Seite 3 von 22

Gedanken, Pt. 2

Das aber nur am Rande. Kommen wir zum Wesentlichen: Wie können wir sicherstellen, dass sich wirklich etwas verändert? Wie erreichen wir, dass das alles mehr als ein Twitter-Hashtag für die nächsten zwei Wochen ist? Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir im Deutschrap-Kosmos ein Sexismus-Problem angehen wollen. Ich erinnere mich an viele Lippenbekenntnisse und Stuhlkreise zu dem Thema, die am Ende auch nichts geändert haben. Gescheitert sind wir oft an der unkonkreten Ambition und dem guten Willen, der über konkreten Zielen und Schritten gelegen hat. Versuchen wir also doch einmal, aufzudröseln. Wir wollen, dass sich etwas verändert. Schön. Dann müssen wir drei grundlegende Fragen beantworten: Was wollen wir genau verändern? Wen betrifft das vorrangig? Und wie verändert man Dinge überhaupt?

Was soll sich ändern?

Ich schlage vor, zwei Hauptthesen aufzustellen. Die sind in meinen Augen zwar Seiten derselben Münze, aber auch nicht das gleiche:

a) Die Rechenschaft von Tätern. Wie jedes #MeToo-Movement, hat auch dieses das Ziel, Täter zur Verantwortung zu ziehen, die von Gerichten nicht belangt werden. Entweder, weil die zu voreingenommen sind, oder weil die Beweislage zu dünn ist. Wir müssen also ein Diskursfeld schaffen, das es potentiellen Opfern so leicht wie möglich macht, ihre Geschichten zu teilen und anzusprechen, was sie erfahren haben, ohne sofort Ächtung, Infragestellung und Zweifel zu erfahren.

b) Die Arbeit gegen Rape Culture in Deutschrap. Misogynie hat in Deutschrap eine Normalität erreicht, die nur abstumpfen lassen kann. Es wird Zeit, diese Stumpfheit zu verlernen und genuin gegen dieses Mindset vorzugehen, das es so normalisiert hat, Frauen als sexuelle Objekte und sonst nichts zu sehen. Sprich: Diese Denkmuster müssen geächtet werden, wie wir das N-Wort geächtet haben. Droppt jemand eine frauenverachtende Line, dann muss man darauf reagieren, wie man auf jede andere grobe Uncoolheit reagiert: mit Fremdscham, Augenrollen, Kritik und Weggehen. Nur so trifft es Künstler langfristig in den Finanzen.

Wer soll sich ändern?

Konkretisieren wir also kurz, über wen wir eigentlich sprechen. Bleiben wir hierfür in den Unterteilungen von a) und b)

a) Zum Rechenschafts-Aspekt: Denkt nicht einmal daran, zu glauben, es gehe hier nur um Straßenrapper. Wir sind alle chauvnistisch und patriarchal aufgewachsen, und die Spuren davon, wenn auch verschieden stark, haften uns allen irgendwo im Unterbewusstsein an. Heißt: Ein Rapper, der feministische Seminare besucht, sehr lieb wirkt und über seine Weiblichkeit und Unsicherheiten rappt, kann im Privatleben genauso grenzüberschreitend agieren wie ein Typ, der nur von Koks und Bitches rappt. Tappt auf keinen Fall in die Falle, "believe victims" nach Ermessen, ergo nach Sympathie anzuwenden.

b) Wenn es um Rape Culture geht, dann sprechen wir aber offensichtlich vor allem über Straßenrap. Diese Bubble gehört nämlich Mitgliedern sozial schwacher Gruppen, die ihre Marginalisierung mit einer "Fickt-euch-alle"-Mentalität beantworten. Man darf auch nicht vergessen, dass das ein grundsätzlich emanzipatorischer Aspekt ist, der aber auch Raum öffnet, patriarchale Denke im geschlossenen Raum voll ausleben zu können. Warum machen so viele Straßenrapper misogynen Ich-ficke-deine-Mutter-Rap? Einfach, weil das linear zu anerzogenen Frauenbildern funktioniert und sie gleichzeitig von den Gruppen abgrenzt, von denen sie wissen, dass es sie provoziert. Das funktioniert essentiell wie bei deutschen Konservativen, die auch wunderbar über Themen bonden können, von denen sie wissen, dass ihre Gegner sie komplett zum Kotzen finden.

Wie ändert man Dinge?

a) "Believe Victims" ist leicht gesagt, wenn man essentiell erst einmal keine Macht in den Händen hält. Rechtstaatlichkeit und die Unschuldsvermutung sind hohe zivilisatorische Güter, die hier aber völlig nutzlos sind. Zwei Dinge könnte man aber trotzdem zum Positiven ändern: Man kann ein gutes Klima des Vorwurfs schaffen - sprich, man kann Klägerinnen den Rücken stärken, ohne deswegen direkt den Beschuldigten vorzuverurteilen. Ein Klima, das Frauen schützt und Täter in die Pflicht nimmt, sich zu äußern, könnte graduell mehr Vorwürfe, Zeugen und Indizien auf den Plan bringen, mögliche Konsequenzen fördern und auch gerichtliches Vorgehen erleichtern. Zum anderen schürt es den zweiten Punkt: Es gewöhnt an den Gedanken, dass Taten auf den Tisch kommen. Die Angst vor Fehlurteilen mag groß bleiben. Aber wie schön wäre es, wenn einfach so viel mehr Täter unter Erklärungszwang geraten würden? Wenn sich Leute überlegen, ob sie an diesem Punkt stehen möchten? Ein großes Problem in einer Rape Culture ist, dass sich Täter unverwundbar fühlen. Öffentliche Callouts mögen sie nicht verknasten, zeigen aber, dass nicht unsichtbar bleibt, was sie tun.

b) Die Frage, wie man den Frauenhass aus den Deutschrap-Nischen kriegt, die ihn zelebrieren, ist eine schwierigere. Das Problem ist eben, dass Ankläger dessen in dieser Sparte erst einmal unter Generalverdacht stehen, gar nicht dazu zu gehören. Nach dem Motto: "Du denkst, Fler sei Frauenfeind? Du raffst doch Fler nicht mal." Oft muss man Kritikern - auch aus der Rapszene - das auch vorwerfen: Sobald sie dieses Thema anreißen, passiert ein krasser Code Switch in Richtung akademischen Diskurses. Auch Backspin oder hiphop.de sprechen dann sofort wie straight vom Gender-Studies-Seminar. Das mag inhaltlich und analytisch Sinn ergeben, sendet aber eine klare Botschaft: Jetzt richtet man sich nicht an die Straßenrap-Fans, die diesen Sprachmodus wahrscheinlich als eher alienarting empfinden, sondern jetzt spricht linke Bubble mit linker Bubble. Aber die kann a) ihre eigenen Sexismus-Probleme oft schon kaum richtig lösen und gehört b) überhaupt nicht zur Hörerschaft der Rapper, über die eigentlich geredet wird.

Deswegen nervt es mich persönlich auch, wenn wir so tun, als ginge es gerade nicht um Straßenrap, und holen dann Danger Dan oder Sookee als Deutschrap-Vertreter heran, als habe deren Zielgruppe irgendeine Schnittmenge mit denen, die wir eigentlich kritisieren wollen. Wenn Leute dann vorschlagen, man solle doch lieber Tua oder Waving The Guns hören ... Die Fans der Rapper, die die kritisierte Denke teilen, werden das vermutlich nicht. Und das ist okay. Es ist eine Community, die guten Grund hat, nach einer langen, klassistischen Geschichte Deutschlands genervt auf Bevormundung zu reagieren. Dafür müssen aber ihre eigenen Plattformen anfangen, kritischer zu werden.

Rapmedien müssen in den kleinen Texten zu neuen Gzuz-Songs oder zu neuen Fler-Alben direkt und in normaler Sprache kritisieren, wenn sie frauenfeindlichen Müll rappen. Influencer und YouTuber dürfen nicht einfach ungefiltert Sexismus abfeiern. Nur so entsteht wirklich eine graswurzelbewegte Änderung in der Mentalität, die sonst auch einfach über Bildung entstehen würde. Hätten wir ein Bildungssystem, das nichts gegen arme und migrantische Deutsche hätte, wäre das natürlich auch nett. Und wenn Labels dann nicht auch noch bekannte Frauenhasser und Frauenschläger signten, wäre das der letzte Schritt.

All das wird ein müshames Bohren dicker Bretter, das man wirklich durchziehen möchte. Es wäre schön, wenn wir diesmal nicht nur ein Zeichen-Setzen-und-dann-zurück-zum Tagesgeschäft beobachten könnten.

Seite 3 von 22

Weiterlesen

8 Kommentare mit 11 Antworten

  • Vor 6 Monaten

    Opa erzählt von Damals: Als ich jung war, haben wir unsere komplette Musik bei emule, napster etc. illegal aus dem Internet gesaugt. Da gab es keine Kontrolle. Der Arschficksong von Sido, war neben Störkraft und TKKG Hörspielen am selben Ort auffindbar und unsere Eltern hatten nicht den blassesten Schimmer was dieses Internet ist. Heutzutage sind die Eltern fit im Netz und die Kinder benutzen legale Services, wo man leicht einstellen kann das explizite Inhalte nicht auf die zarten Ohren gehen sollen. Klar gibt es auch findige Kids und Eltern denen das vollkommen egal ist was die kleinen Rabauken so hören aber es würde schon mal den Musikanten immens schaden, wenn Sie nur noch erwachsenes Publikum hätten. Da fehlt dann wahrscheinlich 50% der Werberelevanten Zielgruppe. Wäre ja nicht schlecht, wenn zumindest die Eltern die auf das seelische Wohl ihrer Kinder wert legen, denen nicht jede King Orgasmus One Scheibe verfügbar machen… Hab grade aus Spaß das neue Fler Album angemacht um zu gucken wie lange es wohl dauert bis die erste misogyne Scheiße kommt und es waren 23 Sekunden, beim ersten Track ^^

    • Vor 6 Monaten

      Hab aus Versehen auf melden geklickt. Sorry.
      Die ganzen harten Sachen des (frühen Berliner) straßen/horror/psycho-rap, u.a. auch orgis Meisterwerke, sind alle nicht auf "legalen" plattformen. U.a. weil indiziert oder eingezogen. Frauenarzt und Orgi sind auch noch nicht lange wirklich auf spoti repräsentiert. Dreckig, kahl und hundsgemein ist aber natürlich ein Klassiker, den jeder auf der platte haben sollte. Da hast du natürlich Recht

    • Vor 6 Monaten

      Netter Ansatz Matthias, funktioniert aber wie von Lora_Zepam angesprochen nur mit indizierten Alben / Songs. Es gibt bei Mucke keine FSK-Klasterung wie bei Filmen oder Spielen, nach der man Alben oder Songs dann sortieren könnte um die 16 oder 18+ Inhalte dann für die Kids zu sperren.

      Zweiter Aspekt des ganzen: Wo ist die Grenze? Wer definiert, was wirklich frauenfeindlich ist und was gerade noch so durchgeht? Wenn Roland Kaiser darüber singt, wie er leichtfertig mit dem anderen Geschlecht umspringt, ist das dann was anderes bloß weil er sich gewählter ausdrückt?

      Auch wenn es manchmal nicht jedem passt und gefällt, aber Kunst ist Kunst. Und hier sollte die künstlerische Freiheit doch erhalten bleiben. Die Bundesprüfstelle regelt dann ;-)

  • Vor 6 Monaten

    Darf ich das jetzt noch hören oder muss ich mit den Augen rollen wegen des expliziten Inhalts?

    https://youtu.be/Uon0Hctwrw8

    • Vor 6 Monaten

      Gute Frage. Hab das damals auch gefeiert, finde aber diese ganzen fickificki Texte heute komplett aus der Zeit gefallen und ähnlich peinlich wie Hamburger Mittelstands-Kinder aus Eimsbüttel, die mir erzählen, wie HipHop zu sein hat.
      Davon ab ist für mich aber der Unterschied: als das im Sommer 2000 rausgekommen ist, haben das ein paar leicht verschrobene HipHop-Spacken gehört. Das war halt komplette Nischenmusik ohne nennenswerten gesellschaftlichen Impact.
      Samra macht Popmusik, und 187 läuft bei meinem Sohn auf dem Sommerfest seiner Grundschule. That makes a difference.
      Also für mich würde ich sagen: ich kann mir das aus Nostalgie nochmal anhören, würde das heute rauskommen fände ich´s einfach nur Schmutz.

  • Vor 6 Monaten

    Gute Vorschläge hier, die mir als alterndem Rapr-Hörer voll entgegen kommen, denn dann könnte ich vllt auch mal wieder Rap ohne Kopfhörer hören, weil 65% einfach mit kleiner Tochter nebenan unhörbar sind und mich in eine Bredouille bringen, die ich mit 17 nicht kannte.

    Aber um mich geht es hier nicht, wie der autor richtig angemerkt hat. wie also die gruppe anvisieren, die "aber gott ist groß und die wahrheit wird dich einholen" unter solche vorwürfe schreibt? (was im wissen um real existierende islamistische gewalt eine krasse drohung an shirin ist, aber mich fragt ja hier keiner)

    mm nach gibt es keine lösung, selbst wenn wir die texte irgendwie verbieten oder immer mehr woke-rapper pushen (die ich, sorry, halt auch einfach nicht hören kann). das klingt wieder nach so einem allgemeinplatz, aber da muss sich ganz grundsätzlich etwas ändern, was aber niemals passiert. ich habe mit 20 auch kollegah gefeiert, wäre trotzdem, wie 90% der restlichen hörer, nie auf die idee gekommen, seinen misogynen scheiß auf die realität zu übertragen. solange diese unterscheidung zwischen (schlechter) kunst und realität klar ist und funktioniert, haben wir hier höchstens ein geschmacksproblem oder einen generationenkonflikt, weil ich meiner tochter verbiete, solche musik zu hören, SOLANGE SIE DIE FÜßE UNTER MEINEN TISCH STELLT!!!!11

    problematisch wird es, wenn hier soziale realität reinballert, und das ist hier der fall. die akteure sind doch allesamt von der fraktion "mama ist heilig und kriegt benzer und haus" und "kopftuchfrau hat ehre!" aber "rest sind alles huren meine frau dürfte sich so nicht anziehen". und diese einstellung ist bei zentralen playern der szene sehr verbreitet und wird in videos, interviews, usw immer wieder reproduziert. guckt euch mal paar videos/interviews von den clan "bossen", aber auch massiv usw. an. das trieft aus allen poren von dieser auf der einen seite "heiligen" verehrung gegenüber den ehrenhaften udn der absoluten verachtung gegenüber "den anderen" frauen. wer so ein weltbild hat, für den ist doch von vornherein klar, dass "so eine insta hure" nur lügen kann, aber der ehrenhafte samra, der seine mutter liebt wie allah es befohlen hat, dazu schon allein durch sein standing nicht in der lage ist. außerdem ist er ein mann und bei nika kann man nippel sehen. und hier würden den leuten dann wahrscheinlich nich nur ihre peers, sondern auch väter, mütter, onkels, großväter usw. zustimmen. wer in solchen strukturen verankert ist und aus dem peer/familenkreis keinen widerspruch erfährt, dem kann es auch scheißegal sein, was lehrer, fridays for future, sokee oder yannik bei laut von sich geben.

    und bevor hier die diskussion wieder los geht: NEIN, das gibt es auch bei kartoffeln (gzuz, fler) und hat auch nix dezidiert mit islam zu tun, sondern einfach was mit uralten patriachalen ehre denkmustern.

    • Vor 6 Monaten

      Jepp, stimme da größtenteils zu. Hast da auch angeschnitten, daß Wokeness im Grunde nur die "heilige" Seite vom Frauenbild pusht. Und das ist nun mal so gar nicht außerhalb der kranken Spielregeln, von denen man sich befreien will. Und ja, das Spiel ist auch absolut deutsch (Nazis, hust, hust), weshalb wir hier in Progressivitätsfragen stets ein paar Jährchen zurückliegen, oder zwischendruch auf Holzwege abbiegen.

      Ist auch ne spannende Frage, ab wann Du kein Problem mehr damit hättest, daß Deine Tochter "frauenverachtenden" Rap hört. Gibt da wohl keine pauschale, gute Antwort, oder?

    • Vor 6 Monaten

      das ist echt schwer zu beantworten. ich persönlich glaube ja, dass meine tochter überhaupt keinen rap mehr hören wird. das ist die musik meiner generation und ich hoffe, dass es bis dahin mal was anderes gibt. denn wenn sie rap hören würde, dann könnte ich das ja noch irgendwo einschätzen, weil ich das bereits in meiner jugend gehört habe und entsprechend weiß, wie das einzuschätzen ist. das spannende an generationenkonflikten ist ja, dass es wahrscheinlich was komplett anderes sein wird, was ich gar nicht mehr verstehe oder nachvollziehen kann, aber das ist halt einfach noch paar jahre weg und ich hab absolut keine ahnung, was es sein wird. vllt wird sie das internet hassen und alles digitale ablehnen, das würde ich zB überhaupt nicht verstehen.^^

      generell glaube ich, dass ich auch nicht alles mit meiner tochter besprechen muss und auch nicht alles wissen muss, was sie tut. es ist schon richtig so, dass jugendliche und junge menschen einen bereich für sich haben. ich hoffe einfach, dass ich mitkriege, dass die grundparameter stimmen und sie glücklich ist. oh, jetzt kommen mir schon die tränen. ich geh mal lieber wieder heimlich kpop hören.

    • Vor 6 Monaten

      achso, weil ich hier gerade eh schon so viel schreibe: ein gutes role model fand ich in diesem kontext bushido, der sich von arafat auch deshalb getrennt hat, weil er dessen misogyne scheiße über seine frau nicht mehr hören konnte, weil die sich unislamisch angezogen hat oder auch mal was im männerkreis geäußert hat. er hat zu ihr gestanden. aber er ist natürlich jetzt auch der verachtete lutscher, der mit den bullen zusammenarbeitet. tja.

    • Vor 6 Monaten

      Okay, stimmt. Glaube zwar, daß alle Unter- und Abarten von Rap noch mindestens 20 Jahre lang den Mainstream dominieren. Wenns soweit ist, wird sie hoffentlich ein Genre finden, mit dem sie Dich nerven kann ;)

      Finde es nur halbwegs lohnenswert sich anzugucken, ab wann man einen Menschen für mündig genug hält zu wissen, was richtig, falsch oder Kunst ist. Glaube, da vermischt sich in der Wahrnehmung vieler so einiges. Und oft traue ich diesen Experten dann nicht zu, gute Eltern zu sein, wenn sie dermaßen viele Menschen für unmündig halten.

      Klingt jedenfalls vernünftig und sehr warmherzig, was Du erzählst!

  • Vor 6 Monaten

    Gehört Bitch-Rap ala Krasavice, Shirin David, Schwesta Ewa und co dann auch gecancelled oder ist das noch Feminismus? Gleicher Shitstorm für alle!

    Btw ich finde ja, Schwesta Ewa und Bruda Sven sollten mal ne Kollabo machen (falls letzterer noch aktiv ist).

  • Vor 6 Monaten

    "Die Rechenschaft von Tätern. Wie jedes #MeToo-Movement, hat auch dieses das Ziel, Täter zur Verantwortung zu ziehen, die von Gerichten nicht belangt werden. Entweder, weil die zu voreingenommen sind, oder weil die Beweislage zu dünn ist. Wir müssen also ein Diskursfeld schaffen, das es potentiellen Opfern so leicht wie möglich macht, ihre Geschichten zu teilen und anzusprechen, was sie erfahren haben, ohne sofort Ächtung, Infragestellung und Zweifel zu erfahren."

    Wenn die Beweislage zu dünn ist, wird es wahrscheinlich nicht passiert sein oder man hat halt keine andere Wahl als zu akzeptieren, dass man in dem Sinne nichts machen kann. Das ist leider so eine Sache, die viele Kommentatoren immer gekonnt missachten, nämlich dass es sich bei dem Problem mit den Vergewaltigungen und der fehlenden Aufklärung primär um ein FORENSISCHES Problem handelt, nicht NUR um ein ideologisches. Anstatt, dass man versucht, kreativ zu werden und eben diese forensischen Probleme irgendwie zu beheben, damit auch die ideologischen Probleme weniger Raum kriegen, will man dann eher darauf gehen, zu sagen "Okay, wir glauben pauschal erst einmal jedem, der sagt, dass es ihm passiert ist und ziehen die vermeintlichen Täter sofort in die Verantwortung, in dem wir das 'vermeintlich' oder 'mutmaßlich' aus dem Vokabular streichen, weil das die Opfer in ihrer Stellung/Bedeutung etc. untergräbt." Ich finde es hier relativ problematisch, dass der Justiz als Instanz wenig Bedeutung beigemessen wird und der Mob-Anteil der metoo-Bewegung das letzte Wort darüber zugesprochen kriegt, ob die Tat geschehen ist oder nicht.

    Natürlich kenne ich auch die Statistiken zumindest die fehlerhafte Interpretation daraus, dass nur 2% aller Vergewaltigungen Falschanschuldigungen seien. Das ist aber, angesichts der globalen Dunkelziffern das gesamte Phänomen betreffend, aber auch keine präzise Zahl. Vor allem geht es bei dem Problem der Falschanschuldigung nicht um den quantitativen Aspekt, sondern um den qualitativen. Wenn man den oft zitierten Fall Kachelmann betrachtet, wo die Klägerin nachweislich gelogen hat und der Freispruch mehr gut begründet war, dann aber die eigene Staatsanwaltschaft meint, es wäre eine Art Freispruch zweiter Klasse (den es nicht gibt) und Leute in der Öffentlichkeit schon wegen des Verfahrens alleine nach Jahren noch meinen, dass da etwas "drangewesen sein könnte", dann hat man meiner Meinung nach als Mann schon das Recht dazu, Zweifel zu äußern. Das müssen die Opfer genauso aushalten wie die mutmaßlichen Täter.

    Am Ende des Tages ist die Unschuldsvermutung (es gibt keinen Täterschutz) ein progressives Element in der Justiz, eben weil der umgekehrte Weg, also der Beweis von Unschuld, ein beliebtes Mittel in der Tyrannei gewesen ist.