tage nach dem Tod von 19 Menschen zeigt sich ganz Deutschland tief bestürzt. Doch wer hat Schuld an der Katastrophe?

Duisburg (hns) - Nach der Massenpanik auf der Loveparade am Samstag, in der 19 Raver zu Tode gequetscht und über 300 verletzt wurden, beginnt die Suche nach den Verantwortlichen. In die Trauer um die elf Frauen und acht Männer zwischen 18 und 38 Jahren mischen sich bereits klare Schuldzuweisungen.

"So geht es nicht"

Frank Richter, Chef der Gewerkschaft der Polizei, wettert im Interview mit WDR2 gegen die Genehmigungsbehörde Duisburg. Das Problem des Tunnels sei bekannt gewesen, aber "das sei überhaupt gar kein Problem", zitiert Richter die Behörde. Die Polizei habe sogar ihre Zuständigkeiten überschritten, um Schlimmeres zu verhindern.

Bürgermeister attackiert

Duisburgs Bürgermeister Adolf Sauerland zeigt sich dem Westdeutschen Rundfunk gegenüber "zutiefst betroffen und bestürzt". Nachdem die gestrige Pressekonferenz mehr Fragen als Antworten lieferte, bekam Sauerland die ganze Wut der Trauernden zu spüren. Nicht nur Buhrufe wurden dem Bürgermeister entgegengeschleudert. Es kam zu Übergriffen, die nur von Personenschützern abgewendet werden konnten. Zu den aufkommenden Rücktrittsforderungen versichert Sauerland, dass er sich "der Frage der Verantwortung stellen" werde.

Kommerzielle Interessen statt Sicherheit?

Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Wolfgang Orscheschek sieht Gründe kommerzieller Natur. Die Toten seien "Opfer materieller Interessen". Das Gelände, ein alter Güterbahnhof, ist, so Spiegel Online gestern, lediglich für 250.000 Menschen zugelassen worden. Mit etwa doppelt so vielen Gästen wurde gerechnet. Der Veranstalter sprach vor dem Unglück jedoch von 1,4 Millionen Ravern. "Mehr An- und Abwege" seien laut Meinung des Göttinger Panikforschers Gerald Pajonk nötig gewesen, wie er gestern dem WDR bestätigte.

Akten beschlagnahmt

Wenige Stunden nach der Massenpanik beschlagnahmte die zuständige Staatsanwaltschaft wichtige Akten, die die Genehmigung der Loveparade betreffen. Sie werden zur Stunde ausgewertet und sollen die von allen Seiten erhoffte Klarheit bringen. Für den Konzertveranstalter Marek Lieberberg ist jedoch längst klar: "Das ist kein tragisches Unglück, sondern ein Verbrechen", wie er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung verlauten ließ.

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18 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    also nachdem was man alles so hört, kann es eigentlich nur fahrlässige tötung sein. wer insgesamt 1,4 miillionen leute auf ein für 250k personen ausgelegtes areal zulässt, kann sich nicht mehr rechtfertigen.

    dass der bürgermeister dusiburgs sich so äußert: "Es ist dafür gesorgt worden, dass nur die Größenordnungen in den Tunnel geleitet wurden, die der Tunnel verkraftet" ist ein skandal

  • Vor 10 Jahren

    ICH laste dieses tragische Ereignis den Bedenkenträgern und Bierpinklern im Berliner Senat an, die mittels Kommerz-Gründen und Naturschutz-Argumenten das lustige und friedliche Mega-Event an andere deutsche Städte abgeschoben haben. Btw: Bochum hat 2009 verzichtet...

    Schon im Vorfeld wurde ausführlich gewarnt, die Kommentare auf "DerWesten" vom Dienstag, 20.7.:
    http://www.derwesten.de/kultur/musik-und-k…
    QUALIFIZIERTE WARNUNGEN ZUHAUF !

    Der Sicherheitsbeauftragte Rabe sprach heute, am Tag nach der LP (Sonntag, 25.7., 8:00, n-tv) von "menschlichem Fehlverhalten" und wies jegliche Verantwortung von sich - ich hätte ihm gerne eine gescheuert. Panikforscher Prof. Dr. Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen verteidigte sein Sicherheitskonzept: "Es gibt aber immer Menschen, die sich nicht an die Spielregeln halten." - ich hätte ihm gerne eine gescheuert.

    Die Pressekonferenz "danach", heute, Sonntag 25.7. 12:00, dürfte ähnlich verlaufen - alle Opfer selber schuld. Update: Diese Pressekonferenz war eine Orgie von Arroganz und Dummheit. Die "Verantwortlichen" offenbarten sich als unverschämte Geschäftemacher ohne Verantwortungsgefühl und ohne Einsicht.
    Die exakten Analysen der Situation sind ja nun überall nachzulesen - für mich stellt sich ein nicht mehr fahrlässiges Vorgehen der Veranstalter dar, sondern ein vorsätzliches. Kriminell, das ganze Gesoxe.

    Anmerkung: Ein ruhiges und beruhigendes Chilling Out ab 17:30 war die Mucke nicht gerade, auf WDR konnte man live erleben, wie die hilflosen WDR-Moderatoren gegen die Bässe zu sprechen versuchten. Die MainActs DJ Westbam und David Guetta sagten ihren Auftritt ab, Guetta: ?Was heute passiert ist, ist herzzerreißend und noch nie dagewesen. Meine Fans, die gekommen sind, um mit mir zu tanzen, werden verstehen. Wenn ihr da seid, seid bitte vorsichtig und kommt gut nach Hause. Mein aufrichtiges Mitgefühl gilt allen, die betroffen sind.?

    Z.Zt. 19 Tote und 342 Verletzte
    R I P

    [http://booklookerforum.de/viewtopic.php?f=…

  • Vor 10 Jahren

    Hier was recht intelligentes über die Frage "Wer ist schuld?":

    http://www.hdschellnack.de/tod-und-spektak…

  • Vor 10 Jahren

    Klar sind die Veranstalter Schuld die nur Profit sehen, auch die Politiker (und Medientypen wie ein Pleitgen!) die fürs Image immer größere und dümmere Event wollen (Party auf der Autobahn etc)die den Ruhrpott nach der Kohle vermarkten.
    Die einen Loben die Polizei andere geben auch der eine Mitschuld und es wird - wie so oft - ein Mosaik von Gründen sein.

    Aber auch den Herrschaften die immer diese schneller-weiter-höher Event soooo toll finden und da nun schon zu Millionen hinlatschen , muß man fragen ob sie denn in den Tunnel "getrieben" wurden - freilich die im Tunnel , also den Opfern trifft die wenigste Schuld, aber die Herrschaften die weiter dareindrängten nur weil Tore offen waren - und damit die Panik auslösten/verstärkten, muß man doch auch fragen warum die das taten? Sind wir alle Lemminge die blind der Masse folgen und von Ordnern an die Hand genommen werden müssen? Muß man durch jedes offene Tor drängen wenns vorne nicht weitergeht?
    Im Tunnel kann man nix mehr machen, aber davor kann man doch auch mal innehalten, andere auffordern nicht so nachzudrängen wenn man sieht das es einen Stau gibt.

    Warum überhaupt 1,4 Millionen auf ein Gelände gehen das nur Platz für ein Viertel davon hat - und zumindest ortskundige hätten das wissen/merken können - die Frage wage ich schon gar nicht zu stellen...

  • Vor 10 Jahren

    Und ich prangere Geschmacksverschtärker an!

  • Vor 10 Jahren

    mittlerweile leider schon 21!