Das Anhaltische Theater in Dessau bietet der Band nun doch eine Auftrittsmöglichkeit an. CDU-Politiker finden dies empörend.

Dessau (hhu) - Nachdem das Anhaltische Theater in Dessau letzte Woche nach Kritik aus den Reihen von CDU und AfD erklärt hatte, für einen vom ZDF organisierten Auftritt der linkspolitischen Band Feine Sahne Fischfilet nicht zur Verfügung zu stehen, fand dort nun ein Umdenken statt, wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet. Man habe verstanden, "dass der Diskurs über Kunst nur geführt werden kann, wenn die Kunst sich unbedingt in aller Freiheit präsentieren kann. Auch beim Publikum bitten wir um Entschuldigung für die viel zu lange Leitung", heißt es in einer Erklärung reumütig. Kontakt mit der Band zwecks einer Ausweichlocation sei bereits aufgenommen worden.

Die CDU Dessau kritisiert derweil dieses Zurückrudern. In einem Eilantrag erklärten sich die Mitglieder "solidarisch mit der Entscheidung des Bauhauses, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen und die linksextreme Musikgruppe Feine Sahne Fischfilet auszuladen". Damit würde kein Zeichen für die Kunstfreiheit gesetzt, sondern vielmehr Linksextremisten Tür und Tor geöffnet. Auch Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder ist empört und fragte: "Müssen wir jegliche Provokation und Zuspitzung zulassen? Will man eine linke Band mit staatsfeindlichen Texten am Bauhaus haben?"

Die Band sollte anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums im November auf der historischen Bauhaus-Bühne auftreten. Nach der heftigen Kritik auf die Dessauer Absage warf das Bauhaus Archiv in Berlin den Kollegen eine Misinterpretation der Bauhaus-Geschichte vor. Der Versuch, die Institution als unpolitisch darzustellen, widerspreche der historischen Realität. Daher seien Feine Sahne Fischfilet im Berliner Archiv jederzeit willkommen.

Auch die Weimarer Bauhaus-Universität kritisierte die Dessauer Entscheidung harsch. In einem Schreiben an die Dessauer Direktorin Claudia Perren beschwerte sich Professor Max Welch Guerra, dass diese sich "politischem Druck von rechts" gebeugt habe. Er würde sich daher freuen, die Band nach Weimar einzuladen.

Diese Welle der Solidarität lässt die Band jedoch kalt. In einem Facebook-Statement erklärten FSF noch am Freitag, unbedingt in Dessau auftreten zu wollen: "Wir werden uns von diesen Erbärmlichkeiten nicht einschüchtern lassen. An all die coolen Menschen aus Sachsen-Anhalt: Haltet euch den Termin frei! Versprochen ist versprochen, da kann die CDU, die AFD und die ganzen Jennys aus Köthen kotzen wie sie wollen. Am 6.11 sehen wir uns in Dessau!"

Wer sich ein Bild über wirkliche Gefahren machen will, nämlich den wachsenden Einfluss deutscher Neonazi-Netzwerke in der Musikszene in Sachsen und Thüringen, sei die ARD-Doku "Rechtsrockland" von Johanna Hemkentokrax und Axel Hemmerling empfohlen.

Fotos

Feine Sahne Fischfilet

Feine Sahne Fischfilet,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Feine Sahne Fischfilet,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Feine Sahne Fischfilet,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Feine Sahne Fischfilet,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Feine Sahne Fischfilet,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Feine Sahne Fischfilet,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Feine Sahne Fischfilet,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Feine Sahne Fischfilet,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Feine Sahne Fischfilet,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Feine Sahne Fischfilet,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof)

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7 Kommentare mit 22 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Dass CDU-Politiker das empörend finden, finde ich empörend!

  • Vor 3 Jahren

    Haha die eine Meinungsdiktatur hat die andere gefressen. Sagt mal bin ich der einzige der es befremdlich findet, dass jetzt sogar Punkbands sich vor den Karren der Regierung spannen lassen?

    • Vor 3 Jahren

      CDU reagiert empört.
      CDU ist zZt. in der Regierungskoalition.

      Einladung FSF durch ZDF und Bauhaus.

      Aqua: "Punkband lässt sich vor Regierungskarren spannen!"

      Aha!

    • Vor 3 Jahren

      Band arg mittelmäßig aber Erfolg durch Außenwahrnehmung ist enorm..und das in einem Genre was eigentlich dead ist..welche kidz ( in der Mehrheit) hören noch punk oder rock

    • Vor 3 Jahren

      @runen: oft die, die nicht aus'm slum kommen, keinen Migrationshintergrund haben, mit zwei präsenten Elternteilen, die halbwegs eine sozial-konservative Erziehung und Wertevermittlung geniessen durften. Stimmt schon - sind nich' allzu Viele

    • Vor 3 Jahren

      das sind die heutigen rest punk und rock hörer ? puh dann bin ich froh das ich da seit 6 Jahren raus bin ^^

    • Vor 3 Jahren

      "...dass jetzt sogar Punkbands sich vor den Karren der Regierung spannen lassen?"

      Was zur Hölle redest du wieder für einen Quatsch?

    • Vor 3 Jahren

      @Paranoid: Schon wieder glänzt du mit Unwissen und bloßem rumgekeife: Wirsindmehr Konzert? Klingelt da was? Das gleiche gilt auch für den Schwinger. Wenn sogar der Bundespräsident dafür Werbung macht. Aber ist klar, alles Quatsch. Fragen sind unerwünscht. Kritik ebenso.

    • Vor 3 Jahren

      Achso Android: Steinmeier macht Werbung für FSF. Steinmeier ist in der SPD. SPD ist momentan in der Regierugn. OHO!

    • Vor 3 Jahren

      Wenn Steinmeier sagt, dass er gerne Döner mampft, heißt das dann auch, dass alle Dönerbuden dieses Landes mit der Regierung unter einer Decke stecken?

    • Vor 3 Jahren

      @Aqualung: Und... was hat das wirsindmehr-Konzert mit dem aktuellen Fall hier zu tun? Der einzige gemeinsame Nenner ist, dass FSF in beiden Fällen beteiligt ist. Im aktuellen Fall kriegt die Band allerdings (im Gegensatz zu wirsindmehr) keine Gegenliebe von der Regierung, ganz im Gegenteil.

      Aber ist klar, alles Quatsch. Fragen sind unerwünscht. Kritik ebenso. wirsindmehr ist das generische 0815-Standardargument, das im Kampf gegen Links einfach immer und überall passt. wirsindmehr ist quasi das neue "Danke, Merkel".

    • Vor 3 Jahren

      Wenn Steinmeier als öffentliche Person Werbung für eine bestimmte Dönerbude machen würde, bestünde ein realistischer Verdacht, ja.

      Wobei ich eher glaube, dass das Ganze einseitig ist. Sprich: Die SPD will sich an alte Wähler anbiedern, indem sie FSF instrumentalisiert. FSF hingegen sind komplett egal und künstlerisch sowie politisch ohnehin bankrott, so dass sie sich über jede Art der Möglichkeit freuen, politisch irgendeine Rolle spielen zu dürfen.

    • Vor 3 Jahren

      Besonders belustigend sind aber die Leute hier, die es scheinbar vereinbar finden, als (angebliche) Punker mit dem ZDF zusammenzuarbeiten.

    • Vor 3 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 3 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 3 Jahren

      Und mit Zusammenarbeit meine ich jetzt nicht "wir lassen uns für eine Doku filmen" oder sowas, sondern Zusammenarbeit im Musikantenstadlstil, als geladener Gast auf einer ZDF-Bühne.

    • Vor 3 Jahren

      "Aber ist klar, alles Quatsch. Fragen sind unerwünscht. Kritik ebenso."

      Mimimimimimimimimimimimi

      "Steinmeier macht Werbung für FSF. Steinmeier ist in der SPD. SPD ist momentan in der Regierugn. OHO!"

      genau, OHO....
      Steinmeier ist Bundespräsident und somit parteipolitisch neutral.

      http://www.bundespraesident.de/DE/Amt-und-…