In der Volksbühne Berlin erfüllte Elisabeth Grant alias Lana Del Rey ihre Rolle als das Thema der Stunde perfekt.

Berlin (mma) - Busta Rhymes' "Gimme Some More" ertönt als Einlaufhymne für Lana Del Rey in der Volksbühne Berlin. Das zeugt vom Selbstbewusstsein des "Online-Hype des Jahres" (Universal). Der Triumph ist quasi vorab gebucht - dass man mehr von Lana hören und sehen wollen würde, steht da außer Frage. Und tatsächlich erfüllt Elisabeth Grant alias Lana Del Rey ihre Rolle als heißestes Thema der Stunde auf der kleinen Bühne des roten Salons perfekt.

Auf zwei Ballons an den Bühnenseiten werden die nostalgischen Videoschnipsel projiziert, die wir aus den Youtube-Auftritten kennen. Begleitet wird Del Rey von einer vierköpfigen Backingband. Darüber hinaus vertraut die Chanteuse ganz auf die zutiefst ambivalente Inszenierung ihrer selbst als retromodernistische Songwriterin.

Eine zutiefst ambivalente Inszenierung

Da wäre ihr Outfit: Ganz in weiß, in eher biederem, langem Häkelrock und weißem Top tritt sie auf – gleichzeitig liegen die Teile eng genug an, um manch Geheimnis gleich wieder zu lüften. Dazu trägt sie viel Make-up, ein Kreuz um den Hals und zentimeterlange falsche Wimpern – zugleich aber auch dicke, imprägnierte Goldringe und aufwändig designte Fingernägel als weniger zeitlose Fashion-Insignien.

Nicht minder dualistisch präsentiert sich die New Yorkerin in Mimik und Gesten. Den Satz getragener Soul- und Popballaden, den die Sängerin als erste Hälfte ihres 2012 erscheinenden Albums "Born To Die" ankündigt, trägt sie mit bedächtigen Gesten und viel Schlafzimmerblick vor. Lana Del Rey bewegt sich beinahe anmutig über die Bühne, verschwendet keine Bewegungen, sondern unterstreicht die Dramaturgie ihrer Songs.

Femme Fatale vs Modern Soul

Im selben Moment löst die Kunstfigur zwischen den Stücken allerdings das divenhafte Moment durch freundliche Ansagen auf. Sie sei sehr froh, wieder in Berlin, am Ort der Vertragsunterzeichnung zu sein, verkündet Grant, während sie damenhaft nach der Wasserflasche kniet. Artig stellt sie ihre Band vor, lächelt herzlich beim Applaus und übt sich am Ende in maximaler Bescheidenheit: "Der nächste Track wird wohl aufs Album müssen", heißt es vor "Video Games".

So entsteht ein glitzernder Kontrast aus Femme Fatale-Karikatur, die den Independence Day besingt oder archaische Männerbilder vergöttert, und der nahbareren Modern Soul-Sängerin, die nicht zuletzt mit den zahlreichen "Fucks" in den Songs ihre urbane Schulung unterstreicht. Der Appell an Lana Del Rey ist klar: Gimme some more von diesen Uneindeutigkeiten!

Fotos

Lana Del Rey

Lana Del Rey,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Lana Del Rey,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Lana Del Rey,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Lana Del Rey,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Lana Del Rey,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Lana Del Rey,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Lana Del Rey,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Lana Del Rey,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Lana Del Rey,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Lana Del Rey,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Lana Del Rey,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Lana Del Rey,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Lana Del Rey,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug)

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