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OKTOBER: STORYS

Freshman Mirco: Ich glaube, es gab dieses Jahr keinen Monat, in dem Kanye nicht irgendetwas sehr, sehr Dummes verzapft hat, aber im Oktober hat er dann wirklich endgültig den Anfang vom Ende eingeleitet. Zuerst eine Yeezy Fashion-Show mit "White Lives Matter"-Shirts, und anschließend immer expliziter werdender Antisemetismus. So ganz hab' ich immer noch nicht verarbeitet, dass das alles passiert ist. Genauso wenig wie den Fakt, dass es in den folgenden Monaten noch so viel schlimmer werden würde. Zack Fox hats schon 2018 geahnt:

... und ich Idiot hab' mir ernsthaft wenige Monate vorher ein MBDTF-Tattoo stechen lassen. Aber schnell Themawechsel, bevor ich zu lange darüber nachdenke. Äh, Peter Fox ist wieder da und Musik-Deutschland springt deshalb seit zwei Monaten klatschend im Dreieck. Wieso, hab' ich immer noch nicht wirklich verstanden, ihr etwa?

Dieser Yannik™: Nos-tal-gie. Nostalgie ist die dominante Macht im Musikbetrieb. Leute freuen sich, dass der Mann aus ihrer Kindheit auf VIVA zurück ist und wieder Sachen macht, die sie an damals erinnern, als man noch nicht so sehr über Klimawandel, Krieg oder Kanye West nachgedacht hat. Ich fand den Song ganz okay, denke ich? Ich mein, Homeboy hat - je nachdem, wen man fragt - das beste Deutschrap-Album aller Zeiten gemacht. Da kann man schon ein bisschen enthusiastisch werden. Ein bisschen phrasig fand ich "Zukunft Pink" ja auch, aber es hatte sein Herz am rechten Fleck und ein paar geile Momente. Die Elon-Line, zum Beispiel. Ich glaube, mein Hauptproblem ist tatsächlich die Gasthook. Die ist nicht schlecht, aber auch weit entfernt von großartig. Ich glaube, jemand anders oder Peter selbst hätte die besser hingekriegt.

Yo Grandma Fromm: Genau wegen dieser zu erwartenden Welle an Begeisterung von Nostalgie-Fans, "Endlich wieder guter deutscher Rap! Mit Inhalt! Ganz ohne Mütter zu ficken!!", hatte ich den totalen Abwehr-Reflex, als ich vom geplanten Comeback von Peter Fox hörte. Ich hatte gedacht, ich würde "Zukunft Pink" deswegen ohnehin hassen, war dann aber überrascht, wie gut mir das dann doch reingelaufen ist. Groovy, halt, und schon irgendwie fresh. Interessant, aber auch ungeheuer anstrengend fand ich die Diskussion um kulturelle Aneignung, die der Song nach sich zog. Ganz ohne irgendeine Form der Aneignung wirds halt echt schwierig mit Kultur.

Schwierigkeiten hatte auch Danger Dan - mit dem ZDF. Die kürzten die Laudatio, die der Antilopengangster bei einer Preisverleihung auf Igor Levit hielt. Um AfD-Sympathisanten als das zu bezeichnen, was sie sind, war angeblich keine Sendezeit mehr übrig. Wir sind ja aber Onliner, wir haben Platz. Wir helfen gerne aus:

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